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Rendsburg Rede von Karin Prien über Antisemitismus
Lokales Rendsburg Rede von Karin Prien über Antisemitismus
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12:00 21.02.2019
Karin Prien hielt eine Rede am Jüdischen Museum in Rendsburg. Quelle: Carsten Rehder/dpa

Antisemitismus hat dieser Tag eine traurige Präsenz in den Nachrichten und auf den Titelseiten. Aus Frankreich sehen wir erschreckende Bilder. Auch der politische Antisemitismus wie ihn Viktor Orban und seine Fidesz-Partei pflegen, wenn sie Georg Soros eine jüdische Verschwörung vorwerfen, wird vielfach nur achselzuckend zur Kenntnis genommen. Aus London hörten wir, dass Labour-Abgeordnete aus der Partei ausgetreten sind, weil Jeremy Corbyn sich mit Antisemiten gemein mache und das Existenzrecht Israels nicht anerkenne.

Antisemitismus so scheint es, ist kein Tabu mehr. Die Diskussion in den Feuilletons und den politischen Talkshows ist das eine, in der Lebenswirklichkeit von Juden in Deutschland und Europa werden aber dunkle Erinnerungen ihrer Vorfahren wach. Stellen wir uns einen Moment vor, wie sehen den Eingang an einem Gasthof. Vielleicht steht er in Starnberg, vielleicht in Dortmund oder eben hier. In Rendsburg. „Dieses Haus ist judenrein“ steht auf einem roten Aufkleber. Die Inhaber brüsten sich stolz damit, keine Juden zu beherbergen oder zu bedienen.

Ein Sprung ins Heute. Vielleicht führen die Enkel den Gasthof, vielleicht eine italienische Gastarbeiterfamilie. „Refugees Welcome“ steht auf einem gelben Aufkleber. Zwischen beiden Ausklebern liegen 80 Jahre. 80 Jahre deutscher Geschichte in denen Aufkleber oder Sticker im politischen Kampf eine wichtige Rolle gespielt haben. Das kurze Schlagwort, der Slogan oder Claim, wie man in der Sprache der Werbung sagen würde, schafft Identifikation. Man liest etwas und fühlt sich dazugehörig. „Atomkraft nein Danke!“ oder „Soldaten sind Mörder“ sind nur zwei Beispiele für große gesellschaftliche Kontroversen der Nachkriegszeit, die sich mit Aufklebern auf den Kofferraumdeckeln, auf Schulheften oder an Laternenpfählen nacherzählen lassen.

Loyalitätsbekundungen nach Angriffen

„I‘m with her“ bekundeten Anhänger von Hillary Clinton im Wahlkampf und „Je suis Charlie“ wurde als Loyalitätsbekundung nach den Angriffen auf die Redaktion von Charlie Hebdo in ganz Europa bekannt. Ein kurzer Satz der beim Gang durch die Straße Wiedererkennungswert hat. Der mir das Gefühl, „aha, da ist jemand, der so denkt wie ich“, verleiht. Es kann aber auch ein mulmiges Gefühl aufkommen. Das Gefühl, dass da Leute sind, die gegen mich sind. Leute die mir Leid androhen. Aufkleber sind eben nicht nur Ausdruck legitimer politischer Debatten, sondern auch Mittel der Ausgrenzung und des Hasses.

Lesen Sie auch: Ausstellungseröffnung im Jüdischen Museum in Rendsburg

Wenn wir durch die Ausstellung gehen, sehen wir um uns herum Zeugnisse der Geschichte des Antisemitismus. „Kauft nicht bei Juden“ ist als Slogan keine Erfindung der Nationalsozialisten sondern findet sich schon um die Jahrhundertwende. Geklebt um einzuschüchtern. Geklebt um auszugrenzen. In der Wissenschaft gibt es die sachlich-kalte Formulierung der sogenannten gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit. Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit. Die International Holocaust Remembrance Alliance hat eine sehr eindeutige Definition über Antisemitismus. Antisemitismus, das ist eine bestimmte Wahrnehmung von Juden, die im Hass Ausdruck finden kann, aber nicht muss. Rhetorische und physische Manifestationen von Antisemitismus richten sich gegen jüdische oder nicht-jüdische Individuen, gegen ihr Eigentum, gegen Institutionen jüdischer Gemeinden und religiöse Einrichtungen.

Es geht nicht darum, warum Juden gehasst werden. Religion, Stereotype oder die bloße Existenz des Staates Israel als jüdischem Staat. Das alles wird von Antisemiten als Vorwand genommen, um ihren Hass auf Juden und jüdisches Leben zu begründen. Diese Ausstellung, die hier in den kommenden Wochen in unserem Jüdischen Museum in Rendsburg zu sehen ist, hat eine weite Reise hinter sich. München, Köln und Berlin, um nur drei Stationen zu nennen. Überall kamen Besucher mit einem Aha-Effekt aus der Ausstellung. Die Aufkleber zeigen uns, dass sich Farbschema und Schrifttype ändern mögen, die Botschaft des Bösen aber bleibt gleich.

Auswirkungen sind auch hier spürbar

„Kauft nicht bei Juden“ steht auch heute wieder auf Aufklebern. Nur sind es heute nicht Nazi-Symbole, sondern das Kürzel B.D.S. Boycott, Divestment and Sanctions. Der Staat Israel, der jüdische Staat, soll wirtschaftlich, kulturell und politisch isoliert werden. Eine perfide Botschaft, die den einzigen jüdischen Staat auf der Welt delegitimieren will. Und die Auswirkungen sind auch hier spürbar. Wenn Kulturfestivals im Netz mit Schmähungen überzogen werden, weil jüdische Künstler aus Israel auftreten. Wenn Redner auf Podiumsdiskussionen angebrüllt und bepöbelt werden. Und wenn in der politischen Debatte statt der demokratisch gewählten Regierung der einzigen Demokratie im Nahen Osten nicht diese Regierung, sondern einfach nur „die Juden“ oder „der Judenstaat“ schuldig sein sollen. Sie, die sie heute Abend alle hier sind, haben ein Bewusstsein für die Gefahren des Antisemitismus. Sie kennen die aktuelle Situation, Sie begegnen vielleicht seinen Auswüchsen im Alltag. Sie sind aufmerksam.

Lassen Sie uns gemeinsam aufmerksam sein. Lassen Sie uns gemeinsam darauf achten, wo wieder ein „Kauft nicht bei Juden!“ auftaucht. Isabel Enzenbach, die Kuratorin dieser Ausstellung, hat in einem Interview auf die Gegenwehr hingewiesen. Deshalb stünden auch die Aufkleber mit antisemitischen Botschaften nicht allein, sondern es werden die Aufkleber dagegen gezeigt. Wir dürfen dem Antisemitismus im öffentlichen Raum keinen Platz lassen. Daher habe ich im Sinne dieser Ausstellung ein paar Aufkleber mitgebracht. Kein Ort für Antisemitismus. Nehmen Sie sich einen mit, falls Ihnen mal wieder ein antisemitischer Sticker im Alltag begegnet.

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