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Rendsburg Mit 884 PS über den Maisacker
Lokales Rendsburg Mit 884 PS über den Maisacker
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12:25 28.10.2019
Von Michael Görmann
„Ackert“ seit 20 Jahren auf den Feldern im Landkreis: Eckhard Südermeier (50) fährt den Claas Jaguar 980. Quelle: Michael Görmann
Rendswühren/Rendsburg

Wann immer es irgendwo aufklart und abtrocknet, sind die Maschinen im Einsatz. Bei Tag und Nacht. Eckhard Südmeier (50) ist ein bodenständiger Typ. Er fährt einen Jaguar mit V12-Motor, die Königsklasse auf dem Acker. „Claas Jaguar 980“ heißt seine imposante Maschine. 884 PS, zwölfreihiges Maisgebiss, neun Meter Schnittbreite, 1500 Liter Diesel im Tank, fast rund um die Uhr im Einsatz. Das hellgrüne Monstrum fährt mit sechs Stundenkilometern (km/h) über den Acker und kann 350 Tonnen Mais pro Stunde fressen – erstaunlich schnell und viel.

Mit 884 PS im Häcksler über den Maisacker

Wie groß die Schnipsel werden, kann Südmeier im Computersystem des Häckslers einstellen: von Streichholzkopfgröße bis fingerlang und faserig, damit die Kühe und Schweine was zu beißen haben. „Silage für Biogasanlagen muss feiner sein als Futtersilage“, sagt Südmeier.

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Heute ist Mais für die Gasanlage dran. Die beiden Walzen des „Corncrackers“, die mit unterschiedlicher Drehzahl rotieren und alles zermalmen, lassen kein einziges Maiskorn heil. Die komplette Pflanze wird in maximal sechs Millimeter lange Teile zerhackt, die perfekt vergoren werden können. Und damit es noch leichter geht, beweist der monströse Jaguar, dass er auch ganz feinfühlig sein kann. Pro Tonne gibt er vollautomatisch 20 Milliliter Siliermittel hinzu, das Fehlgärungen und Nachwärmung verhindert. Ein Zehntel Schnapsglas also pro Sekunde. Erst dann schleudert der Wurfbeschleuniger das Erntegut auf den parallel fahrenden Ladewagen.

Maisernte im Kreis Rendsburg-Eckernförde auf Hochtouren

Der ist im Nu voll und muss alle paar Hundert Meter ausgewechselt werden. Die Arbeiten laufen wie am Schnürchen, das Team des Lohnunternehmers Blunk aus Rendswühren ist eingespielt, die Zeit drängt. Rund 60 Prozent der Maisfelder in Schleswig-Holstein stehen noch. Jetzt wird es höchste Zeit mit der Ernte. „Auf dem Mittelrücken und den leichteren Standorten ist bereits mehr geerntet, als im östlichen Hügelland“, sagt Rixa Kleinschmit, Geschäftsführerin des Kreisbauernverbands Rendsburg-Eckernförde. „Auf nassen Standorten ist die Befahrbarkeit teilweise ein Problem.“

Vor Ort hört sich das etwas deftiger an. „Bei Mais ist immer Ausnahmezustand. Da geht der Turbo an“, sagt Blunk-Einsatzleiter Reinhard Hopp (49). Zusammen mit Tanja Senkbeil (24) führt er allein in Schleswig-Holstein elf Häcksel-Kolonnen mit 120 Mitarbeitern. Sie sind per Funk und Tablet-Computer ständig über alles informiert.

Lesen Sie hier, was die landwirtschaftliche Ausbildung bei Blunk ausmacht

Blunk ist Deutschlands größter landwirtschaftlicher Dienstleister. Im Kreis Rendsburg-Eckernförde bewirtschaften die 240 Mitarbeiter rund 1500 Hektar allein an Maisfeldern für 130 Kunden, bundesweit rund 15.500 Hektar.

Silomais hat in Schleswig-Holstein in den letzten Jahrzehnten an Bedeutung gewonnen. Die Anbaufläche lag 2018 bei 179400 Hektar, etwa 180-mal soviel wie noch 1960. Das hat das Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Natur und Digitalisierung (Melund) errechnet. Die ursprünglich aus Südamerika stammende Maispflanze wird durch züchterischen Fortschritt auch in nördlichen Breiten immer konkurrenzfähiger. Sie braucht vergleichsweise wenig Pflanzengifte und schluckt extrem viel Kohlendioxid.

Während der Mais-Ernte gibt es einen 24-Stunden-Notruf

Der Mais hat damit die Runkelrübe als Standardfuttermittel abgelöst. „Rüben waren mit viel Familienarbeit, auch Kinderarbeit, verbunden“, sagt Joschka Touré vom Melund. „Vereinzeln“ und „Rübenhacken“ kennen nur die Älteren noch aus ihrer Jugend. So etwas ist heute passé. „Mais ist viel besser mechanisierbar“, sagt Touré.

Und wenn die Mechanik einmal hakt, sind Eckhard Südmeier und seine Kollegen vorbereitet. An einem unsauber geschnittenen Knick macht sich ein Führungsbügel am Maisgebiss vom Acker. Es dauert nur Minuten, bis das Teil abgeholt und in der Werkstatt geradegebogen wird. Der Blunk-Notruf ist 24 Stunden besetzt. Denn geerntet wird rund um die Uhr.

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