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20:00 04.06.2019
Von Frank Scheer
Jan-Birger Kirchhoff arbeitete für German Doctors in Bangladesch und behandelte dort vor allem Kinder und Frauen. Quelle: Frank Scheer
Wattenbek

Als Jan-Birger Kirchhoff in seinem Elternhaus in der Rosenstraße in Wattenbek die Tür öffnet und einen mit einem freundlich-offenen Hallolächeln empfängt, ist dem Besucher eines sofort klar: Man ist willkommen - und diese Aura half dem 31-Jährigen, um 7300 Kilometer von der Heimat entfernt als europäischer Arzt in einem muslimischen Land das Vertrauen seiner Patienten gewinnen zu können.

Bangladesch passte für den Chirurgen aus Wattenbek gut

"Mein Wunsch war schon immer, in einem Entwicklungsland zu arbeiten. Zeitlich bot es sich jetzt an, weil ich mit dem ersten Teil meiner Facharztausbildung in Bochum fertig bin", berichtet der junge Mediziner, der in Wattenbek die Grundschule besucht, Abitur an der IGS Faldera in Neumünster gemacht und sein Medizinstudium in Lübeck absolviert hatte. "Eine Kollegin hat mir von German Doctors erzählt und ich habe mich beworben. Bangladesch passte zeitlich gut  - die Erfahrungen werden mich prägen."  

10 Cent kostet die ärztliche Behandlung

Seit 2000 betreibt die Hilfsorganisation das Medical-Center für die Ärmsten der Armen. Mit 150 Millionen Einwohnern ist Bangladesch das am dichtesten besiedelte Land der Welt. Gleichzeitig gilt es als das drittärmste, 36 Prozent der Bevölkerung lebt unterhalb der Armutsgrenze. "Eine Krankenversicherung gibt es nicht. Für umgerechnet 10 Cent erhalten die Bedürftigen eine Behandlung", so Kirchhoff, der vor wenigen Tagen von seinem sechswöchigen ehrenamtlichen Einsatz zurückgekehrt ist.

Täglich mindestens einmal Stromausfall

Drei Tage in der Woche hatte Kirchhoff in der Station Dienst, in der neben ihm noch ein weiterer "German Doctor" tätig ist. Das Wartezimmer sei morgens immer voll gewesen. Die Bedürftigkeit der Patienten sei von Sozialarbeitern überprüft worden. "Jeder Patient bekommt ein Gesundheitsheft ausgehändigt. Da werden alle Behandlungen eingetragen und es dient als Nachweis, ins Medical Center kommen zu dürfen." Der Behandlungsraum sei schlicht, aber zweckmäßig. "Und wenn mal der Strom wie meistens einmal täglich ausfällt, dann nehmen es die Einheimischen gelassen und es wird eben eine Kerze angezündet."

Rattenbisse in der Kopf

Viele Frauen und Kinder kommen zur Behandlung, Männer seltener. Trotz Krankheiten schleppten sie sich als "Daily Worker" zur Arbeit.  "Husten, Schnupfen, Heiserkeit. Aber auch Rattenbisse in den Kopf, Malaria und Magen-Darm-Erkrankungen, die auf die sehr schlechten hygienischen Bedingungen und viel Müll zurückzuführen sind, kommen vor", schildert der 31-Jährige. Die Verständigung mit den eher zurückhaltenden Patienten erfolgt über einen einheimischen Dolmetscher in Englisch. Atemwegserkrankungen wie COPD gehörten auch zur Tagesordnung. "Es wird in den meisten Häusern auf offenem Feuer gekocht und der Rauch zieht nicht vernünftig ab."

17-Jährige klagte über "blauen" Husten

Zwei Tage pro Woche ist Dienst in den Slums angesetzt. Eine Begegnung hat Jan-Birger Kirchhoff besonders erschreckt. "Ein 17-jähriges Mädchen klagte über blauen Husten. Im Gespräch kam heraus, dass sie in der Färberei einer Textilfabrik arbeitet. Kleidung, die dann bei uns billig verkauft wird." Sie vom Aufhören zu überzeugen, wäre aber zwecklos - die Familien bräuchten das Geld. 

Jan-Birger Kirchhoff will wieder helfen

Sein medizinisches Engagement sei zwar ein Tropfen auf einen heißen Stein, aber: "Dadurch wird zumindest einigen Menschen geholfen." Außerdem setze sich Medical Doctors vor Ort dafür ein, dass Frauen mit ihren unterernährten Kindern im Rahmen eines Programms eine warme Mahlzeit pro Tag erhalten. Fast die Hälfte der Kinder unter fünf Jahren sind unterernährt. 73 (in Deutschland 5) von 1000 Kindern sterben vor ihrem fünften Geburtstag.

Für Jan-Birger Kirchhoff steht bereits jetzt fest. Nach seiner Facharztausbildung will er auf jeden Fall noch einmal für German Doctors unterwegs sein und helfen.

Weitere Information über die Hilfsorganisation: www.german-doctors.de

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