Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Rendsburg Wenn Schüler zu Forschern werden
Lokales Rendsburg Wenn Schüler zu Forschern werden
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:32 12.10.2019
Von Beate König
Beim Forschertag an der Gemeinschaftsschule lernten Zwölftklässler theoretische Chemie kennen: Ein Porgramm errechnet binnen Sekunden chemische Verbindungen und spart Forschern Versuchs-Zeit. Quelle: Beate König
Nortorf

„Die Gemeinschaftsschule hat eine Insellage in der Region“, beschreibt Schulleiter Timo Off eines der hervorstechenden Charakteristika der Schule. Andere öffentliche weiterführende Schulen sind Kilometer entfernt.

Dennoch lag viele Jahre die Übergangsquote der Grundschüler bei gerade 50 Prozent, berichtete Schulverbandsvorsteher Jochen Runge. Seit einigen Jahren geht jedoch der Trend nach oben. Inzwischen stammen 66 Prozent der Schüler aus den Grundschulen des Amtes Nortorfer Land.

900000 Euro für moderne naturwissenschaftliche Unterrichtsräume

Einer der Gründe des Schülerzuwachses kann im gestiegenen Renomée der Schule liegen. Der Schulverband hat in die Ausstattung der Naturwissenschaftsräume investiert: Mehr als 900000 Euro flossen in die Modernisierung der Fachräume der Mint-Schule (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik sind Schwerpunkte).

Kieler Forschungswerkstatt seit vier Jahren in Nortorf

Experten in die Schule holen, die Schülern aus der Praxis des Berufsalltags berichten, fördert Schulleiter Timo Off. Zu den den Projekten, die aus dem Schulalltag hervorstechen, zählen auch die Besuche der Kieler Forschungswerkstatt.

Lehrer Volker Freund holte das Projekt der Christian-Albrechts-Universität Kiel vor vier Jahren an die Schule. „Das Angebot eignet sich für Zwölftklässler“, berichtete Volker Freund, während sich die Schüler in beim jüngsten Besuch des „Klick!:Labors“ der Forschungswerkstatt in die Anwendung des Lotuseffekts im Alltag, Vorzüge der theoretischen Chemie und in molekulare Schalter vertieften.

Mit Mikroskopkamera dem Lotus-Effekt auf der Spur

„Die Schülerexperimente sind Teile aus meiner Doktorarbeit“, berichtete Insa Stahmer, Leiterin des Klick!:-Labors.

Mit einer Mikroskop-Kamera fotografierten Schüler Wassertropfen auf unterschiedlichen Oberflächen. Auf den vergrößerten Fotos auf dem Laptopbildschirm bestimmten sie Kontaktwinkel. Erkenntnis: Auf einem Lotusblatt bleibt der Tropfen fast kugelrund.

„Die Oberfläche ist hydrophob, wasserabweisend,“ erklärte Doktorandin Insa Stahmer den Lotus-Effekt. Der wasserabweisende, selbstreinigende Effekt wird für Operationsgeräte oder Teflon-Pfannen genutzt.

Um dem abstrakten Begriff „molekulare Schalter“ den Schrekcen zu nehmen, hatte Insa Stahmer handfeste Beispiel: Selbst verdunkelnde Brillengläser tragen chemische Verbindungen im Glas, die auf Licht regaieren.

„Der Effekt wird auch bei Rückspiegeln im Auto oder bei UV-Licht empfindlichen Fensterscheiben genutzt“, erzählte Insa Stahmer. Auch Wärme kann bei chemischen Verbindungen einen Schaltereffekt auslösen, lernten Schülerinnen mit wärmeempfindlichen Spezial-Nagellack. Der Lack färbte sich in heißem Wasser himmelblau, in Esiwasser weiß.

Theoretische Chemie spart Zeit und Material

Die Vorzüge theoretischer Chemie zeigte Insa Stahmer an ihrer eigenen Forschung über Koli-Bakterien: Computerprogramme, die mit den Eigenschaften chemischen Stoffe gefüttert wurden, sparen in der Forschung Zeit und Geld: „Wir brauchen kein Material und keine langen Testreihen mehr.“

In der Software können chemische Stoffe probehalber miteinander kombiniert und als Molekülstruktur auf dem Bildschirm dargestellt werden. „Ich fand ein Molekül gesucht, das Koli-Bakterien so verändert, dass sie sich nicht mehr an der Darmwand absetzen können.“

Die Uni will mit den Projekten der Forschungswerkstatt Interesse an naturwissenschaftlichen Studiengängen wecken, erläuterte Insa Stahmer die Projektidee. „Es ist auch in Ordnung, wenn die Schüler am Ende des Tages wissen, was sie nicht wollen.“ Schülerin Rebecca Sophie Lieser (17) war ehrlich: „Der Einblick ist interessant. Ein Studium kann ich mir nicht vorstellen.“

Schule hilft, Lebensentwürfe zu entwickeln

Weitere Projekte der Schule sind eine dreitägige Fahrt nach Westerhever mit Exkursionen ins Wattenmeer. Infos beim Akademikertag zu rund 30 akademischen Berufen helfen, eigene Lebensentwürfe zu entwickeln.

Auch Künstler, die ihre Arbeiten persönlich vorstellten und Expertenvorträge helfen Schülern, den eigenen Kurs zu finden. Rene Borbonus sprach über Kommunikation, Unternehmensgründer Maximilian Schay über sein Bambusrad-Projekt myboo. Statistikprofessor Björn Christensen vermittelte praxisnahes Wissen.

Klicken Sie hier, um weitere Eindrücke vom Forschertag in Nortorf zu sehen.

Zum Thema

Die Kieler Forschungswerkstatt wurde 2012 von der Christian-Albrechts-Universität (CAU) und dem Leibniz-Institut für die Pädagogik von Naturwissenschaften und Mathematik (IPN) gegründet. Bei elf kostenlosen Forschungsangeboten aus unterschiedlichen Fachbereichen werden Schülern aller Altersstufen, Lehrern und Bürgern aktuelle Forschungsergebnisse vorgestellt. D"ie Schüler-Mitmachangebote dienen auch als Werbung für ein naturwissenschaftliches Studium. Die Forschungswerkstatt unterstützt den Aufbau eines Schülerforschungsnetzes im Land und bietet Citizen-Science-Projekte an, bei denen Bürger Teil des wissenschaftlichen Forschungsteams werden. Aktuell können Jugendliche für das Projekt „Plastikpiraten“ das Vorkommen von Plastik in Fließgewässern dokumentieren, ihre Angaben fließen in wissenschaftliche Studien ein. Der „Coastal Clean-up-Day“ ist seit 2013 Bürgerprojekt.

 Die Forschungswerkstatt wird unter anderem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und vom Landesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur unterstützt.

www.forschungs-werkstatt.de

Ende Juli starteten Dirk Geppert und Christian Dietz aus Timmaspe erstmals mit ihrer mobilen Saftpresse als Juicers GmbH ins Land. „Fürs erste Jahr gut“, sagte Christian Dietz den Kieler Nachrichten, wie das von Aktivregion Mittelholstein mitfinanzierte Projekt anläuft.

Beate König 12.10.2019

Die Kaltblutpferde auf der Weide im Tierpark Arche Warder haben derzeit Besuch: 18 Freiwillige vom Bergwaldprojekt pflanzen dort nämlich Dutzende heimische Bäume. Fünf Meter hohe Stämme von Feldahorn, Hainbuche, Weiß- und Rotdorn werden in den Herbstferien von der Naturschutzinitiative gesetzt.

Beate König 12.10.2019

Es reicht: Seit rund 47 Jahren betreibt Mohammad Rahbari den Autodienst in Blumenthal. Der 77-Jährige denkt schon länger ans Aufhören. Seine Pläne: Gebäude und Grundstück verkaufen, den Ruhestand genießen. Die Firma Ernst Krebs hat Interesse. Doch es gibt Gegenwind aus der Gemeinde.

Sorka Eixmann 12.10.2019