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Rendsburg Klima-Camp: 15 Aktivisten hielten durch
Lokales Rendsburg Klima-Camp: 15 Aktivisten hielten durch
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18:00 26.07.2019
Von Beate König
Zum Abschluss der Demo-Woche legten sich die Klimaaktivisten zum "Die-In" auf den Heinrich-Beisenkötter-Platz. Quelle: Beate König
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Rendsburg

Zwei Zelte, Getränke, Schlafsäcke, Iso-Matten, Lebensmittel – die Ausrüstung im Klima-Camp, in dem sich 15 Jugendliche zwischen 13 und 21 Jahren eine Woche lang für Klimaschutz stark machten, war spartanisch. 24 Stunden war das als Mahnwache angemeldete Camp seit dem Start am vergangenen Freitag  besetzt, berichtete Fenja Petersen, Sprecherin der Fridays-for-Future-Bewegung aus Rendsburg (FFF). Nachts schoben zwei Klimaschützer Wache, tags standen die Jugendlichen zum Gespräch bereit, verteilten Sticker, malten Plakate, hielten Vorträge und luden zu einem Poetry-Slam ein.

Der Wille zum Klimaschutz ist bei den Jugendlichen ungebrochen

Die Argumente stammen von der Organisation Scientists for Future und von Wissenschaftlern des Geomar in Kiel. Nur zehn der rund 200 Gespräche waren nicht konstruktiv, bilanziert Fenja Petersen. Mit Fachwissen der Organisation Scientists for Future und von Wissenschaftlern des Kieler Instituts Geomar zeigten die FFF-Aktivisten Zukunftsszenarien auf, in denen der Anstieg der Meeresspiegel eine Völkerwanderung von ungekannten Ausmaßen auslösen wird. Sie erläuterten ihre Forderungen: Radwege ausbauen, das ÖPNV-Netz verbessern und günstiger machen.

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Der Dialog einer Passantin mit einem provozierenden Senior ist in die Zitatesammlung des Camps eingegangen. Sie erklärte: „Die Jugendlichen kämpfen gegen etwas, das Sie nicht mehr erleben werden.“ Die Replik: „Sie auch nicht, Sie alte Fregatte.“

Weder Starkregen und sengende Hitze mit mehr als 30 Grad im Schatten noch Dauer-Methangas-Gerüche aus den oberirdisch verlegten Abwasserohren in einer Baustelle am Jungfernstieg konnten den Willen der FFF-Demonstranten brechen.

Der Rückhalt der Rendsburger war enorm

Der Rückhalt der Rendsburger war enorm, erzählte Fenja Petersen: „Ich gehe einkaufen, was soll ich Euch mitbringen?“ fragten Passanten. Rendsburger spendeten Lebensmittel und vegane Süßigkeiten. Bei der Kirchengemeinde St. Marien konnten sie ihren Wasservorrat auffüllen und die Toiletten benutzen. Sympathisanten schrieben Kreide-Klimabotschaften aufs Pflaster der Fußgängerzone.

„Beim Klimastreik gibt es einen Unterschied zu den Demos gegen Atomkraftwerke“, erklärte Fenja Petersen: Die Strahlenemission ist messbar, die der Klimawandel dagegen sei schleichend.

Statt Ferien zu feiern, fahren die Rendsburger in der nächsten Woche zum FFF-Sommerkongress nach Dortmund. „Wir sind bundesweit die dritte FFF-Bewegung, die ein Klima-Camp durchgezogen haben. Wir wollen unsere Erfahrungen teilen.“ Ein Gespräch mit Bürgermeister Pierre Gilgenast und mit dem Umweltausschuss sind geplant. Bei einer Passantin löste die Aktion Beschämung aus: „Eigentlich müssten wir Erwachsenen statt der Jugendlichen da sitzen.“

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