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Rendsburg Ist der Bordesholmer See noch zu retten?
Lokales Rendsburg Ist der Bordesholmer See noch zu retten?
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13:21 21.10.2019
Von Frank Scheer
Als Anliegerin fühlt sich Carola Ketelhodt persönlich betroffen von dem schlechten Zustand des Bordesholmer Sees. Quelle: Sven Tietgen
Bordesholm

Bei einer Sondersitzung des Umweltausschusses am Mittwoch, 22. Oktober, dreht es sich ab 18.30 Uhr im Sitzungssaal des Rathauses in Bordesholm um dieses Thema. Wir sprachen vorab mit Carola Ketelhodt (Grüne), die den Umweltausschuss als Vorsitzende leitet.

Der Bordesholmer See ist ein Anziehungspunkt für viele Menschen, was bedeutet er für Sie persönlich?

Carola Ketelhodt: Für mich ist der See ein großes Stück Heimat. Ich lebe mit und am See, liebe es in der Natur zu sein und Beobachtungen zu machen. Und die ökologische Qualität macht mir täglich große Sorgen.

Warum blüht der See seit zwei Jahren so stark?

Die Trockenheit, wir haben einen niedrigen Wasserstand, deshalb haben wir die Nährstoffe konzentrierter. Und es geht immer noch pro Jahr eine Tonne an Nährstoffen hinein. Zudem lösen sich die Altlasten aus den 1960er-Jahren, als vieles vermutlich ungeklärt hineingeleitet wurde, aus dem Boden heraus.

Algenpest, Badeverbote, stinkende Pastorenbucht: Viele Bürger sagen, die Gemeinde setzt sich zu wenig für das Gewässer ein. Viele Debatten, wenig Taten. Sehen Sie das auch so?

Natürlich kenne ich den Vorwurf. Aber die Natur ist kein Kippschalter, mit dem der Zustand von heute auf morgen verbessert werden kann. Man braucht einen langen Atem. Aber, und da kann ich die Vorwürfe der Bürger auch total verstehen, tatsächlich sind die Probleme viele Jahre nicht gesehen und unterschätzt worden. Der Seeverein hat über Jahre gute Arbeit mit Messungen über Jahre gemacht, Daten gesammelt. Die Probleme lagen auf dem Tisch.

Ist denn überhaupt etwas passiert?

Man hat die Hände nicht in den Schoß gelegt. Die Renaturierung des Kalbachs im Bereich Tegel ist gut gelungen. Wir setzen uns für Uferrandstreifenprogramme ein, die Gewässerberatung für Landwirte ist erfolgt. Der Eintrag konnte gesenkt werden, aber es ist immer noch zu viel. Man braucht bei Ökologie aber auch einen langen Atem. Man kann nicht einfach den Kippschalter umlegen, und durch eine technische Lösung wird alles wieder gut.

600 Kilo Phosphat fließen laut dem neusten Gutachten hinein. Der Zustand ist mangelhaft. Gibt es überhaupt noch Hoffnung?

Ja, sonst würde ich mich nicht einsetzen. Wir müssen aber jetzt etwas machen. Ziel muss sein, dass ökologische Gleichgewicht herzustellen. Aber das hat was mit Finanzen zu tun. Leider steht der See beim Land, der Eigentümer ist, wegen des schlechten Zustands auf der Prioritätenliste weit hinten. Die nehmen lieber Gewässer, bei denen eine Verbesserung schneller zu sehen ist. Der Bordesholmer See ist aber ein natürliches Gewässer, eben kein Karpfenteich. Man muss die Ökologie insgesamt, also auch den Bereich drumherum, betrachten. Und die Selbstreinigungskräfte berücksichtigen.

Hat man das denn gemacht?

Nein, und das ist mein Hauptkritikpunkt. Die Selbstreinigung wurde schändlich vernachlässigt. Ein See kann sich reinigen, wenn ihm die Möglichkeiten gegeben werden. Seit der Flurbereinigung in den 1970er-Jahren sind große Teile des Zuflusses Kal- und Waldbach verrohrt worden. Das ist das schlimmste, was man einem See antun kann. In Rohren passiert ökologisch nichts. Wenn Wasser durch Sand, über Steine oder durch Schilf fließt, reinigt es sich selbst. Über 60 Prozent sind verrohrt.

Der Bordesholmer See

Der Bordesholmer See hat in den vergangenen Jahren immer wieder durch Badeverbote und schlechte Ergebnisse bezüglich seiner Wasserqualität von sich Reden gemacht. Der ist 78 Hektar groß und misst an der längsten Stelle rund 1,2 Kilometer sowie an der breitesten rund 800 Meter. Der Kalbach ist der Hauptzufluss zu dem See, in den aber auch noch einige Entwässerungsgräben münden. Über diese Zuflüsse gelangen nach Meinung von Experten zu viele Nährstoffe in den See, der darauf mit starken Algenblüten und Sauerstoffarmut reagiert. Über den Steingraben ist der Bordesholmer See, der dem Land Schleswig-Holstein gehört,  mit dem benachbarten Einfelder See (Neumünster) verbunden. Der Stintgraben ist der Abfluss für den See der via Mühlenteich in die obere Eider mündet.

Muss man hier ansetzen?

Ja. Wir müssen zurückbauen. Die Rohre sind auch viel zu tief. Der Vorschlag, alle Entwässerungsgräben von landwirtschaftlichen Flächen dicht zu machen, ist eine Maximalforderung. Wie sollen die Landwirte wirtschaften, wenn sie mit den Füßen im Wasser stehen. Ich würde das differenzieren. Auf Ackerflächen, wo gewirtschaftet wird, muss das Wasser abgeführt werden. Das ist verständlich. Wo aber unbedingt angesetzt werden muss, sind Koppeln und Weiden, wo die Rinder sind. Und bei den Treibewegen. Da laufen die Tiere alle rüber, da dringt Urin und Kot in die nicht ganz geschlossene Verrohrung ungehindert ein und kommt damit in den See. Die Entrohrung ist eine drastische Maßnahme, das weiß ich. Aber genau an den Weiden sind die drastischen Punkte und man muss da ganz genau hingucken. Der Seeverein hat da viele Stellen genannt. Da wird man Ross und Reiter nennen müssen und das Ganze nicht mehr wie bisher mit Glaceehandschuhen anpacken können.

Was muss noch in die Wege geleitet werden?

Man muss die Fließgeschwindigkeit des Kalbachs verlangsamen. Sedimentieren ist das Stichwort. Die Nährstoffe müssen vorher herausgefiltert werden. Auch über die zusätzliche Anpflanzungen von Schilf sollte nachgedacht werden. Erst wenn die Selbstreinigungskraft wieder in Gang ist, kann darüber nachgedacht werden, ob auch die Nährstoffe auf dem Boden des Sees angepackt werden sollten.

Der Bordesholmer See bereitet in letzter Zeit immer mehr Probleme.

Sehen sie auch Probleme durch die Düngung in privaten Gärten?

Ungeklärt fließt nichts mehr in den See. Das ist auch nicht mehr erlaubt. Alle Grundstücke sind ans zentrale Netz angeschlossen. Das ist mein Kenntnisstand, der mir auch vom Amt bestätigt wurde. Und das, was aus Gärten und von Komposthaufen vielleicht noch in den See läuft, steht zu dem, was von den Weiden kommt, in keiner Dimension. Selbst wenn ein Privatmann doll düngt, kommt er nicht auf solche große Nährstofffrachten, die von den Weiden kommen.

Die öffentlichen Einleiter sind auch nicht ohne? Öl und sonstige Stoffe von den Straßen und Wegen fließen auch nahezu ungefiltert in den See, muss da nicht auch nachgebessert werden?

Das Gutachten zu den öffentlichen Einleitungsstellen kam ja auf Initiative von uns Grünen. Es hat gezeigt. Bei der Nährstoffproblematik helfen uns da Maßnahmen nicht. Nichtsdestotrotz muss auch da etwas passieren. Denn Schadstoffe, wie Öl und anderes, gehören auch nicht in den See.

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