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Rendsburg Freilegung der Stelle vor Kanalausbau
Lokales Rendsburg Freilegung der Stelle vor Kanalausbau
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07:14 24.11.2017
Von Torsten Müller
Vor 30 Jahren grub Andreas Broderek aus Quarnbek in der Kanalböschung zwei fast vollständig erhaltene Skelette von Rothirschen aus. Die Fundstelle wurde auf 9200 v. Chr. datiert. Quelle: Torsten Müller
Quarnbek

Dass die Fundstelle überhaupt bekannt ist, liegt auch an der Arbeit von Andreas Broderek aus Quarnbek. Er ist ein Jäger und weniger ein Sammler. „Das Suchen und Finden fasziniert mich, nicht so sehr das Haben“, gesteht der 61-Jährige. Schon als Kind stöberte Andreas Broderek am Strand von Noer Donnerkeile und Sicheln auf. Als Jugendlicher in Schulensee durchsuchte er das gesamte Eidertal nach Steinwerkzeugen und wurde häufig fündig: „Irgendwann entwickelt man ein Auge dafür.“ Als er Anfang der 80er-Jahre nach Quarnbek zog, fing er auch dort zu suchen an. „Das ist Endmoränengebiet. Hier verlief früher die Levensau, und es gab Seen. Die Hänge, an denen Wasser stand, sind voll mit Überresten. Da haben die Menschen vor Jahrtausenden gelebt“, weiß er. Bevor man aber auf einem Acker suchen gehe, müsse man erst den jeweiligen Bauern um Erlaubnis fragen.

Tierskelette von 9200 vor Christus

1986 machte der Hobby-Archäologe in der Kanalböschung einen Fund, der anders war als alles bisherige: Er stieß auf einen braunen Wirbelknochen, der da herausragte. Broderek suchte weiter und fand schließlich ein fast vollständiges Tierskelett – nur der Kopf fehlte. Das Institut für Haustierkunde an der Kieler Uni identifizierte die Überreste als vier Jahre alten Rothirsch. „Er war durch eine Moorschicht konserviert.“ Weiteres Suchen und Graben förderte das Skelett eines weiteren neun Jahre alten Rothirsches zu Tage. Das Archäologische Landesamt ließ das Alter anhand einer Harpune aus der selben Fundschicht datieren. Nach der Radio-Karbon-Methode stammt sie aus einer Zeit von etwa 9200 vor Christus.

„Aus dieser sogenannten präborealen Zeit gibt es kaum Funde. Wir betreten wissenschaftliches Neuland und haben hier die Möglichkeit, einen Zeithorizont vor der Verwaldung exemplarisch zu fassen zu bekommen“, sagt Ingo Clausen vom Archäologischen Landesamt. Es ist eine Übergangszeit, in der sich die Gletscher der Eiszeit nach Mittelschweden zurückgezogen haben, sich das Klima weiter erwärmt und sich in Schleswig-Holstein allmählich von Süden her Wald ausbreitet – aus der Taiga wird Tundra und dann Wald. „Es gibt keine andere Fundstelle dieser Zeit, wo sich Knochen erhalten haben“, sagt der Archäologe. Die vorherigen eiszeitlichen Jäger kenne die Forschung gut, aber sie wisse nicht, was aus ihnen im Wald geworden sei und wie sie gejagt hätten.

Siedlungsplatz mit Bodenaushub überschüttet

Doch die Fundstelle in dem prähistorischen Seengebiet, an dem seinerzeit die Altvorderen im Quarnbeker Raum siedelten, ist nicht zugänglich. Beim Bau des Kaiser-Wilhelm-Kanals (1887-1895) wurde der ehemalige Seegrund angeschnitten und der Siedlungsplatz bis zu drei Meter hoch mit Bodenaushub überschüttet. Niels Böge vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt in Kiel-Holtenau rechnet damit, dass vor dem Kanalausbau zunächst etwa 100000 Kubikmeter Erdreich abgetragen werden müssen. Erst dann können die Archäologen die wissenschaftlich äußerst interessante Fundschicht ausgraben und untersuchen. Die Kosten trägt der Bund. Ob sich allerdings das Schicksal der beiden von Menschenhand nicht er- und zerlegten Rothirsche klären lässt, steht aber in den Sternen.

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