Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Rendsburg Wackelt der Zeitplan?
Lokales Rendsburg Wackelt der Zeitplan?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:30 08.09.2019
Von Hans-Jürgen Jensen
Eisenbahnhochbrücke in Rendsburg ohne Schwebefähre: Montagebilder aus Bayern von der neuen Fähre gibt es nicht. Quelle: Paul Wagner, Hans-Jürgen Jensen
Rendsburg

Den Auftrag zum Neubau der Schwebefähre bekam Ende vergangenen Jahres die Firma Hermann GmbH Maschinenbautechnologie in Weiden in der Oberpfalz. Die bayerische Gemeinde liegt in der Metropolregion Nürnberg und hat mehr als 40.000 Einwohner.

Hermann Maschinenbau wurde vor zwölf Jahren gegründet und beschäftigt nach eigenen Angaben rund 200 Mitarbeiter. Die Firma bewarb sich mit einschlägigem Knowhow um den Millionenauftrag. Sie war beteiligt am Bau von Schleusen in Berlin, Hamburg, Harburg und Bremen.

Montage der neuen Schwebefähre in Bremen

Die Stahlteile für die neue Schwebefähre werde die Firma in ihrem Stammwerk in Weiden anfertigen und dann zu ihrer Niederlassung in Bremen transportieren, um sie dort in einer Schweißhalle zusammenzusetzen, erklärte Matthias Visser, der Sprecher des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamts, im April und kündigte an, zu Ende Sommer/Anfang Herbst sollten die Transporte starten. Bilder vom Bau der neuen Fähre gibt es derzeit aber nicht.

Lesen Sie auch: Schwebefähre soll in die Unesco-Liste

Zum aktuellen Stand sagt Matthias Visser: "Die Firma legt uns Pläne vor, und wir prüfen momentan diese Pläne." Seine Behörde hatte im Dezember 2018 den Auftrag an die Bayern voller Optimismus vergeben.

"Wir rechnen Mitte 2020 mit der neuen Schwebefähre"

Inzwischen ist Visser wortkarg, will weitere Details zum Stand des Neubaus nicht sagen. Nur soviel: "In Abstimmung mit der Firma dürfen wir davon ausgehen, dass Mitte 2020 die Schwebefähre wieder in Betrieb geht." Konkreter war die Behörde im Dezember: 18 Monate nannte sie damals als Ziel, also den Juni 2020. Das sei im Auftrag so festgelegt.

Ein Fahrradhelm rettete das Leben

Der 8. Januar 2016 begann im Morgengrauen mit Schneeregen und schlechter Sicht. Auf ihrer Fahrt von Rendsburg nach Osterrönfeld kollidierte die Schwebefähre gegen 6.40 Uhr mit dem Frachter "Evert Prahm", der den Nord-Ostsee-Kanal aus Kiel kommend befuhr. Bilder und ein Video von der Havarie der Schwebefähre brannten sich ins kollektive Gedächtnis der Region ein.

Lesen Sie auch: Schwebefähren-Ersatz - Ständig Pannen im Fußgängertunnel

Die Gondel schaukelte wie eine Schiffsschaukel hin und her. Als einziger Passagier war ein Polizeibeamter an Bord. Er wurde quer übers Deck geschleudert. Sein Glück: Er trug einen Helm. Minuten später hätte der Unfall zu einer Katastrophe führen können. Dann wären Dutzende Osterrönfelder Kinder auf dem Weg zu Rendsburger Schulen mit der Fähre übergesetzt.

350 Autos und 1700 Passagiere täglich

Bis zu dem Unglück setzten täglich 350 Autos und 1700 Passagiere mit der Schwebefähre über. Hauptsächlich Osterrönfelder Schulkinder nutzten die Gondel. "Es sind auch Arbeitnehmer, die nach Rendsburg zur Arbeit fahren", sagt Osterrönfelds Bürgermeister Hans-Georg Volquardts (CDU). Etwa in die Kreisverwaltung in der Rendsburger Kaiserstraße oder zur Imland Klinik in der Lilienstraße.

"Schwebefähre ist unverzichtbar"

Volquardts: "Die Schwebefähre ist für uns ein unverzichtbares Verkehrsmittel, keine Frage. Ich hoffe, dass sie sehr bald wieder an der Eisenbahnhochbrücke hängt." Spätestens zum 125-jährigen Jubiläum des Nord-Ostsee-Kanals sollte es soweit sein, fordert der Osterrönfelder. Das wäre am 21. Juni 2020.

Seit dem Ausfall der Schwebefähre empfiehlt das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt den Rendsburger Fußgängertunnel als Ersatz. Eine Dauerlösung könne das nicht sein, erklärt Osterrönfelds Bürgermeister Hans-Georg Volquardts. "Der Fußgängertunnel ist für die Osterrönfelder kein Ersatz. Das ist ein Umweg."

Volquardts spricht aus Erfahrung: "Als Schüler habe ich lieber die Schwebefähre genommen, weil es durch den Fußgängertunnel einfach länger dauert." Und auf der Straße Am Kamp immer Gegenwind gehabt - egal ob es zur Schule ging oder nach Hause.

Immer informiert: Lesen Sie alle Nachrichten aus der Region Rendsburg.

Die Rendsburger Schwebefähre soll zusammen mit anderen internationalen Schwebefähren als Welterbe in die Unesco-Liste der Welterben. Schon seit 13 Jahren gibt es den Plan. Es geht nur mühsam voran. Zurzeit bremsen die Briten, sagt Rendsburgs Bürgermeister Pierre Gilgenast.

Hans-Jürgen Jensen 08.09.2019

Als Ausweichstrecke für die kaputte Schwebefähre bietet das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt den Fußgängertunnel in Rendsburg an. Doch auch dort gibt es regelmäßig Behinderungen, weil Rolltreppen und Fahrstühle gewartet werden müssen. Dazu kommen immer wieder Pannen.

Hans-Jürgen Jensen 08.09.2019

Rund 1000 Gäste verfolgten am Sonnabend die Drachenbootrennen des Canal Cups. Dabei gab es nicht nur handgemachte Boote zu sehen - sondern auch ulkige Verkleidungen.

Beate König 07.09.2019