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Rendsburg Im Turbogang durchs Leben
Lokales Rendsburg Im Turbogang durchs Leben
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11:58 17.09.2009
Altenholz

Dicke Teppiche, behagliche Sofas, dunkles Holz: Ursula Striebich hat die Brötchen eben noch einmal schnell in den Backofen geschoben, „die schmecken sonst nicht“, und serviert extra starken Kaffee. Es ist nicht die erste Tasse, die ihr Mann jetzt, gegen 9.30 Uhr, trinkt. Gegen 6 Uhr war er nach etwa fünf Stunden Schlaf („mehr brauche ich nicht“) aufgestanden, hatte sich die Zeitung geschnappt und eine Zigarette geraucht. Gegen 7.45 Uhr gab's das erste Frühstück, bevor es eine halbe Stunde später ins Büro ging. Auch dort hatte seine Sekretärin, Judith Biermann, frischen Kaffee gebrüht.

Das Arbeitspensum, das der Verwaltungschef sich, aber auch seinen Mitarbeitern abverlangt, ist gewaltig, dazu kommen viele Gespräche, weil Horst Striebich versucht, zu allen persönlichen Kontakt zu halten - nicht per Brief, schon gar nicht per E-Mail. „Auf diese Weise erkenne ich frühzeitig, wohin die Reise geht, und kann manches noch korrigieren“, sagt er. „Ich frage mich nur, warum das andere nicht genauso machen.“ Die Erklärung liegt auf der Hand: Für Aktenarbeit bleibt meistens erst am Abend Zeit. Und in der Nacht.

Immer ein offenes Ohr für andere, immer ausgeglichen? Ursula Striebich lächelt. In Wirklichkeit stehe ihr Mann immer unter Strom. Die Familie wisse das, und sie selbst habe gelernt, den passenden Moment abzupassen, um ihm von der defekten Heizung zu erzählen. Letztlich sei sie ein verheirateter Single. „Entweder ich arrangiere mich damit oder ich nehme meine Koffer.“ Horst Striebich hat Glück: Er ist mit seiner Frau seit 34 Jahren verheiratet, für beide ist es die zweite Ehe, eine Patchworkfamilie mit drei längst erwachsenen Kindern.

Im Rathaus beherrscht Horst Striebich unaufdringlich jede Situation. Zu Hause wirkt er dagegen, als wäre er selbst ein Gast. „Ich bringe hier nur alles durcheinander“, sagt er und wirkt keinesfalls degradiert. Dass ihm seine Frau jeden Morgen sogar die passende Krawatte heraussucht, weil er „sonst völlig aufgeschmissen“ wäre, findet er vollkommen in Ordnung. Führungspersönlichkeiten erkennt man daran, dass sie Verantwortung abgeben können. Auch privat.

Als Horst Striebich am 1. Januar 1993 Bürgermeister wurde, atmete seine Frau auf. Nächtelang hatten hier am Esstisch Beratungsrunden und Konzeptgespräche stattgefunden, hatten CDU-Leute über Strategien diskutiert. Es sollte der Durchbruch werden. Horst Striebich, geboren am 17. September 1944 in Karlsruhe, hatte nach der Höheren Handelsschule zunächst Speditionskaufmann gelernt, bevor er 1964 zur Marine nach Kiel ging. 1968 bis 1970 absolvierte er beim Zoll seine zweite Ausbildung, wurde Diplom-Finanzwirt und kam 1970 als Kämmerer nach Altenholz. Damals siedelte sich hier die Datenzentrale an, wo er unter anderem Vorstandsassistent, Vertriebs- und Marketingleiter wurde. 1973, Horst Striebich weiß es noch ganz genau, sprach ihn Berthold Baller, das Altenholzer CDU-Urgestein, auf dem Weg zur Datenzentrale an. Ob dieser wohl geahnt hatte, dass der junge Hoffnungsträger wenig später mit einem zehnseitigen Konzeptpapier zur politischen Zusammenkunft erscheinen würde?

Über Politik soll an diesem Tag nicht all zu viel gesprochen werden, sie beherrscht die Berichterstattung in den übrigen Wochen ohnehin. Spannender ist ein Blick in die Zukunft: Was plant Horst Striebich nach dem 31. Dezember 2010, wenn er aus Altersgründen sein Amt endgültig abgibt? „Klar ist, dass man keine Vollbremsung hinlegen darf“, sagt er. In den vergangenen Monaten seien die Kontakte von ganz allein zustande gekommen: Horst Striebich könnte sich im Gesundheitsbereich, im Handel oder ehrenamtlich engagieren - 20 Stunden pro Woche. Ob er sich von der Droge Arbeit problemlos entwöhnen kann? Bislang scheint das kaum vorstellbar.

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