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Rendsburg Schule verzichtet auf Flugreisen
Lokales Rendsburg Schule verzichtet auf Flugreisen
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06:00 28.06.2019
Von Florian Sötje
Foto: Lehrerin Birgit Martens (links), Schülerin Emma Lassen und Schulleiter Hans-Jörg Dose
Lehrerin Birgit Martens (links), Schülerin Emma Lassen und Schulleiter Hans-Jörg Dose sind sich wie die Schulkonferenz am Gymnasium Kronshagen einig: Ab dem kommenden Schuljahr wird es Klassenreisen per Flugzeug nicht mehr geben. Quelle: Florian Sötje
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Wie ist die Idee entstanden?

Birgit Martens: Die Idee ist entstanden vor zwei, drei Jahren in der Biologie-Fachschaft. Die Fachschaft fand das spontan positiv und dann haben wir überlegt, wie wir das angehen würden. Wir haben dann versucht, die Idee an der ein oder anderen Stelle bei Kollegen zu platzieren und haben gemerkt, dass es erst mal auf Widerstand stieß.

Wie war der Widerstand begründet?

Martens: Das könnt ihr nicht machen. Dann fällt ja das und das weg. Das könnt ihr den Kollegen nicht zumuten, solche Sachen. Es gibt eben immer Reisen, die nach Rom, Lissabon oder Nizza gehen. Entfernungen, die mit dem Bus schwierig würden. Trotzdem haben wir letztes Jahr beschlossen, die Idee mit in die Lehrerkonferenz zu nehmen. Beim ersten Mal haben wir es verschoben, weil die Meinungsbildung noch Zeit brauchte. Aber dieses Jahr haben wir es gut aufbereitet mit Daten und was dahinter steht. Wir haben zwei Alternativen zur Wahl gestellt. Die eine wäre gewesen, dass Flugreisen in begründeten Fällen noch möglich gewesen wären, aber über Kompensationen ausgeglichen werden. Das Kollegium hat sich aber für die härtere Version entschieden, sodass es keine Flugreisen mehr geben wird.

Ab wann greift die Entscheidung?

Hans-Jörg Dose: Wir haben im nächsten Schuljahr eine Studienreise nach Lissabon. Die hatten wir schon vor der Beschlussfassung gebucht. Die Fahrt gefährden wir natürlich aufgrund der Kosten nicht. Aber alle Neubuchungen für Schüler, die jetzt in der zehnten Klasse sind oder in die Oberstufe hineinwachsen, dürfen dann nicht mehr als Flugreisen gebucht werden.

Wie haben die Schüler reagiert?

Emma Lassen: In der Schülervertretung kam in diesem Jahr auf, dass wir im Schulalltag mehr für das Thema Nachhaltigkeit tun wollen. Unabhängig von den Lehrern haben wir uns auch die Frage gestellt: Warum machen wir überhaupt noch Flugreisen, wenn man Ziele auch mit dem Zug erreichen kann. Die Meinungen dazu waren geteilt, weil man eben ein paar Zielorte rausstreichen muss. Letztendlich war die Mehrheit der Schüler dafür, keine Flugreisen mehr zu machen, weil der Nachhaltigkeitsaspekt eine große Rolle spielt. An der Fridays-for-Future-Bewegung merkt man, dass viele Schüler an unserer Schule ein Interesse daran haben, etwas für die Umwelt zu tun. Zudem gibt es viele Orte, die man für eine Studienfahrt nutzen kann, die in Bus- oder Zugentfernung liegen.

Wie hat sich die Debatte aus Sicht der Schulleitung gestaltet?

Dose: Sie ist sicherlich zunächst sehr kontrovers diskutiert worden. Auch in meiner Brust schlagen zwei Herzen. Als Schulleiter sage ich, dass es eine super Entscheidung ist. Ich stehe inzwischen auch richtig dahinter. Aber als Lateinlehrer sehe ich mein Traumziel Rom als nur schwer erreichbar. Mittlerweile kann ich das aber trennen und weiß, dass die Entscheidung genau die richtige ist. Alles andere wäre nicht zeitgemäß. Wir mussten ein Zeichen setzen.

Gibt es schon alternative Ziele, die ins Auge gefasst wurden?

Dose: Man hat zwei Möglichkeiten: Entweder man macht eine Bus- oder Zugreise nach Rom – das ist anstrengend und beschwerlich. Die Alternative ist, ein solches Ziel zu kippen, und wie Emma es sagt, im ansteuerbaren Raum bleiben. Und wir wollen auch nicht so tun, als gäbe es nicht eine Vielzahl anderer Ziele in erreichbarer Umgebung, die genau so wertvoll sind – ob es Wien ist, ob es Brüssel ist oder ob es deutsche Ziele sind.

Werden diese möglichen Ziele auch nochmal in der Schulkonferenz besprochen?

Dose: Ja, es gibt ein Fahrtenkonzept. Das wird jetzt aufgrund der Entscheidung überarbeitet. Da werden keine Ziele konkret definiert, sondern die Rahmenbedingungen.

Emma, Du hast gesagt, die Schüler haben sich über diesen Aspekt hinaus Gedanken zur Nachhaltigkeit gemacht. Worum geht es da?

Lassen: Wir haben in diesem Jahr eine Kleidertausch-Idee gemacht, bei der man Kleidungsstücke mit anderen Leuten tauschen kann, um das Konsumverhalten so ein bisschen einzuschränken. Wir haben Plakate aufgehängt zum Thema: Was kann ich für die Umwelt tun?! Einfach um das Bewusstsein dafür in der Schülerschaft zu wecken.

Dose: Wir sind auch Zukunftsschule. Die neue Zertifizierung basiert darauf, dass wir als Schule mit einem Nachhaltigkeitsprogramm engagiert sind. Dieses Zertifikat haben wir nur auf der Basis eines Pfandbrunnen-Projektes bekommen. Das passt auch ganz gut in dieses Schema. Durch den Pfandbrunnen sind bislang mehrere Tausend Euro für Wasser in Äthiopien zusammengekommen.

Wünschen Sie sich Schulen, die die Idee der Klassenreisen ohne Flugzeug nachahmen?

Martens: Ja, also ich finde, die Schule hat da absolut Vorbildfunktion. Der Wunsch ist natürlich da, dass sich die Idee verbreitet und darüber nachgedacht wird.

Dose: Ich kann das nur bestätigen. Wenn wir da eine kleine Vorreiterrolle hier im Bereich haben, wäre es super.

Lassen: Ich sehe keinen Grund, warum das andere Schulen nicht auch machen sollten. Unsere Klasse zum Beispiel fährt dieses Jahr nach Prag. Bei uns gab es niemanden, der gesagt hat, dass wir irgendwo hinfliegen wollen.

Die Bewegung wurde schon genannt: Bei einer solchen Entscheidung denkt man heute sofort an Fridays-for-Future. Wie geht man hier an der Schule mit der Bewegung um?

Lassen: Ich habe das Gefühl, dass bei den Demonstrationen vor allem die Mittelstufe mitmacht. Ich glaube, in der Oberstufe finden viele Schüler, dass es eine gute Sache ist. Aber ich denke, da fühlen sich nicht so viele angesprochen, diesen Weg zu gehen. Auch weil es eben auf das Abitur zugeht. Prinzipiell wird es von der Schülerschaft aber positiv aufgefasst.

Martens: Ich bin Biologie-Lehrerin, ich finde das ziemlich gut. Ich kann auch die Argumentation der Schüler verstehen. Ich wünsche mir auch, dass das lange anhält. Das sieht ja so aus im Moment. Also ich unterstütze das grundsätzlich.

Dose: Wie wir als Schulleitung damit umgehen, das kann man daran sehen, dass wir die Maßnahmen absolut darauf beschränkt haben, die Schüler, und dazu waren wir verpflichtet, einzutragen als nicht anwesend im Unterricht. Es hat sonst keinerlei Konsequenzen in irgendeiner Form gegeben.

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