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Rendsburg Erst Wacken, dann Ökumene
Lokales Rendsburg Erst Wacken, dann Ökumene
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17:39 06.08.2019
Von Hans-Jürgen Jensen
Noch hat Pastor Henning Halver seinen Arbeitsplatz im Zentrum für Kirchliche Dienste. Quelle: Hans-Jürgen Jensen
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Rendsburg

Auch wenn er das Etikett Heavy-Metal-Pastor nicht mag, die Zeit in Wacken hat Henning Halver geprägt. Mit seiner Frau Astrid teilte er sich das Pastorat gegenüber dem legendären Edeka-Laden. "Da war natürlich immer was los." Auf dem W.A.O.-Gelände war er "zwei drei Mal". Denn: "Es ist nicht meine Musik, deshalb muss ich da nicht hin."

Wacken-Besucher kam in die Kirche

Aber das "ein oder andere Gespräch" hat er doch mit schwarz gewandeten Fans gehabt. "Es sind nette Leute. Da gibt es nichts." Im Vorgarten des Pastoren-Paars haben Wacken-Besucher campiert. Die Halvers kamen damit klar. "Es war ein Nebeneinander." Es gab Besucher, "die fragten, ob sie mal in die Kirche dürfen". Klar durften sie. "Sie saßen dann erkennbar an ihrer Kleidung am Sonntag in der letzten Reihe."

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Als eifrige Kirchgänger zu den Anfangszeiten von Wacken aus Angst vor dem Einfluss vermeintlich satanistischer Texte eine Gebetskette ums Festivalgelände bilden wollten, ging Halver dazwischen: "Ihr seid nie hier gewesen. Ihr habt die Leute nicht erlebt. Da ist nichts Satanistisches. Die haben ihren Spaß und gut ist es."

Keine Berührungsängste zwischen Halver und W.O.A.

Es gab keine Berührungsängste. Thomas Hübner und Holger Jensen, die Gründerväter des W.O.A., "waren in den 1980er Jahren bei meiner Frau im Konfirmandenunterricht". Hübner habe zum Gaudi der Mädchen und Jungen im Kindergarten Luftgitarre gespielt. Später habe er Hübners Tochter getauft.

Nach Wacken wurde Halver vor 13 Jahren erster Ökumene-Pastor des Kirchenkreises. Unter anderem organisierte er gemeinsame Gottesdienste mit Katholiken - etwa zum Rendsburger Herbst. Schwerpunkt seiner ökumenischen Arbeit waren internationale Kontakte zu Kirchengemeinden - etwa in Estland oder in Südafrika.

Pilgerreise zum Klimagipfel

Da die Ökumene-Stelle beim kirchlichen Entwicklungsdienst angesiedelt ist, beschäftigte sich der Pastor mit Themen wie globaler Gerechtigkeit, Menschenrechten und Klimawandel. So half er vor wenigen Jahren mit bei der Organisation einer Pilgerreise von Flensburg zum Klimagipfel nach Paris. Mitgelaufen ist er nicht.

Wie es sich für einen evangelischen Ökumene-Pastor gehört, verabschiedet sich Halver am Donnerstag um 18 Uhr in der katholischen St. Michaelkirche in der Straße Am Margarethenhof in Rendsburg. "Das bietet sich ja an", sagt der 64-Jährige. Katholiken und evangelische Christen sind am Margarethenhof seit viereinhalb Jahren Nachbarn. Damals zog das evangelische Zentrum für Kirchliche Dienste, dessen Leiter Halver anfangs war und wo er noch sein Büro hat, ins frühere Gemeindezentrum der Katholiken.

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