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Rendsburg Warum werden Kinder so oft gebissen?
Lokales Rendsburg Warum werden Kinder so oft gebissen?
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08:00 28.09.2019
Von Sorka Eixmann
Marc Lindhorst ist seit 14 Jahren Hundetrainer. Das Knuddeln von Hunden kommt dabei nicht zu kurz. Quelle: Sorka Eixmann
Mielkendorf

Marc Lindhorst wurde 1975 in Duisburg geboren, als Jugendlicher faszinierte ihn die Tierwelt. Doch der erste eigene Hund zog erst 1997 bei Marc Lindhorst ein, ein Mopsrüde namens Onno. Dank ihm beschäftigte sich Hundetrainer Marc Lindhorst intensiver mit dem Thema Hund und lernte 2003 Martin Rütter kennen, der ihm 2005 die Chance bot, sich nach seiner Trainingsphilosophie Dogs (Dog Orientated Guiding System, am Hund orientiertes Führungssystem) auszubilden.

"Seitdem stehe ich Hundehaltern in Norddeutschland mit Rat und Tat auf dem Weg zu einer harmonischen Beziehung zu ihrem Vierbeiner zur Seite und vermittle ihnen das richtige Verständnis für die Sprache und Bedürfnisse des Hundes", sagt Hundetrainer Marc Lindhorst. Er unterstützt die Dreharbeiten von „Der Hundeprofi“, ist Dozent an der Akademie für tiergestützte Therapie sowie Referent an verschiedenen Volkshochschulen in Norddeutschland und Hundeschulen.

Im Interview erklärt Hundetrainer Marc Lindhorst, wie mit Welpen umzugehen ist, warum Hunde häufiger Kinder beißen und wie seriöse Hundeverkäufer im Internet zu erkennen sind.

Wenn ein Hund ein Kind beißt, macht das zutiefst betroffen. Woran liegt es, dass es häufig Kinder trifft?

Leider kann es immer wieder zu solchen Beißvorfällen kommen. Laut den einschlägigen Statistiken ereignen sich die meisten Hundebisse bei Kindern, die zwischen drei und sechs Jahre alt sind. Verletzungen entstehen hierbei meist im Gesichtsbereich und die überwiegende Anzahl der Hundebisse bei Kindern wird durch den familieneigenen Hund oder einen bekannten Hund verursacht.

Was ist die Ursache dafür?

Die Hauptursache ist meistens missverständliches Verhalten von Kind und Hund. Die Mehrzahl der Beißvorfälle hätte vermieden werden könne, wenn die Halter sich der besonderen Verantwortung beim Zusammenleben von Kind und Hund bewusst wären, denn Hunde werden Kinder im oben genannten Alter niemals als ranghöher betrachten und verhalten sich ihnen gegenüber auch dementsprechend. Darüber hinaus ist die Erziehung von Jungtieren die Aufgabe aller Gruppenmitglieder und nicht das Privileg der ranghöchsten Individuen beziehungsweise der Elterntiere.

Was meinen Sie damit konkret?

Halter müssen Verantwortung für ihren Vierbeiner übernehmen und ihn auch vor Übergriffen durch das Kind schützen. Ein Hund kann auch schmerzbedingt nach dem Kind schnappen und dieses dadurch verletzen. Futterschüsseln, Hundespielzeug und die Liegestellen sollten für Kinder tabu sein. Auch sollte klar sein, dass Kinder und Hunde bis zu einem gewissen Alter des Kindes (circa zehn Jahre) niemals unbeaufsichtigt alleine gelassen werden sollten.

Welche Probleme sind die häufigsten, die Sie als Hundetrainer warten?

Die meisten Menschen, die unsere Hilfe in Anspruch nehmen, kommen aus den verschiedensten Gründen. Sei es, dass ihr Hund draußen unkontrolliertes Jagdverhalten zeigt, den Postboten und jeden Jogger zum Fressen gern hat, sich nicht mit Artgenossen verträgt, an der Leine zieht, nicht alleine bleiben kann, Stress beim Autofahren hat oder nicht das tut, was die Halter von ihm verlangen. So unterschiedlich die Hunde, so unterschiedlich sind die Gründe für einen Besuch in unserer Hundeschule. In der überwiegenden Anzahl der Fälle können wir den Haltern aber helfen und das Zusammenleben von Hund und Mensch wieder harmonischer gestalten.

KN-online hat erst kürzlich darüber berichtet, dass sich ein Hund zum Problem für eine Familie entwickelte, der das Tier über das Internet vermittelt wurde – wie massiv sind solche Probleme?

Leider floriert der Handel mit Hunden aus dem Internet, da eine Kontrolle und Regulierung beziehungsweise eine Sanktionierung durch die entsprechenden Behörden aufgrund fehlender Transparenz der Online-Plattformen schwer möglich ist. Daher nutzen auch viele unseriöse Händler und Vermehrer das Internet, um ihre Ware Hund an potenzielle Kunden zu veräußern - und das auf Kosten der Hunde. Doch nicht jeder Hund, der über das Internet zu seinen neuen Haltern kommt, ist per se problematisch. Neben der Genetik und den Aufzuchtbedingungen sind auch die später gemachten Erfahrungen beim zukünftigen Halter maßgeblich am Verhalten des Hundes beteiligt.

Wozu raten Sie, wenn Menschen einen Welpen im Netz kaufen möchten?

Um den illegalen Handel mit der Ware Hund nicht zu unterstützen, sollten sich potenzielle Hundeinteressenten vor einem Kauf im Internet an folgende Kriterien halten: Wirbt der Anbieter damit, dass er mehrere Hunderassen zur Auswahl hat oder jede Rasse besorgen kann, dann Finger weg, hier hat man es mit einem unseriösen Vermehrer zu tun. Auch bei niedrigen Preise sollte man vorsichtig sein. Wenn das Elterntier beziehungsweise die Elterntiere nicht bei den Welpen leben oder nötige Dokumente fehlen sowie ein Besuch am Aufzuchtsort der Welpen nicht möglich, sollte auch ein großer Bogen um diesen unseriösen Händler gemacht werden. Ein seriöser Verkäufer nimmt sich Zeit für die zukünftigen Hundehalter, beantwortet Fragen und besteht auch auf einen zweiten Besuch der potenziellen Käufer, er würde niemals einen Hund sofort mitgeben.

Sie sind seit 14 Jahren Hundetrainer, wen müssen Sie mehr erziehen: Hunde oder Menschen?

In den letzten 14 Jahren durfte ich knapp 5000 Mensch-Hunde-Teams auf dem Weg zu einem entspannten Zusammenleben begleiten. Dabei bestand meine Aufgabe immer darin, als Dolmetscher der Hunde zu fungieren und dem jeweiligen Menschen die Bedürfnisse seines Hundes zu erläutern. Mein Beruf besteht überwiegend im Training der Menschen. Denn nur wenn der Halter seinen Hund verstehen lernt, kann sich der Hund an seiner Seite optimal entfalten.

Hat sich die Sichtweise mancher Hundehalter auf ihr Tier verändert?

Die meisten Hunde werden nicht mehr angeschafft, weil sie ihre ursprüngliche Funktion als Jagdbegleiter, Wächter oder Hüter und Treiber von Nutztieren erfüllen sollen. Vielmehr dienen die meisten Hunde dem Menschen als Sozialpartner und sollen andere menschliche Bedürfnisse erfüllen. Der Wunsch nach Gesellschaft, Zuneigung und Loyalität sowie emotionaler und körperlicher Nähe stehen oft im Vordergrund. Manche Hunde werden auch als Statussymbole gesehen und dementsprechend behandelt. Oft werden dabei die hundlichen Bedürfnisse außer Acht gelassen. So kann es zu einer extremen Vernachlässigung, Ausbeutung oder gewaltsamen Umgang mit dem Vierbeiner kommen, aber auch zu einer grotesken Überfürsorge und extremen Vermenschlichung des Hundes. Alle genannten Aspekte überfordern die hundliche Anpassungsfähigkeit und führen oftmals zu Verhaltensproblemen oder im schlimmsten Fall auch zu Verhaltensstörungen.

Bei Kindern ist dann von Helikopter-Eltern die Rede – trifft die Beschreibung auch auf manchen Welpen-Besitzer zu?

Ab und an tauchen auch manch überfürsorgliche Welpenbesitzer in unseren Welpengruppen auf, auf die der Begriff der Helikopter-Eltern anwendbar ist. In ständiger Sorge um das Wohlbefinden ihres Hundes versuchen die Hundehalter alles, um ihren kleinen Schützling vor echten oder vermeintlichen Gefahren zu schützen.

Beißattacken in Schleswig-Holstein: So oft werden Menschen von Hunden angefallen

217 sogenannte Beißvorfälle haben die Behörden nach Angaben des Innenministeriums Schleswig-Holstein 2017 erfasst und damit deutlich mehr als im Jahr zuvor, als es 107 waren. Die Zahl von 2016 war die niedrigste in der zehnjährigen Geschichte der Statistik. Ansonsten schwankt die Zahl regelmäßig zwischen 140 und 170 Fällen.

An der Spitze der Beißstatistik standen 2017 erneut Hunde, die im Land am häufigsten gehalten werden: Mischlinge, Schäferhunde, Jack-Russel-Terrier, Labradore und Kreuzungen. Die Zahlen für 2018 lassen laut Innenministerium nach Auswertung von Zahlen aus bisher 13 Kreisen ein ähnliches Ergebnis erwarten.

Das Innenministerium verwies darauf, dass seit 2016 eine neue Rechtslage gilt, die den Behörden deutlich mehr Spielraum gibt. Bis 2015 haben die Kommunen allein jene Fälle registriert und weitergeleitet, die zu einer Einstufung eines Hundes als gefährlich geführt haben. Nach der neuen Rechtslage könnten sie Beißvorfälle danach bewerten, ob sie eine Einstufung rechtfertigen oder ob niedrigschwelligere Maßnahmen wie ein Leinenzwang angemessen sind.

Welche Folgen hat das?

Dieses exzessive Einmischen in das Leben des Welpen führt oft zu einer eingeschränkten Selbstregulation und mangelhaften Anpassungsfähigkeit des Hundes in unserer Gesellschaft, da der kleine Welpe kaum eigene Erfahrungen sammeln darf, die im das nötige Rüstzeug für ein entspannteres Leben ermöglichen.

Und wie kann ein Hundetrainer in solchen Fällen helfen?

Wir versuchen solchen Welpenbesitzern klar zu machen, dass ihre Aufgabe natürlich darin besteht, sich um die Bedürfnisse ihres Hundes zu kümmern, jedoch ihrem Welpen auch einen Rahmen abzustecken, innerhalb dessen sich der Kleine frei bewegen darf, um nach dem Motto "Versuch und Irrtum" eigene Erfahrungen zu sammeln. Ein ausgewogenes Verhältnis von Fürsorge und Eigenständigkeit ist das Ziel im Zusammenleben mit einem jungen Hund. Nur dadurch kann er zu einem verlässlichen Partner an unserer Seite werden.

Haben Sie als Hundetrainer schon einmal aufgeben müssen?

Während meiner 14-jährigen Tätigkeit an der Seite von Menschen und deren Hunden gab es auch Fälle, bei denen ein Training oder eine Therapie nicht mehr möglich war. Entweder war die Anpassungsfähigkeit des Hundes überfordert oder die Halter waren leider nicht willens, sich oder das Umfeld des Hundes zu verändern.

Wie fühlen Sie sich als Hundetrainer, wenn sie scheitern?

Im letztgenannten Fall tat mir der Hund leid, da sein Verhalten oft noch veränderbar war, die Menschen aber sich nicht den geforderten Veränderungen im Umgang mit ihrem Vierbeiner stellen wollten beziehungsweise die Verantwortung für ihren Hund übernehmen wollten. Solche Fälle sind aber zum Glück sehr selten und stellen eine Ausnahme dar.

Im Video: Hundetrainer Martin Rütter

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