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Rendsburg Buttern wie vor zwei Jahrhunderten
Lokales Rendsburg Buttern wie vor zwei Jahrhunderten
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19:00 30.06.2019
Von Florian Sötje
Anna Grundwald (von links), Frida (8), Madita (5) und Emilia (10) buttern wie vor 200 Jahren. Quelle: Florian Sötje
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Molfsee

Draußen zeigt das Thermometer an diesem Sonntag 30 Grad Celcius, in der 1650 erbauten Kate "Storm" im Freilichtmuseum Molfsee ist es dunkel und angenehm kühl. Es ist das "Lieblingshaus" von Annegret Jonescheit, die seit 18 Jahren im Freilichtmuseum Besucher herumführt. Einst wohnte die Tante des deutschen Schriftstellers Theodor Storm in diesem Haus. Damals stand es noch in Elsdorf-Westermühlen. "Bei diesen Temperaturen ist es in den Häusern am nettesten", sagt Jonescheit. Nett war das Leben der Leute früher aber zumeist nicht.

Die Menschen schliefen vor 200 Jahren im Sitzen

Madita (5) und Frida (8) machen es sich in einem kleinen Bett im hintersten Bereich der Kate gemütlich. Für Kinder war dieser Schlafplatz früher aber nicht gedacht. Hier ruhten mehrere Erwachsene - und sie schliefen im Sitzen. Warum? Annegret Jonescheit führt die Besucher in die Küche, den "wichtigsten Ort" im Haus. "Wie bei Karl May wurden alle wichtigen Entscheidungen am Lagerfeuer getroffen", sagt Jonescheit und lacht.

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In der Küche steht der Schwippbogenherd, der zentrale Platz für die Zubereitung der damaligen Speisen. Was dem Herd fehlt, ist ein Schornstein. Der produzierte Rauch wurde früher im Haus gehalten, sagt Jonescheit. So konnten die Menschen Lebensmittel haltbarer machen, Wärme im Haus halten und das Korn und Heu oben auf dem Dachboden trocknen. Die Kehrseite dieser Vorteile: Die Lungen der Bewohner müssen denen von Kettenrauchern geglichen haben. "Die Menschen haben gemerkt, dass sie beim flachen Liegen schlechter Luft bekommen", sagt Jonescheit. Deshalb setzten sie sich zum Schlafen hin.

Butter war als Nahrung und Verkaufsware eine wichtige Lebensgrundlage

Annegret Jonescheit möchte den Besuchern nun zeigen, wie die Menschen einen wesentlichen Bestandteil ihrer Lebensgrundlage vor 200 Jahren selbst herstellten: die Butter. 40 bis 50 Pfund Butter nahm ein Mensch zu dieser Zeit zu sich. "Man brauchte das Fett wegen der schweren körperlichen Arbeit", sagt die Expertin. Zudem war Butter häufig die einzige Möglichkeit an Geld zu kommen. "Die Holsteiner Butter hatten einen guten Ruf und wurde nach Hamburg und andere Städte exportiert", erklärt Jonescheit.

Die Sahne im Butterfass zu stampfen, ist eine anstrengende Angelegenheit

Um an die Milch als Grundlage zu kommen, mussten die Menschen zunächst mit den schweren Holzeimern aufs Feld. Denn dort, und nicht wie heute im Stall, wurde gemolken. Jonescheit verteilt Sahne und Schürzen an die Besucher. Nun geht die Arbeit los. Die Saure Sahne, etwa drei Liter benötigt man für ein Butterfass, kommt in den Holzeimer und wird mit einem Stab geschlagen - eine anstrengende Angelegenheit. "Es wird schon wesentlich festern", sagt Emilia (10) nach zehn Minuten, doch das reicht noch nicht. Nach 25 Minuten werden die Geräusche im Holzeimer dumpfer, ein gutes Zeichen.

Zum Abschluss lassen sich alle die Butterbrote schmecken

Nun muss nur noch die Buttermilch, die überraschend erfrischend und nicht so sauer wie aus dem Supermarktregal schmeckt, aus der Butter gequetscht werden. Diese drückt Annegret Jonescheit dann zunächst in eine Form, schlägt sie danach aus und schmiert für die Gruppe nach der anstrengenden Arbeit zum Abschluss ein paar Butterbrote. Und, wie schmecken die? "Sehr lecker!

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Im Freilichtmuseum Molfsee erkundeten Besucher, wie Menschen vor 200 Jahren lebten und stellten Butter wie zur damaligen Zeit her.
Beate König 30.06.2019
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