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Rendsburg "Kesselhaus ist CDU-Prestigeprojekt"
Lokales Rendsburg "Kesselhaus ist CDU-Prestigeprojekt"
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13:13 29.09.2019
Von Hans-Jürgen Jensen
Michael Friedrich (SPD) gehört zu den Initiatoren des Nortorfer Bürgerentscheids am 6. Oktober 2019. Quelle: Hans-Jürgen Jensen
Nortorf

In Nortorf tobt ein Streit um den Umzug des Schallplattenmuseums ins Kesselhaus. Der Umzug wurde in der Stadtverordnetenversammlung beschlossen. Gegner des Plans wollen ihn mit dem Bürgerentscheid am 6. Oktober 2019 zu Fall bringen. Zu ihnen gehört Michael Friedrich (SPD).

Herr Friedrich, Sie sagen, auf Nortorf kämen nach dem Umzug ins ehemalige Teldec-Kesselhaus zu hohe Folgekosten zu. Was fürchten Sie? 

Man darf nicht nur das Gebäude sehen. Selbst wenn ich annähme, dass die Betriebskosten durch die Vertreter der Gegenseite richtig berechnet sind - was ich bezweifeln möchte - gingen mit dem Umzug ins Kesselhaus erhebliche Folgekosten einher, die nicht zuletzt an den geplanten sechs Öffnungstagen hängen. Dazu reicht die ehrenamtliche Personaldecke des Vereins definitiv nicht aus.

Nach den jüngst veröffentlichten Kalkulationen des Museumsvereins werden neben ehrenamtlichen Kräften ein Manager in Vollzeit, Sekretariat und drei 450-Euro-Kräfte eingeplant. Die Kosten für diese Stellen werden nicht erwähnt, obwohl seitens der Stadt allein der Stadtmanager mit 150.000 Euro pro Jahr veranschlagt werden.

"Man darf Nortorf nicht auf die Teldec-Geschichte reduzieren"

Wenn die Nortorfer beim Bürgerentscheid am 6. Oktober 2019 den Umzug ablehnen, brauchen Sie eine Alternative

Wir möchten ein multifunktionales, Generationen übergreifendes Kooperationsmodell umsetzen, ein Bürgerzentrum. Diese beinhaltet nach unseren Vorstellungen eine moderne Bücherei, Tourismuszentrale, Stadtmarketing, Gastronomie und Museum.

Das Museum sollte sich nicht ausschließlich mit der lediglich 41 Jahre währenden Teldec-Geschichte Nortorfs beschäftigen, sondern die gesamte Stadtgeschichte aufgreifen. Man darf Nortorf nicht nur auf die Schallplatte und die damit verbundene Teldec-Geschichte reduzieren. Wir haben ein Problem damit, dem ein exklusives Museum zu widmen. 

"Keine Transparenz beim Kesselhaus-Streit"

In Nortorf geht der Riss zwischen den politischen Lagern offenbar tiefer als der Kesselhaus-Streit, der Thema des ersten Bürgerentscheids in der Stadt ist. Worum geht es wirklich? 

Man muss sich schon die Frage stellen, warum wir bei diesem Thema nicht überein kommen, obwohl wir das sonst fast immer schaffen. Ich führe das darauf zurück, dass Teile der Nortorfer Politik auf Biegen und Brechen und – wie sie selbst sagen – alternativlos ihr Konzept durchsetzen wollen. Und dabei seit vier Jahren die wahren Gründe nicht auf den Tisch legen. Seit Jahren gibt es keine belastbaren Fakten rund ums Kesselhaus, vielmehr eine Kette von Verschleierungen.

Es ist ein reines Prestigeprojekt einiger weniger Vertreter der CDU, das sich nur an einen kleinen Teil der Bevölkerung richtet. Die Bedürfnisse des größten Teils der Bevölkerung werden außer Acht gelassen. Die Nortorfer haben Anspruch auf Transparenz, die ihnen so nicht zuteil wird. Das gesamte Arbeitsklima in der Stadtvertretung ist derzeit belastet, weil die Fakten zum Kesselhaus nicht offen auf den Tisch gelegt werden. Wir hoffen, dass diese Belastungen nicht von Dauer sein werden.

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