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Rendsburg Mit Youtube-Videos auf das Vogelleben vorbereitet
Lokales Rendsburg Mit Youtube-Videos auf das Vogelleben vorbereitet
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16:10 06.08.2015
Von Torsten Müller
Täglich kommt Buchfink Berti zu seinem Käfig zurück, in dem er sich an das Außenleben gewöhnte. Quelle: Torsten Müller
Westensee

Natascha Gaedecke fühlt sich beschenkt. „Diese enge Beziehung berührte mich tief und ermöglichte ganz neue Einsichten“, sagt die Ornithologin.

 Doch der Reihe nach: Ein Bekannter fand den kleinen Vogel Ende Juni in der Nähe des Schierensees leblos am Boden liegend. „Er muss aus dem Nest gefallen sein“, vermutet Gaedecke. Der Bekannte brachte das noch atmende Tier in der warmen Hand zu ihr. Sie hatte schon mehrmals Vögel aufgezogen. Rasch wurde ein Blumentopf zum Nest umfunktioniert, und „Berti“ per Pinzette mit Heimchen sowie Körnern gefüttert. „Jungvögel brauchen tierische Nahrung“, sagt sie.

 Es begannen drei harte Wochen: Das Finken-Baby musste stündlich gefüttert werden – von 5 bis 22 Uhr. Das gelang nur, weil auch andere halfen. Mit großer Geduld unterstützte die Ziehmutter das Fliegenlernen. Sie sammelte Brennnessel, Ampfer und Beifuß, damit Berti lernte, die Samen eigenständig mit dem Schnabel abzuziehen. Lange dauerte es, bis das kleine Lebewesen zum ersten Bad bereit war. Dieser Schritt ist elementar, weil Vögel sich danach erstmals mit Drüsenfett einwachsen. „Ohne dieses Fett würde Berti bei Regen erfrieren“, sagt sie.

 Auch moderne Techniken kamen zum Einsatz: Gemeinsam saßen die beiden am Laptop, hörten Geräusche von Buchfinken und schauten auf Youtube Videos über diese Vogelart. Erstaunlich fand Gaedecke die Reaktion auf den Film Nomaden der Lüfte: „Als der Seeadler Wasservögel jagte, war Berti total aufgeregt. Intuitiv nahm er wahr, dass Adler eine Gefahr sind.“

 Die Grundschule im Wohnzimmer absolvierte Berti in nur einem Monat. Dann ging es im Käfig auf die Terrasse, um andere Vögel live kennenzulernen. „An einem Tag stieß er plötzlich einen Warnruf aus. Hoch am Himmel flogen zwei Rotmilane.“

 Singvögel haben Feinde – aber auch Freunde. Ein erwachsener Buchfink hielt sich im Garten erstaunlich oft in seiner Nähe auf. Dieser fütterte ihn sogar und machte ihn mit Warnrufen auf Gefahren auf der Terrasse aufmerksam. „Er entwickelte Einfluss auf den Kleinen und schimpfte, wenn Berti unvorsichtig war“, beobachtete Gaedecke. Beim gemeinsamen Ausflug brachte ihm der neue Ziehvater auch bei, einen sicheren Schlafplatz zu finden.

 „Ich hoffe, dass sie zusammenbleiben und im Herbst im großen Trupp nach Süden ziehen“, sagt die Vogelkundlerin. Noch kann sie sich aber an Berti erfreuen: Er besucht sie täglich.

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