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Rendsburg Der Urwald von Loki Schmidt
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17:27 06.08.2019
Von Beate König
Auf der 7,5 Hektar großen Ackerfläche, die Loki Schmidt ankaufte, hat sich ein Wald entwickelt, der auch als Naherholungsgebiet dient. Auch Ursula Hiedl, einst Nachbarin der Schmidts, nutzt ihn für Spaziergänge. Quelle: Beate König
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Langwedel

„Ihre Loki Schmidt“ - der Gruß unter den Informationen auf einem Schild überrascht viele Spaziergänger, die das Naherholungsgebiet am Ende des Wegs „Am Sportplatz“ in Langwedel das erste Mal betreten. Loki Schmidt, Ehefrau des Altkanzlers Helmut Schmidt, starb 2010. Ihr Gruß aus der Vergangenheit zeigt die ungewöhnliche Zeitdimension, die Loki und Helmut Schmidt beim Start des Biotops hinter dem Schild im Sinn hatten: Es ist seit Beginn 1986 als Experiment mit unendlicher Laufzeit ausgelegt. Das Vermächtnis an nachfolgende Generationen betreut seit 2016 die Loki-Schmidt-Stiftung. Eine wesentliche Aufgabe der Stiftung ist zudem seit 1980 die Wahl zur Blume des Jahres, mit der auf gefährdete Pflanzen und ihre Lebensräume aufmerksam gemacht wird.

Langzeitstudie auf brach liegendem Roggenacker der Loki-Schmidt-Stiftung

Die Stiftung bekam die anfangs 6,5 Hektar umfassende, später durch einen Ergänzungskauf von Helmut Schmidt auf 7,5 Hektar vergrößerte Fläche geschenkt: Das war 2016 von der Erbin Susanne Schmidt. 1986 hatten Loki und Helmut Schmidt neben ihrem Ferienhaus am Brahmsee auf einem damals seit zehn Jahren brach liegenden Roggenacker eine spektakuläre Langzeitstudie gestartet. Ohne Eingriff von Menschen soll sich seitdem auf einem Stück holsteinischer Moränenlandschaft die Natur frei entwickeln.

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Uni Kiel begleitete Biotopentwicklung wissenschaftlich

Axel Jahn, Geschäftsführer der Loki-Schmidt-Stiftung und Biologe, ordnet die Idee aus heutiger Sicht ein: „Das war damals ein neuer Gedanke, revolutionär!“ Loki und Helmut Schmidt mussten bei der Unteren Naturschutzbehörde die Entwidmung der landwirtschaftlich genutzten Fläche extra beantragen. „Naturschutz hatte einen geringeren Stellenwert als heute.“ Die Aufgabe, den Wandlungsprozess der Fläche wissenschaftlich zu begleiten, übernahm eine Zeit lang die Christian-Albrechts-Universität in Kiel. Nur eine wissenschaftliche Arbeit über das Langzeitprojekt entstand. „Wir suchen einen Biologen, der den jetzigen Bestand kartiert“, ruft Axel Jahn jetzt Studierende auf.

Karge Kuppen und sumpfige Senke am Brahmsee

In den ersten Jahren hielt Loki Schmidt als versierte Hobby-Biologin ihre Beobachtungen auf den damals karg bewachsenen Kuppen und einer sumpfigen Senke fest. Sie gab das Dokument an ihre Nachbarin Ursula Hiedl weiter. „Ich hatte 1998 auf dem Grundstück neben den Schmidts gebaut“, erzählt die Langwedelerin, die nach wie vor vom Biotop fasziniert ist. Für sie hatte die Naturfläche Vorteile: „Ich wusste, es würde dort ruhig bleiben.“ Der öffentliche Waldpfad, den die Gemeinde Langwedel pflegt, ist ein Spazierweg vor der Tür. Das Ehepaar Schmidt und Helmut Schmidts spätere Partnerin Ruth Loah, die ebenfalls am Brahmsee gebaut hatte, hat Ursula Hiedl in angenehmer Erinnerung. „Wir wurden manchmal auf einen Tee oder zu Silvester eingeladen.“

Heute wachsen Buche, Ahorn und Eiche

Von den ehemals fast kahlen Kuppen der Endmoränen, auf denen Loki Schmidt Trockenrasen, Pappeln, Birken und spät blühende Traubenkirsche verzeichnete, wird ein Wissenschaftler heute nur noch wenig finden. Inzwischen wiegen Buchen, Ahorn und Eichen ihre Kronen im Wind. Gebüsche eines vorhandenen Knicks sind zu vielstämmigen Bäumen geworden. Totholzstämme bieten Insekten Lebensraum.

Die Stiftung bietet auf Anfrage Gruppen-Exkursionen in LokisUrwald“ an.

Der verstorbene Altkanzler Helmut Schmidt und seine Ehefrau Loki hatten ein Ferienhaus am Brahmsee in Langwedel. Dort schob Loki Schmidt 1986 eine botanische Langzeitstudie an:  Brachland wurde der Natur überlassen. Heute dient die 7,5 Hektar große Fläche auch als Naherholungsgebiet.
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