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Rendsburg Ein Himmelreich für Bäume
Lokales Rendsburg Ein Himmelreich für Bäume
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16:25 14.11.2019
Von Michael Görmann
Der Urwald Himmelreich ist ein verwunschenes Baumreich. Quelle: Michael Görmann
Oldenhütten

Vom Parkplatz führt ein breiter Weg dorthin. Jede forstwirtschaftliche Nutzung ist hier verboten, nicht einmal Samen werden entnommen. Alles wird sich selbst überlassen.

Der Volksmund nennt so etwas „Urwald“, auch wenn der Begriff aus Sicht des Fachmanns nicht ganz korrekt ist. Denn dazu müsste es schon ein „Primärwald“ sein, der sich mehrere Jahrhunderte lang ohne menschlichen Einfluss entwickeln konnte. 

Urwald im Himmelreich Oldenhütten ist älter als 20 Jahre

Der Urwald im Himmelreich ist immerhin mehr als 20 Jahre alt. „Ein Urwald aus zweiter Hand“, sagt Ionut Huma (41) von den Schleswig-Holsteinischen Landesforsten. Die Behörde ist 2008 als Anstalt des öffentlichen Rechts aus der Landesforstverwaltung Schleswig-Holstein hervorgegangen und betreut mit 50.000 Hektar knapp ein Drittel der gesamten Waldfläche des Bundeslands (174.412 Hektar).

„Mindestens zehn Prozent des öffentlichen Waldes in Schleswig-Holstein sollten als Naturwald aus der wirtschaftlichen Nutzung genommen werden“, hat Direktor Tim Scherer als Ziel ausgegeben. Zurzeit sind es bei den Landesforsten 4800 Hektar. Und 89 Prozent werden als sogenannte strukturierte Mischwälder nachhaltig und naturnah bewirtschaftet.

Schleswig-Holstein ist das waldärmste Bundesland

Schleswig-Holstein ist mit elf Prozent Waldanteil Deutschlands waldärmstes Bundesland. In Sachen Laubwald belegt es allerdings den zweiten Platz. Auch im Himmelreich ist die Artenvielfalt groß: Eichen, Buchen, Fichten, Lärchen, Ulmen und Birken.

Himmelreich ist ein Himmelreich für Reh-, Rot- und Schwarzwild, aber auch für „Baumumarmer“. Denn Wald ist gefragt: Die Japaner zelebrieren das „Shinrin-yoku“, die Amerikaner ihr „Forest Bathing“. Und was in Deutschland früher ein Spaziergang war, boomt jetzt als „Waldbaden“.

Auf den Waldboden kommt es an

Ganz entscheidend ist der Boden des Naturwalds. Nüchtern betrachtet ähnelt er einem Teenagerzimmer, kurz bevor ein Elternteil ausrastet: unaufgeräumt, alles durcheinander. Doch der Förster weiß, was meist auch der Teenager zu erklären versucht: Hier ist alles an seinem Platz, entspann dich.

Die gute Waldluft schnuppern

Nun geht Entspannen im Wald etwas leichter als zwischen Playstation und Pizzakartons. Schon weil die Luft besser ist. Revierförster Torsten Nowak (42) achtet darauf, dass das auch so bleibt. Er ist der Chef im Himmelreich, der Wächter über Wohl und Wehe.

Manchmal mehrmals am Tag schaut er persönlich nach dem Rechten. Zusammen mit Praktikant Felix Gnauck (29) werden dann auch so genannte Habitatbäume ausgewählt. Sie bekommen ein weißes Dreieck und stehen wie Oasen mitten im bewirtschafteten Teil des Waldes – immer zehn Stück pro Hektar. Ein Habitat kann auch ein abgestorbener Baum sein. „Totholz ist wichtig“, sagt Nowak.

Fünf Wälder gehören zur Revierförsterei Mörel

Seine Revierförsterei Mörel umfasst fünf Wälder: 1850 Hektar, davon 230 Hektar Naturwald. Das Himmelreich ist außergewöhnlich. Dieser Wald ist älter als 120 Jahre. Seit die ersten Flächen zum Urwald wurden, brütet hier sogar der Schwarzstorch.

Von diesem Waldvogel, dem größten überhaupt, gibt es in Schleswig-Holstein nur sieben Paare. Er ist extrem empfindlich und gibt bei der kleinsten Störung seinen Horst auf. „Er beendet dann das laufende Brutgeschäft“, sagt Nowak, „deswegen soll auch niemand wissen, wo genau er ist.“

Naturwald darf nicht betreten werden

Überhaupt: Wer waldbaden möchte im Himmelreich, der muss beim Naturwald leider am „Beckenrand“ bleiben. Hinein darf man nicht. Die umgebenden, bewirtschafteten Wälder jedoch sind öffentlich, hier gilt das „freie Betretungsrecht“. Auf den Wegen darf gewandert, geradelt und geritten werden.

Dennoch sei es besser, man ist auf der Hut, mahnt Ionut Huma. „Der respektvolle Umgang und das freiwillige Nichtbetreten von besonders schützenswerten Bereichen sollte selbstverständlich sein.“

Im Himmelreich ist jeder für die eigene Sicherheit verantwortlich. Im Amtsdeutsch heißt das: Für „ortsübliche Gefahren“, die „sich aus der Örtlichkeit per se ergeben“, gibt es keine Haftung durch den Waldbesitzer.

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