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Rendsburg Sinkende Zuschüsse für Freizeitclubs
Lokales Rendsburg Sinkende Zuschüsse für Freizeitclubs
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18:15 17.08.2019
Von Sven Tietgen
Werner Schmidt (links) und Lars Hübner wollen jetzt zur Finanzierung der Disko und anderer Freizeitangebote Spendenaktionen für die Lebenshilfe starten. Quelle: Sven Tietgen
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Bordesholm

Ende 2018 stand die Lebenshilfe Bordesholm/Nortorf kurz vor der Auflösung. Der Kreis Rendsburg-Eckernförde hatte in den beiden vergangenen Jahren keine Zuschüsse gezahlt, der 1967 gegründete Verein lebte vor allem von Rücklagen. Lars Hübner, der in der jüngsten Mitgliederversammlung des Vereins zum neuen Vorsitzenden gewählt wurde, und sein ebenfalls neu gewählter Stellvertreter Werner Schmidt machen ein seit Jahren schwelenden Rechtsstreit um finanzielle Ansprüche von Behinderten dafür verantwortlich, dass Zahlungen ausgesetzt wurden. „Das finden wir eine schlimme Begründung“, sagte Hübner. Der zuständige Fachbereichsleiter in Rendsburg, Jonathan Fahlbusch, wies den Vorwurf zurück: „Der Zahlungsstopp geht auf einen einhelligen Beschluss des Kreistags zurück.“

25000 Euro zahlt die Lebenshilfe jährlich für Fachpersonal

Anfang 2019 folgte dann eine einmalige Zahlung des Kreises über 20000 Euro. Jetzt wird das Geld der Lebenshilfe wieder knapp, rund 25000 Euro jährlich wendet der Verein für die Begleitung der Freizeitangebote durch Fachpersonal auf. Früher gab der Kreis jährliche Pauschalzahlungen, seit März müssen die drei Lebenshilfe-Vereine Bordesholm/Nortorf, Rendsburg und Eckernförde im Rahmen eines Vertrages mit dem Kreis Anträge stellen und Nachweise erbringen. Grundsätzlich sei das in Ordnung, sagen Hübner und Schmidt. „Der Aufwand ist aber enorm, jetzt müssen Behinderte und ihre Angehörigen ihre Bedürftigkeit nachweisen und teilweise vor Ort in Rendsburg deutlich machen, dass sie regelmäßig unsere Freizeitangebote nutzen wollen“, erklärte der Vereinsvorsitzende.

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Zuschussanträge von Betroffenen abgelehnt

Aktuell nehmen 25 Menschen mit einer geistigen Behinderung an den jährlich 250 Veranstaltungen der Lebenshilfe teil – von Diskoabenden über Sportaktivitäten, Kochen, Kino und Spielnachmittage bis hin zu mehrtägigen Freizeiten. Viele Aktivitäten werden in den Vereinsräumen im Bürgerhaus auf die Beine gestellt. „Würden alle Teilnehmer bezuschusst, könnten wir alle Angebote problemlos finanzieren“, erklärte Werner Schmidt. Für die betroffenen Familien sei aber eine Offenlegung ihrer Verhältnisse nur schwer vermittelbar, es gehe doch nur um einen Freizeitclub, hören die Lebenshilfe-Macher oft. Zudem werden Zuschussanträge von Bewohnern stationärer Einrichtungen wie dem Eiderheim Flintbek abgelehnt – mit der Begründung, dass die Einrichtungen ja selbst Freizeitangebote machen. „Dabei können die Einrichtungen mangels Personal gar keine Angebote machen“, sagte Lars Hübner.

Verein Lebenshilfe sucht Förderer

Der Fachbereichsleiter machte dagegen deutlich, dass auch die Heime Geld für ihre Freizeitangebote bekommen. „Wir können nicht doppelt fördern.“ Fahlbusch räumte aber ein, dass die Vereine mit den neuen Regelungen vor Problemen stehen können: „Es ist eine Umbruchsituation, und wir haben Verständnis für die Ehrenamtlichen, aber auch Vereine müssen im 21. Jahrhundert ankommen.“ Gleichwohl will der neue Lebenshilfe-Vorstand weiter das Gespräch mit Politik und Verwaltung such. Gleichzeitig will der Verein weitere Förderer aus der Wirtschaft ansprechen, möglich wäre zum Beispiel Flächen für Firmenlogos auf den beiden Spezialbussen der Lebenshilfe. Zudem wird ein Benefizkonzert am 29. November im Bürgerhaus am Wildhof mit der Gruppe Unkenruf organisiert.

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