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Rendsburg Nato-Flugplatz Hohn bleibt
Lokales Rendsburg Nato-Flugplatz Hohn bleibt
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16:26 10.12.2019
Von Hans-Jürgen Jensen
Noch bis 2021 starten und laden Transall-Maschinen auf dem Nato-Flugplatz Hohn bei Rendsburg. Quelle: Jörg Wohlfromm
Hohn

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Johann Wandephul schreibt in einer Pressemitteilung: "Angesichts der sich seit Jahren verschärfenden sicherheitspolitischen Lage gerade auch im Ostseeraum ist heute jeder Hochwertstandort für die Bundeswehr wichtig. Und Hohn mit seiner großen Rollbahn und der dazugehörigen Infrastruktur ist ein solcher Standort." Wadephul berief sich auf ein Telefongespräch mit Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) am Montagabend.

Wadephul rechnet mit Drohnen

Wadephul geht nicht von einem ständigen Flugbetrieb mit Tornados und Eurofightern in Hohn aus. "Jets sind nicht der Regelbetrieb." Der Politiker rechnet damit, dass Airbus eine bayerische Tochter auf dem Flugplatz ansiedelt, die die sogenannten Eurodrohnen entwickelt und wartet. "Das bedeutet viele Arbeitsplätze und nicht so viel Fluglärm." Das sei bisher nur ein Plan von Airbus. Es gebe "keine festen Zusagen".

In die gleiche Kerbe schlägt Wirtschaftsminister Bernd Buchholz. Der Erhalt des Flugplatzes sei in dem Industriekonzept des Landes "notwendige Bedingung dafür, Hohn auch zu einem Forschungs-Standort für unbemannte Luftfahrt zu machen".

Mail vom Landeskommando: Flugplatz Hohn gerettet

Die Nachricht vom Erhalt des Fliegerhorstes Hohn erreichte Peter Frank, den stellvertretenden Kommodore des auf dem Nato-Flugplatz Hohn stationierten Lufttransportgeschwaders (LTG) 63 am späten Montagnachmittag, "gegen 17 Uhr". Absender: das Bundeswehr-Landeskommando Schleswig-Holstein.

Danach sagte der Oberstleutnant dieser Zeitung: "Die Entscheidung ist gefallen, dass der Nato-Fliegerhorst Hohn weiterhin in der militärischen Nutzung der Luftwaffe bleibt". Es gehe um eine "Verwendung als Ausweichflugplatz".

Eurofighter und Tornados statt Transalls

Das bedeutet: Es wird deutlich lauter für die Anwohner. Nicht mehr das sonore Brummen der Transall-Maschinen wird zu hören sein. Eurofighter und Tornados werden über den Siedlungen brüllen. Aber nicht dauernd.

"Es wird etwas lauter", erklärte der stellvertretende LTG-Kommodore Frank. Das gelte "vorübergehend für eine bestimmte Zeit". Genauer könne er das nicht sagen. Es werde aber "keinen Dauerflugbetrieb" mit Tornados und Eurofightern geben.

Hohn wird Ausweichflugplatz der Luftwaffe

Die Luftwaffe könnte Hohn als Ausweichflugplatz für ihre Fliegerhorste im nahen Jagel bei Schleswig, in  Rostock-Laage und Wittmund in Ostfriesland nutzen, sagte der Oberstleutnant. In Jagel sind Tornados stationiert, in Rostock-Laage und Wittmund Eurofighter.

Was es bedeutet, wenn Hohn Ausweichflugplatz wird? Etwa bei Instandsetzungsarbeiten an den Start- und Landebahnen der benachbarten Fliegerhorste würden womöglich Tornados und Eurofighter nach Hohn ausweichen, sagte der stellvertretende Kommodore des LTG 63. Bei Arbeiten an der Piste in Jagel war das bereits in der Vergangenheit mehrfach der Fall.

Weiterhin könnte Hohn den Angaben zufolge als Landeplatz für Tornados und Eurofighter infrage kommen, wenn die Luftwaffe im Rahmen einer Übung die Verlegung eines Geschwaders probt.

Ende 2021 ist Schluss fürs Lufttransportgeschwader 63

Die Rettung des Flugplatzes nannte Rendsburgs Bürgermeister Pierre Gilgenast "für die Stadt und die Region eine richtig gute Botschaft". Gleichzeitig bedauere er, dass für das Lufttransportgeschwader 63 zum 31. Dezember 2021 Schluss ist. "Das war nicht anders zu erwarten."

Rendsburg will Informationen zum Fluglärm

Sorgen macht sich Gilgenast wegen der drohenden Lärmbelastung durch Eurofighter und Tornados. Rendsburg wolle wissen, was es bedeutet, dass Hohn Ausweichflugplatz werden soll. "Wir wollen Informationen aus erster Quelle."

Ansprechpartner seien das Lufttransportgeschwader 63 in Hohn, das Bundeswehr-Landeskommando Schleswig-Holstein und das Verteidigungsministerium in Berlin. Angaben zum Fluglärm seien wichtig "wegen der Bedeutung der Region". Die Einflugschneise zum Flugplatz Hohn führt über große Teile Rendsburg sowie die Nachbarstadt Büdelsdorf.

Unternehmensverband: "Rettung des Flugplatzes Hohn gut fürs Image der Region"

Erfreut reagierte der Unternehmensverband Mittelholstein. Sein Vorsitzender Jens van der Walle erklärte am Dienstag: "Dies ist eine sehr gute Nachricht für die Region Rendsburg und den gesamten Kreis Rendsburg-Eckernförde. Sie kommt zur rechten Zeit und wird nicht nur zur Beförderung des guten Images der Region Rendsburg beitragen, sondern auch für die Wirtschaft und Gesellschaft Planungssicherheit bieten." Er bedanke sich bei dem CDU-Bundestagsabgeordneten Johann Wadephul für dessen "hervorragendes Engagement".

Schwemer: "Das lange Ringen um Hohn hat sich ausgezahlt"

Landrat Rolf-Oliver Schwemer (parteilos) erklärte: "Ich begrüße die Entscheidung über den Weiterbetrieb des Bundeswehrstandortes Hohn sehr. Insbesondere für die Menschen in der Region, die immer eine enge Verbundenheit mit der Bundeswehr gezeigt haben, bedeutet dies viel. Da jetzt der Erhalt, der Ausbau und auch eine zivile Mitnutzung des Flugplatzes stattfinden wird, hat sich das lange Ringen um den Erhalt des Bundeswehrstandortes gelohnt. Sicherlich hat diese Entscheidung auch positive Auswirkungen auf die Wirtschaft im Einzugsbereich des Flughafens und somit auch auf zivile Beschäftigungsverhältnisse."

Sönke Rix (SPD): Region wird profitieren

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Sönke Rix aus Eckernförde sagte: "Nachdem im Sommer bekanntgegeben worden war, dass der Bundeswehr-Standort Alt Duvenstedt mit der Hugo-Junkers-Kaserne entgegen den bisherigen Plänen nicht geschlossen wird, ist dies eine weitere gute Nachricht. Sowohl die Region als auch die Bundeswehr werden von der Entscheidung profitieren."

"Sicherheit für GFD-Flugzieldarsteller"

Die Entscheidung für den weiten Betrieb des Nato-Flugplatzes Hohn über das Ende des Lufttransportgeschwaders 63 hinaus gebe auch der auf Wachstum programmierten Airbus-Tochter GFD Planungssicherheit, meinte Wadephul.

Die Gesellschaft für Flugzieldarstellung ist seit 30 Jahren auf dem Flugplatz Hohn mit 14 Learjets stationiert. Das Unternehmen trainiert Luftwaffenpiloten und beteiligt sich an Bundeswehrübungen. Es will in die Ausbildung von Soldaten einsteigen, die Drohnen steuern. Der Vertrag mit dem Bundeswehr-Dienstleistungszentrum für die Nutzung des Flugplatzes Hohn samt Tower läuft Mitte 2021 aus, erklärte GFD-Geschäftsführer Stefan Müller im September und forderte "Planungssicherheit für weitere Investitionen".

"Flugplatz Hohn liegt strategisch günstig"

Die Bundeswehr behalte Hohn als "strategisch günstig zwischen Nord- und Ostsee gelegene Basis", sagte der CDU-Bundestagsabgeordnete Johann Wadephul: "Mit dem jetzt beschlossenen Weiterbetrieb von Hohn, der Weiternutzung der Kaserne in Alt Duvenstedt und dem Ausbau des Standortes Eckernförde ist die Region Rendsburg-Eckernförde eine bedeutende Größe auf der Stationierungskarte der Bundeswehr."

Vor wenigen Wochen hatte der Politiker Hoffnungen geweckt. Die Bundeswehr prüfe, ob sie den Flugplatz Hohn auch nach der Auflösung des Lufttransportgeschwaders 63 behält. "Ich bin zuversichtlich, dass es in Zukunft auch weitere gute Nachrichten geben wird", sagte der Politiker im August 2019. Seinerzeit hatte er angekündigt, dass die nahe gelegene Hugo-Junkers-Kaserne in Alt Duvenstedt vom Seebataillon der Marine aus Eckernförde genutzt werde. Derzeit ist das Lufttransportgeschwader 63 in der Kaserne untergebracht.

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