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Rendsburg Erdölpläne erhitzen die Gemüter
Lokales Rendsburg Erdölpläne erhitzen die Gemüter
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19:04 08.11.2013
Von Cornelia Müller
„Hier ist die Welt noch in Ordnung“, finden Urlauber und Tagesgäste. Kritiker der Ölförderung befürchten, dass der Tourismus leiden könnte – wie zum Beispiel hier in Krusendorf. Quelle: C. Müller
Schwedeneck

Die Luft ist dick, bevor die Veranstaltung mit den RWE-Vertretern Heiko Oppermann und Derek Mösche beginnt. Was zunächst an der Enge liegt: Der Nebenraum hinter der Gaststube ist viel zu klein für all diese besorgten Bürger aus Schwedeneck, aber auch aus Dänischenhagen und Altenholz. Stühle werden herbeigeschleppt aus dem Saal, dessen Tür trotz der Enge geschlossen bleiben soll.

 Bürgermeister Gustav Otto Jonas (SPD) hat eingeladen und wohl nicht mit so großer Beteiligung gerechnet. „Ich bin aber froh, dass Sie alle gekommen sind“, wird er später bekennen. RWE Dea hat vorab einen Brief der Kommunalpolitiker von SPD, CDU und UBS bekommen. Der bringt die Sorgen einer Gemeinde auf den Punkt, die vom Tourismus lebt, mit intakter Natur wirbt und auf Windkraftanlagen auf ihrem Gebiet stolz ist: Die Bürger seien verunsichert. Es gehe neben Klarheit auch darum, einen akzeptablen Interessenausgleich zwischen Gemeinde, Bürgern und RWE Dea zu finden, heißt es da unter anderem. Für das Energiewendeministerium in Kiel hält Olaf Nalenz aus dem Referat Energiepolitik die Stellung.

Oppermann und Mösche, die vor Monaten bei einer Infoveranstaltung in Gettorf mit der Konzept „Pipeline von Schwedeneck nach Gettorf“ einen landesweiten Sturm der Entrüstung auslösten, behalten die Ruhe. „Ich bin unbedacht vorgeprescht. Doch das war nur eine Idee“, räumt Projektleiter Oppermann ein. „Wir befinden uns noch Jahre entfernt von Betriebsplänen, an deren Genehmigung Ämter und Gemeinden mittelbar als Träger öffentlicher Belange eingebunden sind. Wir prüfen erst, ob die Förderung von geschätzten 400000 Tonnen Restöls unter dem Grund der Bucht überhaupt lohnt. Und wenn, dann wollen wir Ihre Akzeptanz.“

 Über 300 Millionen Euro ist die genannte Ölmenge wert. Dennoch ist sie im Vergleich zum bundesdeutschen Ölverbrauch nicht einmal ein Tropfen auf den heißen Stein. Und die Kosten der anspruchsvollen Horizontalbohrung von Land aus sind noch nicht ermittelt. Wo ein Bohrturm für kurze Zeit stehen werde, und wo für mehrere Jahre das Betriebsgelände sei, das alles wolle man mit den Bürgern vorher ausloten.

 Bekannte Fakten werden erläutert. Nalenz macht klar, dass auch der grüne Minister Robert Habeck nicht am Bergrecht vorbeikommt. Fracking sei ausgeschlossen, legen die Dea-Vertreter dar. Doch viele der Gäste mögen es weiter nicht glauben. Auch daran, dass Touristen nicht beieinträchtigt würden und Arbeitsplätze in nennenswerter Zahl entstünden, zweifeln etliche. Mit einem unguten Gefühl verlässt mancher nach zweieinhalb Stunden den Gasthof.

 Gleichwohl gibt es ein Ergebnis: RWE sagt zu, künftig in kurzen Abständen über den Stand der Dinge vor Ort zu informieren.