Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Rendsburg Bürokratie verhindert Eheschließungen
Lokales Rendsburg Bürokratie verhindert Eheschließungen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:36 10.04.2019
Von Sven Janssen
Foto: Hochzeiten fallen flach
Hochzeiten fallen flach: Trauen darf Bürgermeisterin Petra Paulsen nur auf dem Gebiet der Gemeinde Felde, dort gibt es kein Trauzimmer. Das Gemeindehaus wäre eine Alternative, wenn auch keine schöne. Quelle: Christin Klose
Anzeige
Felde/Quarnbek

Bürgermeister Klaus Langer aus Quarnbek darf schon seit fünf Jahren Ehen schließen. Beide Bürgermeister haben jetzt ein gemeinsames Problem: Das Trauzimmer des Amtes Achterwehr befindet sich im Amtsgebäude in der Gemeinde Achterwehr.

Eheschließungsstandesbeamte dürfen aber nur in ihrem eignen Gemeindegebiet trauen, so legt es die Landesverordnung zur Durchführung des Personenstandsgesetzes fest. Die Bürgermeister sind zwar berechtigt, Ehen zu schließen, können es aber nicht, weil es in Felde und Quarnbek keinen Raum dafür gibt. Die Bürokratie verhindert Eheschließungen.

Vor der Kommunalwahl kam die Anfrage vom Amt

Dabei hat alles so einfach angefangen. „Vor der Kommunalwahl kam die Anfrage im Amt, wer von den Bürgermeistern sich vorstellen könne, auch Ehen zu schließen“, erinnert sich Paulsen. Sie habe die Wahl abgewartet und dann ihr Interesse bekundet. „Ich finde das eine tolle Sache und eine Bereicherung für Felde, weil dann auch ein viel persönlicherer Bezug da ist.“

Sie selbst habe in Altona geheiratet, dort hätte die Ansprache des Standesbeamten persönlich mit ihnen nichts zu tun gehabt. „Das möchte ich anders machen“, sagt die 62-Jährige. Geübt hat sie das schon in der Zweitagesfortbildung, die für die Bestellung verpflichtend ist. „Das war ganz schön aufregend. Meine erste Eheschließung werde ich mit dem Satz beginnen, dass ich nervöser bin, als das Paar vor mir.“ Neben der Praxis wurden aber auch die rechtlichen Grundlagen im Kursus vermittelt.

Bürokratie verhindert Eheschließungen: Trauzimmer im Amt darf nicht genutzt werden

„Als ich erfuhr, dass ich nur im Gemeindegebiet trauen darf, war ich komplett überrascht“, sagt Paulsen. Sie sei davon ausgegangen, dass zumindest das Trauzimmer im Amtsgebäude genutzt werden könne, da es ja von allen Amtsgemeinden gemeinsam finanziert werde. Auch im Amt war man überrascht und fragte beim zuständigen Leiter des Standesamtes in Molfsee nach. „Von dort wurde uns bestätigt, dass die Bürgermeister nur in ihrem Gemeindegebiet trauen dürfen und nur in Räumen, die von der Gemeindevertretung dafür vorgesehen sind“, sagt Amtsdirektor Joachim Brand. Da das Trauzimmer im Amt zur Gemeinde Achterwehr gehöre, dürften es weder Paulsen noch Langer nutzen.

„Ich bin entsetzt“, sagt Langer, dem die Regel bis heute nicht bekannt war. Vier Eheschließungen hat er schon dort durchgeführt, auch außerhalb des Gemeindegebietes. Die gute Nachricht: Alle Ehen sind gültig, das bestätigte Kai Volkmann von der Kommunalaufsicht des Kreises. Dass bei Langer bereits Anfang Mai eine weitere Trauung außerhalb seines Gemeindegebietes ansteht, bereitet dem Bürgermeister nach der Hiobsbotschaft jetzt allerdings Kopfzerbrechen.

Suche nach geeigneten Räumen

Die Bürgermeisterin in Felde ist entspannter, denn noch gibt es keine Hochzeitstermine. „Wir könnten eine Ecke des Saales im Gemeindezentrum für Trauungen nutzen“, überlegt Paulsen. So richtig schön sei der Ort aber nicht – eher eine pragmatische Lösung. „Wir werden uns jetzt in der Gemeinde nach besseren Alternativen umschauen“, sagt sie. Auch Langer sucht einen geeigneten Ort in der Gemeinde.

Bürger, die passende Räume zur Verfügung stellen wollen, können sich bei den Bürgermeistern Petra Paulsen (Tel. 04340/402571) und Klaus Langer (Tel. 04340/402714) melden.

Mehr aus Rendsburg lesen Sie hier.

Beate König 10.04.2019
10.04.2019
Jan-Phillip Wottge 10.04.2019