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18:46 10.07.2016
Von Torsten Müller
Fröhliches Fest in Molfsee: Die Tanzgruppe Nikos Kazantzakis der Deutsch-Griechischen Gesellschaft aus Kiel führte den Tanz Koftos aus Thessalien vor der Winkelscheune auf. Quelle: Torsten Müller
Molfsee

Auswanderer aus Schleswig-Holstein haben die Welt mit geprägt, Einwanderer bereicherten das Land zwischen den Meeren. „Wir waren schon immer international“, sagte Museumsmitarbeiterin Gabriele Rehr-Unrath. Deshalb hatte sich das Freilichtmuseum im vergangenen Jahr beim 50-jährigen Jubiläum nicht auf Heimat und Trachten beschränkt und sich multikulti gegeben – Molfsee als Ort interkultureller Begegnung. Der Erfolg verlangte nach einer Fortsetzung. Gerade angesichts des aktuellen Übergriffs auf eine muslimische Frau in Kiel sah sich das Museum bestärkt, ein Zeichen des Miteinanders zu setzen.

 Einen festen Plan gab es für die unterschiedlichen Aufführungsorte nicht. Irgendwann ertönte vor der Winkelscheune griechische Musik. Frauen der Tanzgruppe Nikos Kazantzakis von der Deutsch-Griechischen Gesellschaft in Kiel führten einen Koftos aus Thessalien auf. „So wurde bei der Befreiung Griechenlands getanzt, eigentlich ist das ein Männertanz“, räumte Niki Rizou ein. Das Fremdheitserlebnis zwischen den alten Fachwerkhäusern blieb aus. Das Publikum begann, sich im Rhythmus zu bewegen – spontanes Mittanzen ist nicht die Art der Schleswig-Holsteiner.

 Das war bei der Besuchergruppe von jungen Syrern aus Hohenhude anders. Als Momen Shaweesh vom syrischen Trio Safar („Reisen“) seine lautenartige Oud zupfte und eine wehmütige orientalische Melodie anstimmte, gab es nur ein kurzes Zögern – im Nu tanzten die jungen Männer auf dem Pflaster. Niki Rizou reihte sich ein, konnte aber am Anfang nicht ganz Schritt halten. „Zum Ende wurde ich aber besser“, sagte sie.

 Trachten durften nicht fehlen: Margret Jacobsen und Birke Licht waren von der Insel Föhr gekommen, um in Molfsee dabei zu sein. „Nah und ganz weit weg – das ist toll“, sagten die Frauen, die etwas Friesisches singen wollten, was manchem genauso fremd erschien wie Arabisch. Sönke Thede, stellvertretender Vorsitzender vom Landestrachten- und Volkstanzverband, schätzte die offene Atmosphäre beim Fest der Kulturen: „Wir können uns hier ohne Tamtam präsentieren.“ Seine Gruppe führte den Holsteiner Dreitour und die Geestländer Quadrille auf. Begegnung fand Thede klasse: „Entweder zeigen wir etwas oder lernen von anderen.“

 Zum Atemholen blieb kaum Zeit. Schon ging die Gesangsgruppe Nordlicht der Jüdisch-Liberalen Gemeinde von Kiel in Position. Unter der Leitung von Halma Kalmus sang sie klassisch-russische und jüdische Lieder. Vor der Winkelscheune posierte derweil Familie Schneider aus Schönwalde. Musiker Saad Alsayed aus Syrien wollte unbedingt von sich und den sieben Kindern in den Trachten der Volkstanzgemeinschaft Ostholstein ein Gruppenfoto haben. Alles klar, gern geschehen, und alle lächelten.

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