Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Rendsburg Lehrerin rettet Schülerin das Leben
Lokales Rendsburg Lehrerin rettet Schülerin das Leben
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:00 28.08.2019
Von Florian Sötje
Prof. Dr. Jan-Thorsten Gräsner, Direktor des Instituts für Rettungs- und Notfallmediziner am UKSH, freut sich über das beherzte Handeln von Lehrerin Martina Keil. Quelle: Florian Sötje
Kronshagen

Keil unterrichtet Geschichte und Deutsch am Gymnasium Kronshagen. Um 10.20 Uhr sitzen die Schüler ihrer siebten Klasse während einer kleinen Pause zwischen der dritten und vierten Stunde im Klassenraum, ein normaler Schultag. Doch dann gerät die Aufmerksamkeit der Lehrerin auf eine Schülerin, die genau vor ihr in der ersten Reihe sitzt. "Sie wurde unruhig, wedelte mit den Armen und lief rot an", beschreibt Keil die Situation.

Lehrerin in Kronshagen ahnte, dass sie nicht auf Hilfe warten konnte

Sie sei aufgestanden, um die Zwölfjährige zu fragen, was los sei und habe bemerkt, dass ihr etwas im Hals steckte. "Ich habe zu den anderen Schülern gesagt, dass sie Hilfe holen sollen und der Schülerin zunächst auf den Rücken geklopft", sagt Keil. Doch sie ahnt, dass die Hilfe zu spät kommen könnte.

"Ich habe dann die Schülerin mit meinen Armen umschlungen und zugedrückt", sagt Keil. Daraufhin habe die Schülerin ein großes Stück Gurke ausgespuckt, erzählt Keil, die der Zwölfjährigen mit ihrem Handeln wahrscheinlich das Leben gerettet hat.

Schüler fragten, was sie ohne Lehrerin hätten tun sollen

Ihr sei zwar der angewendete Heimlich-Griff in den Sinn gekommen, gleichzeitig habe sie aber einfach gehandelt, ohne groß nachzudenken. Nachdem sie die Schülerin ins Krankenzimmer der Schule gebracht hatte, blieb erst Zeit um ein wenig durchzuschnaufen.

"Mir war es gar nicht bewusst, wie dramatisch die Situation war. Ich habe dann weiter unterrichtet", sagt Keil. Die Verarbeitung kam erst später. Auch in der Klasse sprach sie die Notfallsituation nochmal an. "Die Schüler fragten dann, was sie hätten tun sollen, wenn ich nicht im Raum gewesen wäre", erzählt Keil.

UKSH-Mediziner Gräsner möchte jährliche Schulungen für Schüler ab siebter Klasse

Eine Frage für den Experten: Prof. Dr. Jan-Thorsten Gräsner ist Direktor des Instituts für Rettungs- und Notfallmedizin am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH). „Es gibt Leitlinien für einen solchen Notfall, die sich direkt auf das Verhalten von Frau Keil übertragen lassen. So eine Reaktion wünscht man sich“, lobt Gräsner das Verhalten der Lehrerin.

Über das Projekt „Schüler retten Leben“ versuche das UKSH mit Hilfsorganisationen das Thema Reanimation und das richtige Handeln im Notfall zu vermitteln. Bisher habe es an zwölf Projektschulen im Land entsprechende Schulungen für Schüler gegeben. „Das reicht aus unserer Sicht aber nicht“, sagt Gräsner. Er verfolgt das Ziel, in allen Schulen ab der siebten Klasse jedes Jahr eine Schulung von zwei Unterrichtsstunden zum Normalfall zu machen.

Andere Bundesländer haben Idee bereits im Lehrplan verankert

Man sei seit längerer Zeit mit dem Bildungsministerium in Kontakt. Dass die Umsetzung der Idee im Lehrplan „kein Hexenwerk“ sei, sehe man an anderen Bundesländern wie Bayern. Lehrer müssen in Schleswig-Holstein verpflichtend alle drei Jahre einen Erste-Hilfe-Kurs an den Schulen absolvieren.

Aktion Leben retten!

Damit mehr Menschen Leben retten können und sich trauen zu helfen, haben der Verein KN hilft e.V. und das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) vor mehr als zwei Jahren die Aktion „Leben retten!“ gestartet. Sie bietet kostenlose Rettungskurse für Bürger an. Die Kurse werden aus Spenden finanziert, die Leitung der Kurse übernimmt Fachpersonal des UKSH.

Jede Spende hilft, jeder Bürger kann teilnehmen. Wer einen Raum anbieten möchte oder Fragen zur Aktion hat, kann eine E-Mail an Leben-retten@kieler-nachrichten.de schicken. Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.kn-hilft.de

Neben den richtigen Handgriffen gehe es bei den Schulungen darum, potenziellen Ersthelfern die Angst vor dem Handeln zu nehmen, sagt Gräsner. „Die Menschen haben teilweise Angst, etwas falsch zu machen. Und sie vertrauen auf den guten Rettungsdienst in Deutschland“, sagt der Experte.

"Zum Glück der seltene Notfall"

Zwar sei dieser auch in Kronshagen innerhalb von fünf bis sechs Minuten vor Ort am Gymnasium eingetroffen. „Doch bei der Verengung der Atemwege und beim Herzstillstand besteht höchste Lebensgefahr. Da ist der Ersthelfer gefragt“, sagt Gräsner.

Für Martina Keil, die seit zwölf Jahren am Gymnasium Kronshagen unterrichtet, war es die erste Situation dieser Art. „Es bleibt zum Glück der seltene Notfall“, sagt Gräsner. Umso besser, wenn man für diesen gewappnet ist.

Immer informiert: Lesen Sie alle Nachrichten aus Rendsburg.

Der Lidl-Markt in Molfsee plant eine Erweiterung, daher wurde im Bau- und Planungsausschuss der Gemeinde am Montagabend über die gewünschte Vergrößerung diskutiert. Mit vier Ja- und drei Nein-Stimmen wurde der Aufstellungsbeschluss gefasst. Die endgültige Entscheidung trifft die Gemeindevertretung.

Sorka Eixmann 27.08.2019

Seit vier Jahren plant die Gemeinde Wattenbek eine Wohnbebauung auf landwirtschaftlichen Flächen zwischen der Schulstraße und Landesstraße 49. Der Bauausschuss machte nun Nägel mit Köpfen und beschloss den Aufstellungsbeschluss – die ersten Häuser werden voraussichtlich im Sommer 2021 gebaut.

Frank Scheer 27.08.2019

Wegen erheblicher Verkehrsgefahren für Kinder will eine Bürgerinitiative ein Bürgerbegehren gegen den Bebauungsplan 27 in Molfsee starten, wenn die geplante Tiefgaragenzufahrt nicht vom Eiderwiesenweg zur Hamburger Chaussee verlegt wird. Darüber will der Bauausschuss am Montag entscheiden.

Sven Janssen 27.08.2019