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Rendsburg "Nur für ein Schallplattenmuseum"
Lokales Rendsburg "Nur für ein Schallplattenmuseum"
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13:13 29.09.2019
Von Hans-Jürgen Jensen
Ob das Schallplattenmuseum ins Kesselhaus umziehen wird, zeigt sich nach dem Bürgerentscheid in Nortorf. Noch schließt Lutz Bertram das Museum am Jungfernstieg  sonntags von 14 bis 17 Uhr für Besuchergruppen auf. Quelle: Hans-Jürgen Jensen
Nortorf

Umringt von einem Supermarkt-Parkplatz und einer neuen Häuserzeile mit Arztpraxen, einer Apotheke und einem Brillenladen steht das sogenannte Kesselhaus nicht weit entfernt von der Kirche mitten in der Stadt Nortorf. In der einen Hälfte hat ein Versicherungsvertreter sein Büro.

Lutz Bertram: "Kein besserer Platz fürs Schallplattenmuseum"

In die andere Hälfte soll das Schallplattenmuseum vom nahe gelegenen Jungfernstieg einziehen. Einen besseren Platz kann sich Lutz Bertram, der Vorsitzende des Museums-Vereins, nicht vorstellen: "Das ist der historische Ort. Da wurde die Energie für die Produktion der Schallplatten hergestellt. Da klebt noch der Dreck an den Wänden."

Das Kesselhaus ist das letzte große Gebäude, das vom in den 1990er Jahren geschlossenen Teldec-Werk übrig blieb. Innen: Eine Halle, die bis unters Dach geht. An der Wand eine Treppe nach oben, die Architekten Staunen abringt.

Bürgerentscheid in Nortorf am 6. Oktober 2019

Um den Umzug des Schallplattenmuseums ins Kesselhaus tobt in Nortorf ein erbitterter Streit. Die Mehrheit in der Stadtverordnetenversammlung hat ihn beschlossen. Umzugs-Gegner wollen den Plan mit dem Bürgerentscheid am 6. Oktober 2019 zu Fall bringen.

Der Kauf des Kesselhauses "war ein absoluter Glücksfall" für die Stadt Nortorf, findet Bürgermeister Torben Ackermann. Er meint damit die Chance, in dem Industriebau das Schallplattenmuseum unterzubringen. Es befindet sich zurzeit in einem ehemaligen Wohnhaus im nahe gelegenen Jungfernstieg.

Michael Friedrich (SPD): "Betriebskosten fürs Kesselhaus laufen uns weg"

Ackermanns Widersacher ist Michael Friedrich, Sozialdemokrat, Stadtverordneter und einer der Initiatoren des Bürgerentscheids gegen den Umbau des Kesselhauses zum Schallplattenmuseum. "Ich fürchte, dass uns die Betriebskosten weglaufen", sagt der Jurist. Das Kesselhaus sei "ein Altbau mit all seinen Problemen".

Friedrich will ein kombiniertes Kultur- und Bürgerzentrum mit moderner Bücherei, Tourismuszentrale, Stadtmarketing und Historischem Museum samt Nortorfer Schallplattengeschichte unter einem Dach. Alle Nutzer könnten sich die Betriebskosten teilen. Im Kesselhaus sei dafür zu wenig Platz. 

Friedrich denkt an einen Neubau. "Das bedeutet nicht die teuerste Stahl-Glaskonstruktion", sagt er. Das Gebäude könne "tendenziell skandinavisch angehaucht" sein, etwa mit Holz als Baumaterial und mit "viel Licht" drinnen. Einen konkreten Standort nennt er nicht mehr.

Die Neubau-Idee machte Friedrich erstmals Mitte Juli öffentlich. "Das kam relativ spät", findet Lutz Bertram. Zu viele Fragen seinen offen: Wo soll das sein? Wie soll das aussehen? Wo bleibt das Schallplattenmuseum?

Enges Schallplattenmuseum im Jungfernstieg

Bertram steht im Erdgeschoss seines Schallplattenmuseums im Jungfernstieg zwischen Plattenspielern, Vinyl-Platten, Tonbandgeräten, Musikschränken der 1950er Jahre und einer beleuchteten Jukebox, wie sie in den 1960er Jahren noch in jeder Kneipe stand. In den Zimmern mit "60 bis 70 Quadratmetern" ist es eng. "Dieses Haus ist definitiv nicht entwicklungsfähig", sagt Bertram.

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