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Rendsburg Anwohner stärkten Landwirten den Rücken
Lokales Rendsburg Anwohner stärkten Landwirten den Rücken
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21:24 07.12.2019
Von Beate König
Das Mahnfeuer auf dem abgeernteten Maisfeld beim Sportfeld wurde mit Tannenbäumen, die am Warder See wegen Umsturzgefahr gefällt worden waren, entzündet. Quelle: Beate König
Warder

Timm Rohwer, Vorsitzender des Bezirksbauernverbandes, hatte das Mahnfeuer für Landwirte aus Warder und Langwedel organisiert. „Wir wollen mit Verbrauchern ins Gespräch über die Zukunft der Landwirtschaft kommen“, erklärte der Landwirt sein Engagement, das der Aufruf der bundesweiten verbandsübergreifenden Initiative „Land schafft Verbindung“ ausgelöst hatte. Die Initiative hatte bereits zu einer bundesweiten Traktordemonstration in Berlin aufgerufen.

Freiwillige Aktionen zum Umweltschutz

Timm Rohwer hatte über eine Whatsgruppe 59 Berufskollegen aus der Region zu eigenständigen Aktionen befragt, für die sie keine Fördermittel erhalten: Um CO2-Anteil zu senken, wurde Humusaufbau im Ackerland und Moorschutz betrieben, Knicks und Wälder gepflegt, der Methanausstoß durch moderne Produktionsmethoden und Güllevergärung gesenkt.

Allein in Warder und Langwedel bewirtschaften Landwirte 200 Hektar Naturschutzflächen mit Mutterkuhhaltung. In den Gemeinden Krogaspe, Bargstedt, Langwedel und Warder wurden 15 Hektar Blühstreifen 2019 gesät. In Langwedel wurde ein 4,5 Hektar große Obststreuwiese angelegt.

Es gibt Outdoor-Schweinehaltung, Hühnerhaltung im Freiland und modernste Stallanlagen. Zwischenfrüchte werden genutzt, Brachen wurden angelegt, die Zahl der Fruchtfolgeglieder wurde erhöht. „Das ist nicht alles“, erklärte Timm Rohwer. Er hat nicht alle Betriebe erreicht.

Mitreden, bevor die Politik entscheidet

„Wir wollen aktiv gestalten, wir wollen unsere Zukunft in die Hand nehmen“, erklärte Timm Rohwer am Feuer den Plan der Landwirte. Sie wollen mitreden, bevor die Politik entscheidet. Düngeverordnung, Tierschutz, Grundwasserschutz und Insektensterben wollen die Landwirte gemeinsam mit der Politik angehen.

Timm Rohwer will die Grundsatzfrage Agrarsubvention angehen. „Es ist ein krankes System. Wir haben über den Absatz auf dem Markt nicht die Chance, Gewinne zu erzielen. Wir sind abhängig von Agrarzahlungen.“

Für den Staat sei das Anbieten günstiger Lebensmittel zentral, er steuere die Landwirte über die Subvention. Timm Rohwer will zurück zu einem Markt, in dem Landwirte selbstständig die Preise ihrer Produkte bestimmen. Er schränkte ein: „Das sehen nicht alle Berufskollegen so.“

Timm Rohwer stellte den Gästen eine Berechnung vor: „Wenn jeder erwerbstätige Deutsche nur ein Prozent mehr seines Einkommens für Lebensmittel ausgeben würde, würde das reichen, um die Agrarsubvention überflüssig zu machen.

Ein Prozent mehr ist machbar

Anwohnerin Frauke Wittershausen ließ sich auf das Rechenbeispiel, mit dem die Agrarsubvention entfallen könnte, ein: „Ein Prozent mehr ist machbar.“ Sie sei zum Mahnfeuer gekommen, um ihre Wertschätzung und Anerkennung für Landwirte zu zeigen, erklärte die Frau aus Warder. „Ich habe hohe Achtung vor den Landwirten. Sie erhalten die Knicklandschaft.“

Frauke Wittershausen würde sofort Kundin bei Direktvermarktern. „Ich kaufe schon jetzt Produkte aus der Region. Das ist sehr wichtig.“

In der Wirtschaft kalkuliert man seine Preise selbst

Anwohner Wulf Sanmann stärkte den Landwirten im Dorf den Rücken. Er erkenne ihre schwierige Lage. „Die Landwirte haben in den vergangenen Jahren versäumt, sich selbst zu vermarkten“, meinte der 78-Jährige. „Sie haben sich die Preise vom Handel vorschreiben lassen. Das ist in der Wirtschaft nicht üblich, da kalkuliert man seine Preise selbst,“ sagte der ehemalige Wäschereibesitzer. Aus seiner Sicht hätten Landwirte versäumt, Gewinnaufschlag und Investitionsaufschlag für ihre Produkte zu berechnen. „Das Subventionssystem ist ein europaweites Problem, das kann man nicht leicht zurückdrehen.“

Landmaschinenhändler Andreas Elsner war von der Tatkraft der Landwirte beeindruckt. „Was die in vier Tagen auf die Beine gestellt haben, ist super.“ Ein Landwirt stellte seinen abgeernteten Maisacker für das Feuer zur Verfügung, zwei Landwirte Tannenholz von Bäumen, die wegen Umsturzgefahr am Seeufer gefällt worden waren. Ein Spediteur setzte als Verkaufsstand für Knackwurst und Punsch kostenlos einen Container an den Feldrand. Die Freiwillige Feuerwehr wachte über die Flammen.

Ein üppiges Kulturprogramm ergänzte den traditionellen Tannenbaumverkauf beim Lions Club Rendsburg im Hohen Arsenal. Hunderte Nordmanntannen standen zum Verkauf parat, dazu Glühwein, Honig, Christrosen, Maronensuppe und Gemälde. Im Foyer vor der Stadtbücherei erklang Musik.

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