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Rendsburg Dieser Rhythmus steckt an
Lokales Rendsburg Dieser Rhythmus steckt an
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00:17 23.08.2013
Von Cornelia Müller
Das machen einfach alle gern mit: Auch Johannes Vierk, der lange Jahre als Ausbilder mit von der Partie war, steigt zum Jubiläumskonzert noch einmal mit ein. Er spielt Tenorhorn und Posaune. Quelle: C. Müller
Schwedeneck

Santana sitzt. Lasst uns lieber Tropicana spielen“, sagt Jürgen Schreiber an. Eiliges Blättern in den Noten. Der Dirigent, der früher Flügelhornist im Marinemusikkorps Ostsee war, hebt die Hände, los geht’s.

Das Medley klingt auf Anhieb super, der Rhythmus geht in die Beine. So muss ein sinfonisches Blasorchester klingen. Doch nach wenigen Takten gibt Jürgen Schreibers geschultes Ohr Alarm. „Dadadaa, Pause, dubdub... und so weiter“, ruft er dazwischen. Jeder hat es kapiert. Reibungslos und schwungvoll geht’s weiter.

Applaus wäre verdient, doch es ist kein Publikum da. Der Montagabend im Keller der Grundschule Surendorf ist der letzte Probetermin der Hobbymusiker unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Kristina Koenig lächelt. Sie hat unter der ruhigen Oberfläche schon Lampenfieber. Unter den 16 unterhaltsamen Stücken und Potpourris von Barock und Volkslied bis Pop, Swing und Filmmusik sind drei Gesangsnummern. Die sind der große Auftritt der 18-jährigen Altenholzer Schülerin, die auch Altsaxofon spielt. Mit ihrer variantenreichen Altstimme intoniert sie gefühlvoll zum Beispiel den Klassiker Over the Rainbow oder My Heart will Go on aus dem Film Titanic.

Sie ist mit Leidenschaft dabei. Das gilt auch für die übrigen 27 Musiker, die heute hier sitzen. Sogar solche, die offiziell gar nicht mehr mitspielen, sind beim Festauftritt dabei. Dazu gehören Posaunist Johannes Vierk und Baritonsaxofonistin Silke Mielke. Darüber ist Schreiber besonders froh, denn diese Instrumente sind sonst nur schwach oder gar nicht vertreten.

Als Gründungsmitglieder üben heute neben Schreiber noch Rosi Roß (Altsaxofon) und Frauke Bock (Trompete) mit. „Ich habe erst mit 45 Jahren ein Instrument und Noten gelernt“, berichtet Roß. VHS-Leiterin Gudrun Dorow wurde vom Orchesterchef vor 20 Jahren „gleich verhaftet“ und nahm im Alter von 38 erstmals ein Baritonhorn in die Hand. Auch Frauke Bock hat bei Schreiber gelernt. Längst ist auch ihre Tochter Antje (Tenorhorn) dabei. Armin Wollmann (83), der älteste Musiker, begann das Tubaspielen mit 68.

„Fast alle lernen erst bei uns das Instrument. Dafür haben wir Leihinstrumente“, erläutert Dorow. „Sie gehören der VHS. Träger und Geldgeber ist die Gemeinde. Im Gegenzug für den kostengünstigen Unterricht erwarten wir, dass alle bei Auftritten mitspielen.“ Zeitweise waren das bis zu zwölf Termine im Jahr. „Heute sind wir ein wenig ruhiger. Doch wir würden gern mehr machen“, betont Schreiber. „Die Kurverwaltungen sind leider geiziger geworden mit Engagements.“ Die Laune verdirbt das den Musikern dennoch nicht. Am Sonntag wird daher nach dem ganz sicher stimmungsvollen Auftritt in der Turnhalle Surendorf ganz groß mit dem Publikum gefeiert.