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Rendsburg Orkan knickte Kirchturmspitze
Lokales Rendsburg Orkan knickte Kirchturmspitze
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18:14 29.10.2013
Von Cornelia Müller
Den Schaden kann die Kichengemeinde noch nicht beziffern. Quelle: C. Müller
Dänischer Wohld

„Ich konnte zusehen, wie die kupferne Kirchturmspitze zuerst vibrierte, dann in Schwingung geriet und schließlich in Windrichtung abknickte“, sagt Peter Kanehls. Der Pastor von Dänischenhagen wurde am Montagnachmittag Zeuge, wie sich der Hahn, der sich sonst so schnittig in den Sturm stellt, dem tobenden Unwetter ergab. Nicht nur das: Reihenweise flogen die Pfannen vom Kirchendach und wehten genauso wie riesige Äste der 120 Jahre alten Linden wie Spielzeug über den alten Friedhof. Den Schaden kann die Kichengemeinde noch nicht beziffern, „doch der dürfte erheblich sein“, bestätigt Kanehls. „Und den Friedhof mussten wir erst einmal sperren.“

 „So einen Sturm habe ich noch nie erlebt“, ist er sich einig mit Bürgermeister Wolfgang Steffen. Der packte gestern mit an, um eine Bootshalle im Ortsteil Kaltenhof mit Planen abzudecken. Der Sturm hatte ein Loch ins Dach gerissen und auch Wohnwagen in Mitleidenschaft gezogen. Unzählige alte Bäume wurden abgeknickt oder entwurzelt. Steffens Fazit: „Kaltenhof sieht wie aus wie ein Dschungel.“

 In Strande wehten die Böen Pappeln an der Bülker Huk um. „Doch das sind ja fast Bagatellen gegenüber der dramatischen Rettungsaktion für den Surfer, der vom Bestattungsdampfer aufgefischt werden musste“, resümiert der Hafenausschussvorsitzende Peter Siemon. Hafenmeister Tobias Klüter, der auch bei der Strander Feuerwehr ist und ab frühem Nachmittag bis 21 Uhr im Einsatz war, kann auch heute nur den Kopf darüber schütteln, „wie leichtsinnig die Leute sind“. „Es gab so viele Notrufe, dass die Funkverbindungen der Feuerwehren zusammenbrachen. Wir hatten am Ende nicht mal Kontakt zur Leitstelle“, berichtet er. „Wir haben mit Handys kommuniziert.“ So konzentrierten sich die Strander darauf, wenigstens die Rettungswege freizusägen sowie Äste schnellstens von Fahrbahnen zu räumen. „An der Huk stiegen Spaziergänger bei nur leicht abgeflauten Böen über umgekippte Bäume und guckten zu, wie wir arbeiteten. Ein Mann mit Kamera wich nicht mal von der Fahrbahn, als wir mit Blaulicht ankamen.“

 Mit Blaulicht und Tempo machten sich die Strander mitten im Orkan auch auf nach Schwedeneck, als eine Brandmeldung aus dem Altenheim einging. Klüter: „Wir kamen weder über Dänisch Nienhof noch über eine andere Nebenstraße durch. Überall lagen Bäume quer auf der Straße. Mit erheblicher Verspätung kamen wir endlich an. Das waren sehr bange Minuten.“ Die Retter hatten ebenso wie die Heimbewohner Glück. Eine Böe hatte Lüftungsklappen so bewegt, dass der Brandmelder ausgelöst hatte. In Stohl hob „Christian“ ein hölzernes Buswartehäuschen an und zerteilte es. In Krusendorf kippten volle Recyclingcontainer wie leere Kartons um. „Wir haben wie überall abgeknickte Bäume und kleinere Dachschäden, zerborstene Gewächshäuser, umgefallene Straßenschilder“, bilanziert Bürgermeister Gustav-Otto Jonas. „Aber wir sind mit einem blauen Auge davongekommen. Verletzt ist keiner.“ Das bestätigen auch Bürgermeister Friedrich Suhr für die Gemeinde Felm sowie Gemeindewehrführer Uwe Claußen aus Altenholz. An der Straße zwischen beiden Gemeinden war bei Postkamp eine ganze Baumreihe auf den Radweg gestürzt. Und am Herrenhaus Stift sorgte eine zusammengebrochene alte Weide noch in der Nacht für Arbeit: Sie versperrte den Buswendeplatz.