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Rendsburg Diskussion um drei Riesenwindmühlen
Lokales Rendsburg Diskussion um drei Riesenwindmühlen
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20:44 23.08.2019
Von Sven Tietgen
Henning Thomsen macht den 35 Zuhörern deutlich, dass die Gemeindevertreter in puncto Windpark in einer Zwickmühle stecken. Quelle: Sven Tietgen
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Groß Buchwald

Im Herbst will das Unternehmen Denker & Wulf aus Sehestedt beim Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) eine Ausnahmegenehmigung für das Windmühlentrio beantragen. Für Gemeindevertreter Achim Zimmermann (FWG) ist die Sache ziemlich klar: Weil auch im jüngsten Regionalplan das Areal am Holzweg kartiert und als Vorrangfläche markiert wurde, dürfte das LLUR den Antrag bewilligen. Das Thema beschäftigt das Dorf bereits seit Längerem.

„Die Wahrscheinlichkeit dafür ist sehr hoch“, sagte Zimmermann in der Sitzung der Gemeindevertretung am Donnerstag. Wenn der Betreiber den Antrag stellt, muss sich auch die Gemeinde entscheiden. Dabei sitzen die fünf entscheidungsfähigen Gemeindevertreter – vier weitere Vertreter inklusive Bürgermeister Holger Gränert sind befangen – in einer Zwickmühle.

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Vertrag oder Bebauungsplan mit Veränderungssperre in Groß Buchwald

„Egal, wie wir uns entscheiden, die Hälfte des Dorfes wird dagegen sein“, sagte Henning Thomsen vor 35 Zuhörern im Bürgerhaus. In einem Vortrag, für den der stellvertretende Bürgermeister viel Beifall erhielt, listete er drei Entscheidungsmöglichkeiten mit jeweils Vor- und Nachteilen für die Groß Buchwalder auf.

Hebt der Gemeinderat die Hand für einen städtebaulichen Vertrag mit Denker & Wulf, sollen mindestens 90 Prozent der erwirtschafteten Gewerbesteuern im Dorf bleiben. Alternativ könnte die Gemeinde einen Bebauungsplan aufstellen und gleich eine Veränderungssperre über zwei Jahre verfügen.

Am 1. Januar 2021 will das Land den nächsten, überarbeiteten Regionalplan vorlegen, dann möglicherweise ohne Vorrangfläche in Groß Buchwald. „Den Bebauungsplan müssten wir selbst bezahlen, die Kosten liegen bei 80.000 bis 100.000 Euro“, rechnete Thomsen vor.

Sachliche Debatte mit offenen Fragen

Das Publikum hielt sich mit Meinungsäußerungen zurück. Vereinzelt wurde der glasfaserverstärkte Kunststoff als Baumaterial für die Windmühlen als nicht klimafreundlich oder die Höhe der Rückbaubürgschaft kritisiert. Eine Zuhörerin befand den Vertrag mit den Betreibern für gut und meinte, dass Groß Buchwald als kleine Gemeinde sich nicht gegen die Energiewende stemmen sollte.

Ein Neubürger bot an, ein dreidimensionales Modell mit dem Dorf und den drei Windmühlen zu bauen: „Dann haben die betroffenen Bewohner der Hauptstraße von ihren nach Süden ausgerichteten Gärten einen Eindruck, wie der Windpark optisch wirkt.“

Deutlich wurde in der sehr sachlich geführten Debatte, dass es bei den fünf entscheidungsbefugten Gemeindevertretern noch offene Fragen gibt.
Für Iris Kölln sind die Folgen bei einem Betreiberwechsel nicht eindeutig geklärt. „Das Problem ist, dass es rechtlich nicht klar ist, ob sich ein Nachfolger des Betreibers an den Vertrag halten muss“, sagte die FWG-Vertreterin. Die Diskussion um die Windenergieanlagen wird im Dorf weitergehen. Bürgermeister Holger Gränert kündigte für den Herbst eine Einwohnerversammlung an.

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