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Rendsburg Eltern auf Probe für drei Tage
Lokales Rendsburg Eltern auf Probe für drei Tage
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13:30 14.06.2018
Ruth Lindner (rechts) mit den frischgebackenen Müttern und Vätern der Schule am Eiderwald. Quelle: Sorka Eixmann
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Das Geschrei geht durch Mark und Bein. „Das ist so, wenn ein Baby Hunger hat“, sagt Rasmus und nimmt die Flasche, Sekunden später ist es still. Der 14-Jährige hat „Baby Stevie“ zum Schweigen gebracht – ganz problemlos.

Aber keine Angst, Rasmus ist kein junger Vater, der Schüler der Schule am Eiderwald nimmt wie elf weitere Schüler an dem Projekt „Eltern auf Probe“ teil und „Stevie“ ist ein computergesteuerter Babysimulator. Und dieser Simulator kann nicht nur schreien. „Das Baby muss gefüttert werden, gewickelt und natürlich auch versorgt, das bedeutet, es muss überall hin mitgenommen werden“, erklärt Ruth Lindner, die das Projekt gemeinsam mit Ehemann Holger an der Schule leitet. „Die Elternpaare, die sich freiwillig für das Projekt melden, sind drei Tage und drei Nächte mit den Babys zusammen. Spätestens am zweiten Morgen sieht man ihnen die Müdigkeit an“, sagt Ruth Lindner mit einem Schmunzeln.

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Die Müdigkeit ist offensichtlich

Und sie hat recht. Müde Augenpaare blicken in die Runde, Alina meldet sich zu Wort: „Es war heute Nacht echt grenzwertig, vier Mal mussten wir aufstehen.“ „Wir“ weil sich immer zwei Schüler beziehungsweise Schülerinnen ein Baby sozusagen teilen, auch in der Versorgung wird sich abgewechselt.

Dennoch ist es offenbar anstrengend. Alle Schüler und Schülerinnen nicken zustimmend mit den Kopf. Doch nicht nur die Anstrengung, für ein Kind da zu sein, ist auffällig. „Man wird schräg angesehen“, sagt Alina und berichtet von einem Erlebnis im Bordesholmer Eiscafé. „Unsere Baby hat geschrien, wir haben uns gekümmert und dann hörten wir den Satz: Wie kann man bloß in dem Alter schon ein Kind haben“, erzählt sie.

Der Förderverein übernimmt die Kosten

„Der Förderverein der Schule übernimmt dieses Mal die Kosten“, lobt Ruth Lindner. Die einzelnen Babysimulatoren kosten aufgrund der Technik rund 1000 Euro, auch Kinderwagen sowie Kleidung gehören zur Ausstattung. „Die Eltern auf Probe sollen unter realen Bedingungen wirken.“ Auch Info-Filme zum Thema Verhütung sowie ein Besuch im Geschäft, um die Lebenshaltungskosten zu ermitteln, gehören dazu. „Wir wollen nicht sagen, dass man keine Kinder haben soll. Wir wollen deutlich machen, dass der Zeitpunkt passen muss“, betonen die Lindners.

Von Sorka Eixmann

Torsten Müller 14.06.2018
Frank Scheer 14.06.2018