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Rendsburg Wie Betrüger Flüchtlinge reinlegen
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08:55 14.02.2020
Von Hans-Jürgen Jensen
Der Jurist Walter Wiegand ist Flüchtlingsbeauftragter beim Kirchenkreis Rendsburg-Eckernförde. Quelle: Hans-Jürgen Jensen
Rendsburg

Regelmäßig kommen Flüchtlinge ins Büro von Walter Wiegand in der Rendsburger Innenstadt und berichten, wie sie reingelegt wurden. "Es sind verschiedene Maschen", sagt der Jurist. "Hier werden Menschen ausgebeutet, die nicht nur sprachliche Verständigungsprobleme haben sondern auch mit Ängsten belastet sind." Wiegand spricht von "Abzocke von Menschen, die die Dinge nicht durchschauen können."

"Mieser Betrug an einem Flüchtling"

Ein besonders übler Betrug beschäftigt am Dienstag, 18. Februar 2020, das Rendsburger Amtsgericht: Ein Flüchtling sollte nach Angaben der Staatsanwaltschaft einem Anwalt für 1.700 Euro eine Anzug als Honorar kaufen, damit der einen abgelehnten Asylantrag rückgängig macht. Den angeblichen Kontakt habe ein Vermittler angebahnt, dieser habe das Geld eingesteckt.

"Das ist ein ganz mieser Betrug", sagt Wiegand. "So etwas habe ich noch nie gehört." Es sei schon "ein Extremfall". Der Jurist kennt andere Extremfälle. "Sprachtest gegen Bezahlung" zum Beispiel. Flüchtlinge zahlten nach seinen Worten "2.500 bis 5.000 Euro" für die Prüfung am Ende eines Integrationskurses, wenn ein anderer den Test mache.

Sie hoffen auf das Recht, in Deutschland bleiben zu dürfen. "Manche fallen trotzdem durch", weil das Double doch nicht so gut deutsch kann. Mitunter gehe das Geld auch an Landsleute. Anzeige erstatte keiner. "Sie würden sich ja selbst reinlegen." Denn auch sie haben betrogen.

Ärger mit Handyverträgen

Walter Wiegand blättert in Unterlagen auf seinem Tisch, zieht einen Vorgang heraus. "Den habe ich von einer Kollegin bekommen." Es geht um einen Flüchtling, der seinen Vertrag für ein 661-Euro-Handy gekündigt hat und jetzt noch 116 Euro zahlen soll.

Ein eher kleiner Fall, sagt der Jurist. Bei Wiegand melden sich Asylbewerber, die nach der Kündigung eines Mobilfunkvertrags noch "1.100 bis 1.200 Euro" zahlen sollen. "Das ist Abzocke. Ihr Geld reicht nicht aus, um das zu bezahlen." Einmal in der Woche "kommt ein Flüchtling zu uns, der ein Problem mit seinem Handyvertrag hat".

"Wir überprüfen dann die Verträge auf ihre Rechtmäßigkeit." Wenn sie fehlerhaft seien, frage er den Anbieter: "Wollt Ihr das Geld wirklich?" Viele zögen zurück. Ansonsten versuche er Ratenzahlung auszuhandeln oder vermittele einen Anwalt, sagt der Flüchtlingsbeauftragte.

"Reingelegte Flüchtlinge schämen sich"

Wiegand berichtet von Wohnungsvermittlern, die für ihren Tipp 150 Euro nähmen. Der Tarif sei "gang und gäbe". Oftmals bekämen die Flüchtlinge trotzdem keinen Mietvertrag. Dann ist das Geld weg, und der Betrüger bleibt unbehelligt. Die Betrogenen wehren sich nicht. "Viele sind beschämt und wollen keine Anzeige erstatten." Dazu kommt: "Das sind Bargeldgeschäfte. Es kann nicht bewiesen werden."

Angst vor Abschiebung

Warum Betrüger bei Flüchtlingen immer wieder Erfolg haben? Auf ihrem Weg nach Europa hätten sie die Erfahrung gemacht, dass Hilfe eine Frage der Bezahlung ist. Etwa dann, wenn Schlepper kassieren. "Sie haben gelernt, dass man mit Geld vieles kaufen kann."

Außerdem fürchten sie, in ihre Heimat abgeschoben zu werden. Etwa ins syrische Idlib, wo Machthaber Baschar al-Assad einen Vernichtungskrieg gegen sein Volk führt. "Ich habe noch nie so viel Angst erlebt", sagt Wiegand über seine Gespräche mit Syrer, Irakern, Afghanen und Afrikanern.

"Flüchtlinge wissen nicht, ob sie willkommen sind"

Dazu komme "das allgemeine politische Klima" hierzulande. Flüchtlinge wüssten nicht, ob sie willkommen sind oder nicht. "Ich habe das Gefühl, Deutschland will mich nicht", habe ihm ein junger Afghane gesagt. "Der saß hier voller Angst." Dabei war sein Aufenthalt für mehrere Jahre gesichert, er hatte einen Ausbildungsplatz. "Der war gut integriert."

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