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Rendsburg Poetry Slam auf der Rader Hochbrücke
Lokales Rendsburg Poetry Slam auf der Rader Hochbrücke
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21:23 19.05.2015
Von Hans-Jürgen Jensen
 Im Bus ist er näher dran an seinem Publikum, findet Poetry Slammer Helge Albrecht. Quelle: Jörg Wohlfromm
Rendsburg

Rund ein Dutzend Gäste war mit dem Bus zur Rundtour mit dem Kieler Poetry Slammer Helge Albrecht unterwegs. Im Stehen schleuderte der 23 Jahre alte Student seine Texte ins Publikum. „Fühlt sich etwas verboten an, im Bus zu stehen“, redete er sich warm.

So war er gleich mitten im Thema, während es vom Hof eines Schacht-Audorfer Busunternehmens über die Autobahn Richtung Rader Hochbrücke ging. Den Universitätsbus nahm sich Albrecht im ersten Text vor. „Hier ist jeder gleich.“ Der Slammer machte sich her über Viren, Bakterien, Handcreme-Mädchen. „Ich weiß, wovor ich Angst habe, wenn ich Montag wieder zur Uni muss.“

Woher die Idee zum Poetry Slam im Bus kam? Nordkolleg-Chef Guido Froese brachte Diedrich Graf von der Recke, den Geschäftsführer des Busunternehmens, ins Spiel: „Der ist offen für so etwas.“ Den Kontakt zu dem Schacht-Audorfer nahm Stefanie Kruse, die Referentin der Nordkolleg-Geschäftsführung, auf. Ihre Ideen: Ein Poetry Slam beim Unternehmen im Büro oder bestenfalls in einem auf dem Betriebshof geparkten Bus. Von der Recke schlug die Busfahrt vor. Stefanie Kruse: „Das war die perfekte Lösung, natürlich ein Traum.“

Warum nicht gleich ein Bus, der im Linienverkehr unterwegs ist und nach Fahrplan von Haltestelle zu Haltestelle fährt? „Man könnte das weiterspinnen“, sagt Stefanie Kruse. Für dieses Mal galt: „Wir wollten eine geschlossene Veranstaltung.“

Diese führte am Dienstagabend auf die Rader Hochbrücke. Hier, über dem Nord-Ostsee-Kanal war Slammer Albrecht auf Betriebstemperatur und sein Publikum in Laune. Der Kieler ging in den Rap-Modus und beschwor die Zeit seiner pubertären Roller-Gang. „Wir waren sowas von cool, rebellisch und dreckig.“ Das ging solange gut, bis sie merkten, dass ihr Name „Dirty Devils“ nach Staubsauermarke klang.

Die Rundfahrt war Teil des Nordkolleg-Programms „Wohnzimmerlesungen“, die jetzt ins dritte Jahr gehen. Es geht dabei um Orte, „die im eigentlichen Sinne keine Wohnzimmer sind aber eben auch keine Orte für Lesungen“, sagt Guido Froese. Beispiele: Lesungen im Möbelhaus, im Modehaus, bei einer Werbeagentur oder in der Eisstube.

Die Poetry-Slam-Busfahrt ging durch Sehestedt, auf der Fähre über den Nord-Ostsee-Kanal und im Wolkenbruch zurück nach Schacht-Audorf. Zugabe war ein Regenbogen.