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Rendsburg Kronshagens Mitte: "Aufwertung für alle"
Lokales Rendsburg Kronshagens Mitte: "Aufwertung für alle"
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20:00 18.07.2019
Von Florian Sötje
Die Grünfläche mitsamt Springbrunnen wird sich durch die Umgestaltung des Ortskerns in Kronshagen verändern. Quelle: Florian Sötje
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Kronshagen

Herr Sander, ein zentrales Argument der Kritik an der Ortskernplanung auf der Südseite ist die Reduzierung von Parkplätzen. Direkt an der Ladenzeile wird deren Zahl von 33 auf 11 minimiert. Keine Verbesserung für Gewerbetreibende und Besucher, oder?

Ingo Sander: Generell vorweg: Hinter allem, was wir im Ortskern vorhaben, steht Bürgerbeteiligung. Seit mehreren Jahren planen Politik, Verwaltung, Kronshagenerinnen und Kronshagener gemeinsam eine Aufwertung der Ortsmitte für alle: Anlieger, Geschäftsleute und Besucher. Niemand will den Status quo verschlechtern. Ziel ist eine optimale, zeitgemäße Infrastruktur – und die beinhaltet ausreichend Parkplätze im Nahbereich der Ladenzeile. Konkret: Die 22 Parkplätze, die am Bahnhaltepunkt für mehr Grün für mehr Aufenthaltsqualität weichen werden, ersetzen wir selbstverständlich. Sechs Parkplätze einen Steinwurf entfernt auf der Südseite der Kieler Straße, weitere 16 vis-à-vis in einer Parkreihe auf dem neuen Marktplatz parallel zur Kopperpahler Allee. Hinzu kommen Parkplätze am Rathaus und an der Volksbank.

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Das dezentrale Parkplatzkonzept beinhaltet Parkplätze, die geplant aber noch nicht beschlossen sind. Zunächst wird sich der Parkraum also deutlich reduzieren. Wie kann die Situation während der Bauarbeiten auf der Südseite für die Kronshagener und die Geschäftsleute in der Ladenzeile entschärft werden?

Das Parkplatzkonzept ist beschlossen und für die Parkplätze an der Kieler Straße hat der Bauausschuss einen Prüfauftrag beschlossen. Hier haben wir bereits positive Signale zur Genehmigung. Die Parkreihe am Marktplatz gehört zur Detailplanung. Mit dieser rechnen wir in Kürze. Der provisorische Marktplatz wird während der Bauarbeiten auf der Südseite in jedem Fall als Parkplatz zur Verfügung stehen. Um die Belastungen, die eine Baustelle mit sich bringt, für die Gewerbetreibenden so gering wie möglich zu halten, besprechen wir Zeiträume, Taktungen und die Parksituation direkt mit den Betroffenen. Darauf dürfen sie sich verlassen.

Kritik gibt es auch am geplanten großen Vorplatz am Bahnhaltepunkt. Warum wird ein Teil des Bereichs nicht als zusätzlicher Parkraum genutzt?

Die Parksituation wurde sehr intensiv diskutiert. Nach umfangreichen Beratungen durch Fachleute hat die Gemeindevertretung beschlossen, dass die Parkplätze in unmittelbarer Nähe ersetzt werden. Die neuen Parkplätze werden teilweise sogar näher an den Geschäften liegen als die jetzigen. Insgesamt steigt die Zahl der Parkplätze im Ortskern. Obendrein erhält der Neubau auf der Nordseite eine Tiefgarage. Der Vorplatz des Bahnhaltepunkts ist gut geplant und schon deshalb nicht zu groß, weil die Grünfläche an der Ladenzeile um mehrere Meter Richtung Bahnhaltepunkt erweitert wird.

"Die Außengastromie soll selbstverständlich nicht entfallen."

Tische und Stühle vor Bäckerei und Eiscafé, die jetzt noch für Besucher bereit stehen, müssen der neuen Gestaltung weichen. Nehmen Sie den Kaufleuten damit nicht einen Teil ihrer Geschäftsgrundlage und Besuchern ein Stück an Aufenthaltsqualität?

Die Außengastronomie soll selbstverständlich nicht entfallen. Die Planung sieht öffentliche Sitzmöglichkeiten in der Grünanlage und Außengastronomie an der Ladenzeile vor. Sowohl das Eiscafé als auch die Bäckerei würden gern zusätzliche Sitzmöglichkeiten anbieten. Da es unser Ziel ist, die Südseite attraktiv und lebendig zu gestalten, werden wir auch hierzu den Dialog mit den Geschäftsleuten fortsetzen.

Die Interessengemeinschaft Ortsmitte Kronshagen, die mehr als 2000 Unterschriften gegen die Planung gesammelt hat, beklagt, dass sich viele Bürger trotz verschiedener Workshops nicht im Entwurf wiederfinden. Was ist schief gelaufen bei der Bürgerbeteiligung?

Die Einbeziehung der Kronshagenerinnen und Kronshagener in die Aufwertung der Ortsmitte ist so umfangreich wie noch nie zuvor bei einem Projekt in unserer Gemeinde. Viele Bürgerinnen und Bürger haben sich in Workshops, Projektgruppen, Info- und Bürgerversammlungen und mehr als 30 öffentlichen Gremiensitzungen an der Neuplanung ihres Ortskerns beteiligt. Alle Aspekte und Wünsche sind in die sehr umfangreiche Diskussion der Gemeindevertretung eingeflossen. Hinter dem Ergebnis steht nicht nur die Politik, sondern vor allem eine überwältigende Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger. Es lohnt sich, die Unterschriftenlisten kritisch anzusehen: Die Leute wurden leider mit mehreren Falschbehauptungen verunsichert. Das empfinde ich als unredlich. Abgesehen davon wohnen viele Unterzeichner gar nicht in Kronshagen, haben ihren Wohnort verschwiegen oder doppelt unterschrieben.

"Viele Bürgerinnen und Bürger haben unsere Beteiligungsangebote genutzt und sich konstruktiv engagiert."

Die Interessengemeinschaft fordert Nachbesserungen. Was können und was werden Verwaltung und Politik tun, um auf diese Forderung einzugehen?

Diese Interessengemeinschaft um Michael Becker wurde vor zwei Monaten gegründet, zwei Jahre nach der Ortskern-Entscheidung. Während der politischen Debatte war Herr Becker zeitweise präsent, äußerte dort bereits seine Kritik, die er nun wiederholt. Die Gemeindevertretung hat nach umfangreicher Beratung mit Blick auf den gesamten Ortskern eine klare Entscheidung getroffen. Viele Bürgerinnen und Bürger haben unsere Beteiligungsangebote genutzt und sich konstruktiv engagiert. Dass die Resultate Einzelne nicht überzeugen, akzeptieren wir. Die Art und Weise des Protests jedoch befremdet mich. Sie diskreditiert die Akteure, die sich seit Jahren intensiv für Verbesserungen einsetzen. Das gilt für die Bürgerinnen und Bürger, die Architekten und Stadtplaner, für meine Verwaltung, insbesondere aber auch für die Mitglieder der Gemeindevertretung, die sich in den unzähligen Sitzungen und Veranstaltungen ehrenamtlich eingesetzt haben. Sie alle werden sich durch verzerrte Fakten nicht beirren lassen.

Wie sieht der Zeitplan für die Gestaltung der Südseite aus, und wie ist der aktuelle Stand der Planungen für die Nordseite?

Nach der Fertigstellung des provisorischen Marktplatzes wird mit den Marktbeschickern der für September geplante Umzug neben das Rathaus vorbereitet. Die Bauarbeiten auf der Südseite werden bis zu einem Jahr dauern. Den Verkauf des Grundstücks auf der Nordseite werden wir in Kürze ausschreiben. Aktuell interessieren sich knapp 20 Investoren für eine Bebauung. Die Gemeinde wird in einer Konzeptvergabe darüber entscheiden, an wen dieses Grundstück veräußert wird. Die Gemeinde wird hier viel Einfluss nehmen. Baubeginn wird voraussichtlich 2021 sein.

Interview: Florian Sötje

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Bürgermeister Ingo Sander (CDU) nimmt im Interview Stellung zu den Kritikpunkten am neuen Kronshagener Ortskern auf der Südseite. Dort wird sich Einiges verändern.
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Hans-Jürgen Jensen 18.07.2019
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