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Rendsburg Kieselsteine sind durchgefallen
Lokales Rendsburg Kieselsteine sind durchgefallen
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10:00 08.06.2019
Von Frank Scheer
Die öffentliche Grünfläche mit Kieselsteinen an der Ecke Heintzestraße/Eiderstedter Straße in Bordesholm ist nicht jedermanns Sache. Quelle: Frank Scheer
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Bordesholm

Die "Fridays for Future“-Bewegung hat den 20. September als weltweiten Klimatag ausgerufen. Darauf wies die Zuhörerin Barbara Becker im Umweltausschuss in Bordesholm hin. Das Datum war der Vorsitzenden Barbara Ketelhodt (Grüne) noch unbekannt und im Ort sind bislang keine Aktionen geplant – vielleicht könnte man ja, so fabulierte ein anonym bleibenden wollender Ausschussvertreter nach der Sitzung, die umstrittene öffentliche Kieselfläche an der Ecke Heinztestraße/Eidersteder Straße in einer Gemeinde-Bürger-Aktion wieder zu einem naturnahen Areal umwandeln und dabei für den Klimaschutz werben. Eine Ideenansatz wäre das. 

Anlieger in Bordesholm kritisierten Kieselsteine

Denn, in Bordesholm soll es zukünftig keine neue gemeindeeigenen Flächen mit Steinen geben. Das Gremium fasste dazu noch keinen Beschluss. Einigkeit bestand jedoch darin, auf Kiesel als Füllmaterial zu verzichten. Der Stein ins Rollen für diese Debatte brachten Anlieger der Nicoline-Henseler-Straße. Der Technische Betriebshof (TBH)hat wild gewucherte Randstreifen abgemäht und die Bereiche ausgegraben. Dann sollte dort ein Bodenvlies verlegt werden und mit Kieselsteinen aufgefüllt werden. Mit einem geringeren Aufwand für die Flächen in der Folge begründete der TBH das Ganze – die Maßnahme war nach dem Aufschrei von Anliegern gestoppt worden. 

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Soll bestehende Fläche mit Kiesel verändert werden?

Für die Ausschussvorsitzende Carola Ketelhodt müsse die Gemeinde angesichts des weltweiten Artenrückgangs und Maßnahmen zur Biodiversität eine Vorreiterrolle übernehmen. Auch wenn viele Privatleute in ihren Gärten etwas völlig anderes pflegten. „Die vor Jahren entstandene Fläche an der Heintzestraße finde ich nicht gelungen. Vielleicht sollte man über einen Rückbau nachdenken“, betonte sie. Außerdem würde die meisten Kieselflächen spätestens nach fünf Jahren vermoosen.

Nils Köhler, der seit März den TBH leitet, machte deutlich, dass seine Abteilung versuche, alle öffentlichen Grünflächen „attraktiv und gepflegt“ zu gestalten. „Das Ganze muss aber zu pflegen sein. Und es gibt Flächen im Ort, da kommen wir nicht einmal im Jahr hin.“ Gegenüber dem herkömmlichen Füllmaterial Rindenmulch habe Kiesel den Vorteil, dass dem Boden nicht so viel Stickstoff entzogen werde und man nicht so oft düngen müsse. 

Glockenblumen und Frauenmantel war geplant

Kieselsteine werden aber auch von Insekten angeflogen. Zudem ist in der Debatte vieles falsch verstanden worden. Das geplante Vlies ist zu 80 Prozent wasserdurchlässig. In den Beeten sind Stauden mit Glockenblumen und Frauenmantel geplant gewesen. Grob gesagt ortstypische, insektenfreundliche Pflanzen“, so Köhler. Der Umweltausschuss war sich einig, dass nach politischen Vorgaben der TBH ein zukünftiges Konzept entwickeln soll, was auf die öffentlichen Flächen darf oder nicht. Das soll dann gemacht werden, wenn das Ergebnis der laufenden Flächenermittelung vorliegt. 

100 Patenschaften in Bordesholm

Bürger in Bordesholm sind auch bereit, Patenschaften für Grünflächen zu übernehmen. 100 existieren bereits. Hubert Hepp (UWB) wies aber darauf hin, dass viele von ihnen enttäuscht seien, weil die von der Gemeinde zugesagte Unterstützung durch den TBH nicht komme. Köhler ist das Problem bekannt: „Wir sind oberhalb der Belastungsgrenze, da kommen wir nicht hinterher.“

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