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Rendsburg Kaltes Bier im warmen Stall
Lokales Rendsburg Kaltes Bier im warmen Stall
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07:00 12.09.2018
Von Torsten Müller
Frauenpower im Landgasthof Griesenbötel (von links): Lena (22), Anke (72) und Heide (45) Schnack setzen die 250-jährige Geschichte fort. Auch Lotta Dorothea (4) ist gern dabei. Quelle: Torsten Müller
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Anke Schnack ist selbst eine Institution. Die 72-jährige Gastronomin denkt nicht ans Aufhören: „Der Griesenbötel ist mein Lebenselixier. Ich mache weiter, solange ich kann.“ Seit nunmehr 42 Jahren steht sie am Zapfhahn und bedient die Gäste.

Kühe geben nur im warmen Stall Milch

Einheizen und bullige Wärme sind im Griesenbötel (plattdeutsch für „grauer Hammel“) seit Jahrhunderten Prinzip. „Nur in einem warmen Stall geben Kühe Milch“, erinnert sich Heide Schnack (45) an einen Ausspruch ihres Vaters Jürgen Schnack, der vor fünf Jahren starb. Ihre Familie erwarb die Schankerlaubnis zum 1. Mai 1900. Damals hatte der Altvordere Christian Schnack, der Meierist auf Marutendorf war, den Griesenbötel von Gutsherr Mogens von Plessen gepachtet. Landwirtschaft war die zweite Einnahmequelle. Zur Hofstelle gehörten neun Hektar Land.

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Vor 250 Jahren eröffnete die Gastronomie im Griesenbötel

Haus und Gastronomie entstanden weit vor 1900. Das Fachwerk ist noch mit Weidengeflecht und Lehm gefüllt. Arno Beyer vom Arbeitskreis Dorfchronik datiert das Fachwerkhaus auf 1720; möglicherweise ist es aber noch älter. In einer alten Anzeige fand Beyer zudem den Hinweis auf 1768 als Datum für die Eröffnung der Gaststätte. Im Griesenbötel wurden aber nicht nur Getränke ausgeschenkt (Köm für 15, ein Seidel Bier für 28 Pfennige), sondern auch Pferde ausgespannt und gewechselt. Wo heutzutage ab und zu die Gemeindevertretung tagt, befand sich früher der Pferdestall.

Seit 2016 Anti-Atommüll-Hauptquartier

Auf alten Bildern kann man erkennen, dass vor dem Haus bis 1935 vier alte Linden standen. „Eine wurde regelrecht tot gepinkelt“, weiß Anke Schnack. Wenn die Bauern zu viel gezecht hatten, schafften sie den Weg bis zum Toilettenhaus nicht mehr. 1956 kauften ihre Schwiegereltern den Griesenbötel. Damals gehörte auch noch die Kegelbahn im Nachbargebäude dazu. 1982 übernahmen Jürgen und Anke Schnack die Gastronomie. Seit 2016 ist das Traditionslokal auch „Anti-Atommüll-Hauptquartier“. Heide Schnack stellt klar: „Das bleibt da hängen, bis wir es Schwarz auf Weiß haben, dass hier kein Atommüll herkommt.“

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