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Rendsburg Bester Film: Pinguine hautnah
Lokales Rendsburg Bester Film: Pinguine hautnah
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00:35 10.09.2014
Von Christoph Rohde
Das Ende einer großen Preis-Gala: Die Sieger der 18 ausgezeichneten Filme posieren für das Gruppenfoto. Eckernförde war erneut ein Mekka des Naturfilms. Quelle: Rohde
Eckernförde

Filmer, Produzenten, Preisstifter und zahlreiche am Naturfilm interessierte Zuschauer gaben den festlichen Rahmen für die Preisverleihung. Moderator Christian Schröder, der schon nach dem Auftakt-Trailer ein „Gänsehautgefühl“ verspürte, führte charmant durch einen Abend, der die Bedeutung der Eichhörnchenstadt Eckernförde als Mekka des Naturfilms unterstreichen sollte. Festivalleiter Gerald Grote freute sich über die Anwesenheit vieler Filmemacher. Sie verliehen den gezeigten Produktionen noch mehr Wirkung.

 Eine versteckte Kamera in einer ferngelenkten Pinguin-Attrappe war nur einer der technischen Kniffs, die der Dokumentation Pinguine hautnah aufs Siegertreppchen zum „besten Film“ verhalfen. Sie war zudem für das beste Skript und die beste Musik nominiert. Stadträtin Katharina Heldt übergab den von der Stadt Eckernförde gestifteten Preis an Philip Dalton, den Produzenten des im Auftrag der britischen BBC gedrehten Streifens. „Ich kann es noch gar nicht glauben, fantastisch“, freute sich Dalton über die Ehrung. Und fügte an: Green Screen sei eines der besten Naturfilmfeste, die er bisher besucht habe.

 Die einen können auf ein großes Budget zurückgreifen, die anderen müssen mit kleinem Geld und viel Idealismus arbeiten. Als beste unabhängige Produktion wurde Spirit Creatures ausgezeichnet. Der Film beleuchtet das afrikanische Volk der Cyao, das täglich mit der Natur kämpft, die es gleichzeitig verehrt. Co-Produzentin Ronette van der Walt war extra aus Südafrika angereist, um den Green-Screen-Preis entgegen zu nehmen.

 Einer, der sich besonders über seinen Naturfilm-Oscar freute, war Fernseh-Legende Volker Arzt. KN-Chefredakteur Christian Longardt überreichte den Preis der Kieler Nachrichten für das beste Skript für den Film Superhirne im Federkleid. Trockene Wissenschaft locker und verständlich zu übersetzen, sei eine Kunst, die nur wenige beherrschten, sagte er. Arzt, der sich mit den schlauen Keas und Krähen beschäftigte, war glücklich, dass hier eine „besondere Geschichte“ ausgezeichnet wurde: „Das ist so super.“

 Doch fielen auch mahnende Worte bei der Preisverleihung. Holger Vogt, der in seinem Film Rückkehr der Raubtiere (Sielmann-Preis) über die Ausbreitung von Wolf, Luchs und Bär berichtet, wünschte sich unter Beifall, dass Filme, die als Grün und Öko liefen, mehr Geld und bessere Sendeplätze bekämen. Und Propst Sönke Funk, der den neuen Preis für bestes Tierverhalten (Kolibris – Leben am Limit) übergab, mahnte angesichts der Wunder der Natur, die auf der Leinwand gezeigt wurden, zur „Demut vor der Schöpfung“. „Wir müssen alle daran arbeiten, die Bedrohung der Umwelt in den Griff zu bekommen“, sagte auch AWR-Geschäftsführer Ralph Hohenschurz-Schmidt, der den Film Versenktes Gift auszeichnete.

 Green Screen funktioniert nur mit einem Dreamteam. Eine der Säulen ist Peter Fera. Im Namen aller Filmschaffenden dankte Annette Scheurich (Marco Polo Film) dem langjährigen Regiekameramann, der schon für die BBC, National Geographic und Heinz Sielmann drehte, für seinen Beitrag zur Jury-Betreuung, der Ausrichtung der Seminare und der Organisation. Sein Wissen und seine Kontakte seien unentbehrlich. Green Screen sei nicht nur ein wunderbares Stadtfest, sondern auch ein beliebter Treffpunkt für Filmemacher geworden, betonte Scheurich. Fera, der inzwischen in Eckernförde lebt, will sich weiter für eine Steigerung der fachlichen Qualität des Festivals einsetzen. „Es ist mir eine besondere Freude, etwas für meine ehemaligen Kollegen zu tun“, sagte der 78-Jährige.

 Ein neuer Impuls für Green Screen kommt vom Umweltministerium. Dessen Chef Robert Habeck, der auch Schirmherr der Stiftung Naturschutz ist, will künftig einen Preis „Wildes Schleswig-Holstein“ für das Naturfilmfestival ausloben. Laut Sandra Redmann vom Stiftungsvorstand könne sich jeder beteiligen. „Ökologie kann auf einer Wiese beginnen“, sagte sie mit Blick auf den ausgezeichneten Film Die Streuobstwiese.

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