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Rendsburg Das flauschige Quartett wird flügge
Lokales Rendsburg Das flauschige Quartett wird flügge
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08:00 03.06.2019
Von Sven Janssen
Die jungen Uhus sind bald flügge, werden aus dem Nest purzeln und ein paar Tage am Boden leben, bevor sie fliegen können. Quelle: Sven Janssen
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Molfsee

Das Haus Heidenreich ist für die Besucher des Freilichtmuseums in Molfsee in diesem Jahr noch interessanter als sonst. Auf dem Reetdach am Schornstein nistet ein Uhu-Pärchen, das das Museum schon seit fünf Jahren besucht. Wer genau hinschaut, sieht, dass hin und wieder vier Jungvögel ihre Hälse über den Nestrand recken. Die leuchtenden orangenen Augen sind im Sonnenlicht gut zu erkennen.

Uhus purzeln aus dem Nest

„Die Vier werden in den nächsten Tagen flügge und purzeln dann aus dem Nest“, sagt Johann Böhling, Vorsitzender des Landesverbandes Eulenschutz Schleswig-Holstein. „Fliegen können die Uhus erst nach einigen Tagen“, erklärt er. Bis dahin leben sie am Boden und werden abends von den Eltern versorgt. „Auch wenn es so aussieht, dass die Vögel aus dem Nest gefallen sind, muss man sie in Ruhe lassen, das ist ganz normal“, so Böhling. „An anderen Brutstandorten fallen die Junguhus bis zu 20 Meter tief, ohne sich zu verletzen.“

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Der Uhu war in Schleswig-Holstein ausgestorben

„1983 gab es in Schleswig-Holstein keine Uhus mehr, sie waren hier ausgestorben“, sagt Böhling. Dann habe man mit der Aufzucht und Auswilderung begonnen und Erfolg gehabt. Bis 2005 seien Zuchttiere in die Freiheit entlassen worden. Mit rund 400 brütenden Paaren in den vergangenen Jahren sei der Bestand in Schleswig-Holstein wieder stabil.

Der Bestand ist wieder stabil

„Die Zahl beruht auf einer Hochrechnung des beobachteten Bestandes im sogenannten Monitorringgebiet Dänischer Wohld, das von Molfsee bis an die Schlei reicht“, so der Uhu-Experte. „In diesem Jahr haben in dem Bereich 32 Paare gebrütet, 27 waren erfolgreich, und es gibt 67 Junguhus.“ Auffällig sei, dass es viele Bruten mit vier Jungen gab. „Das ist die maximale Zahl, die man in einem Nest findet.“

Nach 50 Tagen flügge

Dass der Uhu seit fünf Jahren in Molfsee brüte, sei ungewöhnlich, weil sich die Vögel eher ruhige abgelegene Orte suchen. „Eigene Nester bauen sie nicht wirklich, sondern nutzen alte Horste oder brüten am Boden“, erklärt der ehemalige Förster. 50 Tage dauere es, bis die Jungvögel nach dem Schlüpfen flügge werden. Zwischen 30 und 34 Tagen werden die Eier bebrütet.

Futter in der Dämmerung

In der Dämmerung sammeln die Eltern das Futter. Ratten und Mäuse seien die Hauptnahrung, so Böhling, aber auch Igel, junge Gänse, Kaninchen und Blesshühner gehören zum Speiseplan. Der Uhu frist auch Aas, das er auf der Straße aufsammelt. Eine ausgewachsene Gans könne der Vogel aber nicht schlagen.

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