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Rendsburg „Alte Liebe“ macht auf der Wiese fest
Lokales Rendsburg „Alte Liebe“ macht auf der Wiese fest
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18:02 10.08.2016
Von Uwe Rutzen
Gehen mit der „Alten Liebe“ auf einer Bokeler Wiese auf große Fahrt (hinten von links): Achmed Alsadoon, Bärbel Finn, Reingart Winkler, Uli Dücker, Thomas Jaspert mit (vorn von links) Lia Winkler und Anna-Lena Garbe. Quelle: Beate König

Eckernförde. Alte Liebe, so heißt es sprichwörtlich, rostet nicht. Zumeist liegt in diesen wenigen Worten allerdings mehr Hoffnung als Wahrheit. Was die Boyer-Jacht „Alte Liebe“ betrifft, stimmt das mit dem Nicht-Rosten jedenfalls nicht. Das Plattbodenschiff, das viele Jahre lang seinen Heimathafen in Eckernförde hatte und von hier aus mit Schülergruppen auf die Ostsee hinaus schipperte, hat sein ihm zugedachtes Element für immer verlassen. Statt Wasser hat es seit wenigen Tagen Holzbohlen und Gras unter seinem Kiel. In Bokel bei Nortorf soll der stählerne Traditionssegler als temporäres Kunstprojekt Verwendung finden.

 Ein kurzer Blick zurück: Entstanden ist das Schiff von 1949 bis 1952 auf der Hamburger Werft Lütgens & Reimers. Den Auftrag dazu hatte Karlheinz Gerhard Neumann gegeben. Der Privatdozent erfand nach dem Zweiten Weltkrieg das Gefriertrocknungsverfahren für Kaffee, veräußerte sein Patent anschließend an das Schweizer Unternehmen Nestlé und erfüllte sich mit dem Erlös aus dem Verkauf einen Traum: Er ließ sich nach eigenen Entwürfen die „Alte Liebe“ bauen. Damit besegelte er die Nord- und Ostseeländer, bis sein Gesundheitszustand es ihm nicht mehr erlaubte, allein mit seinem Hund auf dem Schiff zu leben. Neumann vermachte die „Alte Liebe“ dem Verein „Freunde der Erziehungskunst Rudolf-Steiners-Waldorfpädagogik“, damit dieser es „zum Zwecke der charakterlichen Erziehung und Schulung junger Menschen“ einsetzen möge. 1986 wurde der Gaffelkutter nach Eckernförde überführt. Seither war der „Verein Segelschulschiff Alte Liebe Eckernförde“ der Eigner.

 Und das wäre er wohl auch geblieben, wenn nicht während eines Törns im vergangenen Jahr ein Wassereinbruch festgestellt worden wäre. Da sich eine Reparatur nicht lohnte, erklärte sich Thomas Jaspert aus Bokel bei Nortorf nach anfänglichem Zögern schließlich bereit, das Schiff zu übernehmen und es einer gänzlich anderen Verwendung zuzuführen.

 „Wir möchten es später mal multifunktional nutzen“, sagt der 52-jährige Künstler, der zunächst einmal froh ist, die „Alte Liebe“ mit Hilfe eines großen Krans und eines Tiefladers von Eckernförde ins beschauliche Bokel befördert zu haben. Dort steht sie vorerst auf der grünen Wiese und zieht die Blicke vorbeifahrender Autofahrer auf sich. In den kommenden Wochen soll sie mit vereinten Kräften der Bokeler ein Stück weiter entfernt seine neue, endgültige Heimat finden. Die 640 Einwohner wären, wie Jaspert voller Stolz sagt, eine spannende Gemeinschaft. In Bokel bilden nämlich eine Reihe von Kulturschaffenden aus der alternativen Szene in trauter Eintracht mit Landwirten eine vorbildliche Einheit.

 Jaspert, der für seine Kunstobjekte im öffentlichen Raum bekannt ist, fürchtet sich nicht vor der Arbeit, die er sich mit der Übernahme der „Alten Liebe“ aufgebürdet hat. „Ich sehe das als eine tolle Fläche für ein Gemeinschaftsprojekt“, sagt er. Zusammen mit Ulrich Dücker, Bärbel Finn und Reingart Winkler möchte er in den kommenden Jahren im Schiff einen multifunktionalen Raum für Konzerte, Lesungen oder andere kulturelle Veranstaltungen schaffen. Außerdem, so meint er, könnte es für Jugend-, aber ebenso für die Seniorenarbeit im Dorf ein Treffpunkt werden.

 Sofern die nötigen Voraussetzungen geschaffen sind, soll sich das 16 Meter lange und vier Meter breite Schiff zunächst einmal mit seiner eigenen Geschichte selbst ausstellen. Geplant ist nach entsprechender Vorarbeit eine Dokumentation über die ungewöhnliche Geschichte des Schiffes und über den Segelsport im Bereich der Waldorfpädagogik.

Die Spannung steigt bei Frank Dose. In wenigen Tagen will er sein rund 1,2 Tonnen schweres Riesen-Fahrrad aus dem Schuppen rollen, aufsteigen und in Schacht-Audorf über die Dorfstraße fahren. Ob die Jungfernfahrt klappen wird? „Ja“, sagt der 49-Jährige, er hat keine Zweifel.

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