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Rendsburg "Der Kanaltunnel ist ein Desaster"
Lokales Rendsburg "Der Kanaltunnel ist ein Desaster"
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21:48 18.06.2019
Von Hans-Jürgen Jensen
Frust in Rendsburg - "Der Kanaltunnel ist ein Desaster" Quelle: Hans-Jürgen Jensen
Rendsburg

Entrüstet reagieren die Menschen im Raum Rendsburg auf den neuen Ärger bei der Sanierung des Kanaltunnels Rendsburg. Pendler sind genervt, Unternehmer fühlen sich abgehängt vom Rest der Welt – und das seit Jahren. Die 2011 begonnene Sanierung wird nicht wie zuletzt immer wieder angekündigt im kommenden Februar fertig, erklärte die Kanalverwaltung am Montag.

Dennoch wolle sie auch die zweite Röhre Anfang des Jahres für den Verkehr öffnen, allerdings nur zeitweise. Ursprünglich sollten die Arbeiten am Kanaltunnel Rendsburg schon Ende 2013 fertig sein. Die Kosten stiegen von anfangs 25 Millionen Euro auf mittlerweile 90 Millionen.

"Ich bin genervt", sagt Axel Bornhöft, Inhaber eines Kaufhauses in der Fußgängerzone. "Es passiert nichts, es gibt keine Konsequenzen, es wird niemand zur Rechenschaft gezogen." Er habe das Gefühl, Rendsburg werde "mit Absicht abgeschnitten" vom Rest der Welt.

Reaktion auf Verzögerung am Kanaltunnel Rendsburg: "Ich begreife es nicht."

Er zählt auf: Staus vor dem Tunnel, marode Rader Hochbrücke, zerstörte Schwebefähre. Wenn wenigstens größere Fähren über den Kanal pendelten und mehr Autos übersetzen könnten. Seine Kunden und Mitarbeiter "sind angefressen", sagt der Geschäftsmann. Den Tunnel-Stress spürt er in der Kasse. Kunden gingen verloren. Dass der Tunnel nicht fertig wird, macht Bornhöft fassungslos: "Ich begreife es nicht."

So verliefen die Bauarbeiten am Kanaltunnel Rendsburg.

Tom Emminghaus, Prokurist beim Baustoffhändler Zerssen, spricht mit Blick auf den Kanaltunnel Rendsburg von einem Desaster: "Wir haben jeden Tag damit zu tun. Wir können Termine nicht einhalten." Es sei kaum möglich, Fachkräfte einzustellen, die südlich des Kanals wohnten. Das Baustellenmanagement der Kanalverwaltung nennt er desaströs und fordert Konsequenzen: "Es müssen Köpfe rollen in der Schifffahrtsdirektion. Wenn wir so in der Privatwirtschaft arbeiten würden, hätten wir unseren Job schon längst nicht mehr."

Verzögerung am Kanaltunnel Rendsburg sorgt für Frust bei Facebook

Bei Facebook kocht die Volksseele. Dennis Kittel schreibt: "Das passiert, wenn Unternehmen ohne Gewissen solche Aufgaben übernehmen. Als würde dieser Firma unsere Region irgendetwas bedeuten."

Den Kanaltunnel Rendsburg "hätten sie mal lieber neu gebaut", meint Stefanie Wienholtz.

Christian Ikswonuk kommentiert sarkastisch: "Der BER Schleswig-Holsteins." Er erinnert damit an die unendliche Geschichte vom Bau des neuen Berliner Flughafens BER.

Stefan Hormel sieht die lange Bauzeit und die gestiegenen Kosten inzwischen als "Normalität aller Baustellen des Landes und Bundes".

Der IT-Systemadministrator Jalel Gnounou ist einer von tausenden Pendlern, die durch den Kanaltunnel Rendsburg fahren. Die Fahrt nach Hause nach Kiel sei immer wieder stressig: "Wenn die Rader Hochbrücke bei Sturm gesperrt ist, dann fahren erheblich mehr Lkw durch den Tunnel. Ich brauche dann die doppelte Zeit bis nach Kiel. Am Freitagnachmittag geht ohnehin gar nichts mehr Richtung Süden."

"Man könnte schon verzweifeln", sagt Guido Froese, Geschäftsführer des Bildungsinstituts Nordkolleg am Gerhardshain. "Es ist eine Zumutung für Mitarbeiter und Gäste." Kunden kündigten an, sie wollten zu Weiterbildungskursen erst dann wieder kommen, wenn der Kanaltunnel Rendsburg fertig sei. Womöglich gingen Gäste auf Dauer verloren. "Der Langzeitschaden ist unabsehbar."

Hans-Markus Johannsen, Geschäftsführer der Imland-Klinik, reagiert auf "die nicht enden wollende Tunnelsanierung" enttäuscht: "Wir bedauern die erneute Verzögerung des Abschlusses der Bauarbeiten außerordentlich. Ein Großteil unserer rund 1700 Mitarbeitenden am Standort Rendsburg wohnt südlich des Kanaltunnels Rendsburg. Seit Jahren nehmen sie zum Teil erhebliche zeitliche Verzögerungen oder Umwege über die Rader Hochbrücke in Kauf."

Unter der Baustelle am Kanaltunnel Rendsburg leide die Notfallversorgung für Patienten auf der anderen Seite des Kanals. "Wir wären froh, wenn es endlich einen verlässlichen Termin für das Ende der Tunnelsanierung gäbe."

Neuer Ärger mit der Großbaustelle im Rendsburger Kanaltunnel.

Gepostet von Kieler Nachrichten am Montag, 17. Juni 2019

Solveig Jürgens, stellvertretende Leiterin der Herderschule, reagiert moderat: "Unsere Kollegen haben sich auf lange Fahrzeiten eingestellt. Viele erinnern sich noch an die schöne alte Zeit, in der es schnell durch den Tunnel ging. Wir würden uns freuen, wenn Rendsburg als Stadt wieder besser erreichbar wäre."

Die Arbeiten am Kanaltunnel Rendsburg werden anders als angekündigt nicht im Februar 2020 fertig. Dennoch will die Kanalverwaltung beide Röhren im Februar 2020 zunächst freigeben. Bis Ende 2020 komme es aber immer wieder zu Sperrungen einer Röhre.

Kanaltunnel Rendsburg: Eine Pannenbaustelle unter vielen

Damit hält die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung nur einen Teil ihres Versprechens ein. Sie hatte wiederholt angekündigt, dass die Arbeiten im Tunnel im Februar 2020 beendet sind und ab dann beide Röhren befahrbar sind.

Die Behörde hatte nach eigenen Angaben einen entsprechenden Zeitplan mit den Baufirmen vertraglich abgesprochen. Zuletzt erklärte die Kanalverwaltung, dass eine Firma diesen Plan nicht mehr einhalten könne. Arbeiten am Kanaltunnel Rendsburg "an der Betriebs- und Verkehrstechnik" würden nicht fertig.

Landrat Rolf-Oliver Schwemer (parteilos) und Bürgermeister Pierre Gilgenast reagierten fassungslos. Schwemer: "Nachdem bereits x-mal ein Zeitplan nicht eingehalten wurde, hatte ich erwartet, dass die zuständige Wasser- und Schifffahrtsverwaltung und die beteiligten Firmen die entsprechenden Konsequenzen gezogen hätten und nunmehr ihre der Öffentlichkeit gegenüber getätigten Zusagen einhalten." Gilgenast sprach von einem "unmöglichen Zustand für Pendler". Die Nachricht sei in der Region "nicht vermittelbar", sie sei eine "unglaubliche Enttäuschung". Sie werfe auch "Fragen auf zum Baustellenmanagement" der Kanalverwaltung auf.

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