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Rendsburg Pflegeheimplatz soll bis zu 600 Euro monatlich mehr kosten
Lokales Rendsburg Pflegeheimplatz soll bis zu 600 Euro monatlich mehr kosten
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12:48 22.08.2019
Von Florian Sötje
Das Pflegeheim im Amalienweg in Kronshagen übernahm Ende 2018 ein französischer Investor vom DRK-Kreisverband. Betreiber ist die Deutsche Senioren Wohnen Nord GmbH. Quelle: Florian Sötje
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Kronshagen

Die Betreibergesellschaft weist in dem Brief an die Bewohner des Pflegeheims im Amalienweg in Kronshagen darauf hin, dass sie im August die Kostenträger der sozialen Pflegeversicherung zu Verhandlungen „aufgefordert und dabei eine angemessene Erhöhung der Entgelte geltend gemacht“ hat.

Erhöhung um bis zu 591 Euro im Monat

Somit müssten Bewohner und Angehörige künftig erheblich mehr für ihren Platz zahlen. Der monatliche Eigenanteil bei Pflegegrad 1 würde zum Beispiel von 2072,54 Euro auf 2509,37 Euro (Plus von 436,83 Euro) steigen. Bei Pflegegrad 5 erhöht sich der Betrag gar um 591,98 Euro.

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DSW begründet steigende Beiträge mit höheren Personalkosten

Die DSW begründet die Beitragserhöhung in dem Schreiben mit „Kostensteigerungen in den Bereichen Personal- und Sachaufwand“. Dies bekräftigt Holger Hübbers, Geschäftsführer der DSW Nord: „90 Prozent der Entgelterhöhung wird direkt an das Personal weitergegeben“, sagte er.

Mit einem neuen Haustarifvertrag wolle man „das Personal nun adäquat bezahlen“. Hier habe es Handlungsbedarf gegeben, sagte Hübbers. „Wir mussten runter von den Fremdpersonalkosten. Die vorherige Leiharbeit ist teilweise ausgeufert“, sagte der DSW-Geschäftsführer, der den vorherigen Betreiber, den DRK-Kreisverband, kritisiert.

Interaktive Karte: So steigen die Kosten für einen Pflegeplatz

Neuer Betreiber kritisiert den DRK-Kreisverband

Insgesamt habe die DSW die Einrichtung Ende 2018 in einem „desolaten Zustand“ übernommen. Der DRK-Kreisverband hatte das Pflegeheim damals an einen französischen Investor verkauft, die DSW den Betrieb übernommen. „Das Ausmaß war uns bei der Übernahme nicht bekannt. Wir waren wirtschaftlich so in der Bredouille, dass wir handeln mussten, um die Kosten zu decken“, sagte Hübbers.

Auch beim Thema Brandschutz sei eine sechsstellige Investition nötig gewesen. „Wir mussten sofort handeln. Das hätte vom Vorgänger in der Vergangenheit gemacht werden müssen.“

DSW und DRK befinden sich noch im Abwicklungsprozess

Markus Göldner, ehrenamtlicher Vorsitzender des DRK-Kreisverbandes, gab zu, dass man in der Vergangenheit vieles hätte „besser machen können“. „Die Situation der Betreibergesellschaft wurde immer schlimmer. Deshalb haben wir uns auch von ihr und dem damaligen Hauptgeschäftsführer getrennt“, sagte Göldner. Mit der DSW befinde man sich weiterhin in einem laufenden Abwicklungsprozess und lasse sich anwaltlich vertreten.

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Empörung in der Kronshagener Gemeinschaft

Uwe Hartwig, Vorsitzender des Seniorenbeirats, zeigte sich empört über die Vorgänge im Amalienweg: „Die finanzielle Schieflage war über lange Zeit bekannt. Ich frage mich, wer den früheren Geschäftsführer kontrolliert hat?!“ Auch Waltraud Wilks, Beraterin des Bewohnerbeirats, war „sehr wütend“ auf den ehemaligen Hauptgeschäftsführer.

„Bei der Instandhaltung der Einrichtung ist lange Zeit nichts passiert. Wir haben immer wieder versucht, an den Geschäftsführer heranzukommen. Aber es wurde nichts unternommen“, sagte Wilks.

Eigenanteile werden auch in Altenholz und Schacht-Audorf erhöht

Neben dem Pflegeheim in Kronshagen müssen sich laut DSW-Geschäftsführer Hübbers auch die Bewohner der ehemaligen DRK-Pflegeheime in Altenholz und Schacht-Audorf auf höhere Beiträge einstellen.

„Das wird einheitlich mit den Pflegekassen verhandelt“, sagte Hübbers. Wie die Erhöhung dort ausfalle, könne er aber nicht sagen.

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