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Rendsburg Der Kampf gegen das Seegras
Lokales Rendsburg Der Kampf gegen das Seegras
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16:17 24.09.2014
Von Christoph Rohde
Die Strandreinigungsmaschine der Touristik kann nur den oberen Strandbereich säubern. Die Seetangmassen am Spülsaum müssen mit größerem Gerät abgefahren werden – eine Sisyphosarbeit. Quelle: Christoph Rohde
Eckernförde

„Die sind jetzt voll in der Maisernte“, weiß Hans-Peter Möller von Eckernförder Touristik um das Problem. Auf Lohnunternehmer ist man angewiesen, da die Massen an Seetang sich mit der kleinen Strandreinigungsmaschine nicht mehr bewältigen lassen. Da sind schon Trecker mit großen Anhängern gefragt. „Aktuell liegen hier weit über 100 Tonnen, das schaffen wir mit eigenen Mitteln nicht“, erläutert Möller. Allein von Anfang des Jahres bis heute waren 1300 Tonnen Seegras vom Eckernförder Strand abgefahren worden. Um sich das Volumen vorstellen zu können, zieht der Touristikmitarbeiter einen Vergleich: „Würde man die Stadthalle von oben mit Seegras füllen, würde sie überlaufen.“

 Die lange Ostwindphase hat Eckernförde die ungebetene Fracht beschert. Grund ist die Lage des Ostseebades am Ende der Bucht. Alles, was an Seegras von den Ostseewellen transportiert wird, sammelt sich in dieser „Sackgasse“ und wird an den Strand geschwemmt. Zwar ist laufend Seegras abgefahren worden. Doch die touristik-eigene Strandreinigungsmaschine fast nur zwei Kubikmeter. Zu wenig, um der Massen Herr zu werden. Gestern zog dennoch Oliver Kohrt im Strandbereich zwischen DLRG-Hauptwache und „Seegarten“ seine Kreise. Immerhin filtert die Maschine viel Sand aus, der sonst mühsam im Nachgang ausgesiebt werden müsste. Dennoch reichen die Kapazitäten nur, um den oberen Strandbereich zu bearbeiten, – nicht den Spülsaum.

 Am Hundestrand hatte ein Lohnunternehmer Dienstagnachmittag bereits begonnen, Seetang zusammenzuschieben. Doch noch konkurriert die Ernte mit einer zügigen Abfuhr vom Eckernförder Strand. Dennoch rechnet Möller damit, dass bis zu den Herbstferien der Seetang abgefahren ist. Die Strandkörbe hat die Touristik bereits eingeholt. Denn mit dem beginnenden Herbst muss mit kurzfristig auftretenden Stürmen gerechnet werden.

 Das Seegras wird zur Kompostierungsanlage der Abfallwirtschaft Rendsburg-Eckernförde gebracht. Hier wird der Sand ausgesiebt und anschließend zurück an den Strand gefahren, wo er herkam. Nach Angaben von AWR-Geschäftsführer Ralph Hohenschurz-Schmidt lässt sich derzeit mit Seegras in der Region nichts anderes anfangen als die Kompostierung. „Das ist die Technik der Wahl.“ Für eine Vergärung zu Biogas sei Seegras zu energiearm, erklärt er. Nachgedacht wird hingegen über eine sogenannte Karbonisierung von pflanzlichen Rohstoffen, um die Entstehung von CO2 zu minimieren. Für dieses Projekt bewirbt sich die AWR gemeinsam mit Partnern um EU-Fördermittel. Dabei könnte auch Seegras eine Rolle spielen.