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Rendsburg Zum Pausenbrot gab es Literatur
Lokales Rendsburg Zum Pausenbrot gab es Literatur
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16:31 15.11.2019
Von Beate König
"Mögen Sie Rap?" Der Schüler Jan fragt den bekannten Poetry-Slammer Björn Högsdal nach der Lesung in der Aula. Quelle: Beate König
Nortorf

In der großen Pause bot sich für Schüler ein ungewohntes Bild auf dem Schulhof der Gemeinschaftsschule. Zehntklässler standen nicht mit Pausenbrot und Trinkflasche auf dem Schulhof, sondern hatten aufgeschlagene Bücher in der Hand und lasen laut vor.

Flashmob-Aktion in Nortorf war tagelang vorbereitet worden

Die Flashmob-Lese-Aktion beim bundesweiten Vorlesetag kam an: Bei den Vorlesern sammelten sich Trauben von jüngeren Schülern. Die Aktion war Tage zuvor vorbereitet worden, berichtete Deutschlehrerin Sarah Kleinschmidt.

„Die Zehntklässler durften sich spannende Lektüre aussuchen, auch bei der Stadtbücherei.“ Zu Hause übten die Zehntklässler den lauten Vortrag für die Jüngeren.

„Das ist interessant“, sagte Schüler Bjarne Butenschön. Der Sechstklässler wanderte zwischen den Vorlesern auf dem Hof hin und her. Die Geschichte „In 80 Tagen um die Welt“ von Jules Verne bannte den Zuhörer für Minuten.

Seine Mitschülerin Rike Sachau hätte gern auch den Vorlesepart übernommen, anstatt nur zuzuhören. „Ich lese selbst sehr gern, gerade ein Buch aus der Serie TKKG“, erzählte die Elfjährige. Sie fand den Flashmob im Freien spannend, aber zum Zuhören etwas ungünstig: „Der Wind verweht die Sprache.“

Björn Högsdal erklärt Slamtext

In der Aula stellte sich Autor Björn Högsdal Zehntklässlern vor. Björn Högsdal, im Land Nestor der Poetry-Slam-Szene, die er aufbaute und als moderne Literaturform aus der Subkultur-Szene in der bürgerlichen Lesekultur salonfähig machte, erklärte zwischen rasant vorgelesenen Texten, wie ein Slamtext entsteht: „Zehn, 15 Prozent ist Talent, der Rest ist Handwerk.“

Björn Högsdal machte den Schülern nicht nur Mut - „Schreibt selbst“ -, sondern gab Tipps zu Schreibtechniken, wie sie auch erfolgreiche Autoren anwenden. Einige Beispiele: zehn Sätze ausdenken, die mit den Worten „Mut ist“ anfangen, Geschichten im „Was wäre wenn“-Modus spinnen, „sich eine bessere Welt ausdenken“. Weiterer Rat: „Schreibt Eure Texte nicht für die Schublade, führt sie auf, nur so könnt ihr besser werden.“

Zwei Schüler erreichte der Autor damit sofort. Einer fragte ihn nach dem Schlussapplaus nach einer Auftrittsmöglichkeit, einer nach Björn Högsdals Verbindung zu Rap. „Das Textstück ,Blut, Schweiß und Tränen' klang wie ein Zitat,“ sagte Jan. Högsdal schlug den Bogen weiter: Rapper nutzten das Churchill-Zitat.

Der Autor Björn Högsdal könnte als Workshopleiter nach Nortorf zurückkommen. „Wenn bei den Schülern Interesse besteht, können wir das planen,“ sagte Lehrerin Sarah Kleinschmidt.

Jede Woche eine Stunde Lesen

In der Gemeinschaftsschule wurde in jeder Woche für jede Klasse eine Lesestunde fest in den Stundenplan geschrieben. Kinder lesen still eigene Bücher, dafür fällt eine Stunde Unterricht aus. Begeisterung fürs Lesen wecken, das ist ein Anliegen der Schule. „Wir wollen die Lesekompetenz steigern“, erläuterte Sarah Kleinschmidt.

„Es wird ja ständig geschrieben und gelesen“, sagte Schulleiter Timo Off. „Im Handy bei Whatsapp.“ Der Schulleiter gab in seiner Lesung für 200 Schüler aus der siebten und achten Klasse einen Lesetipp: das Buch „Der Tag, an dem Oma das Internet zerstörte“ von Marc-Uwe Kling.

Vorher hatte Timo Off die Schüler allerdings mit einem Sachtext konfrontiert. Die Ankündigung, er wolle 40 Seiten der Allgemeinen Geschäftsbedingungen der Handy-App Whatsapp vortragen, hatte heftiges Gemurmel in der Aula ausgelöst. „Los, sprecht mit! Ihr oder Eure Eltern haben beim Einrichten der App zugestimmt, ihr müsstet sie kennen.“

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