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Rendsburg Millionenschaden an Schwebefähre
Lokales Rendsburg Millionenschaden an Schwebefähre
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19:28 11.01.2016
Von Hans-Jürgen Jensen
 Mit Bauzaun und Vorhängeschloss ist der Anleger der Schwebefähre am Osterrönfelder Ufer des Nord-Ostsee-Kanals gesichert. Quelle: Hans-Jürgen Jensen
Rendsburg

Bei der Kollision mit einem Frachter am Freitag sei auch der Antrieb auf der Eisenbahnhochbrücke verbogen worden. Die Stahlräder waren aus den Schienen gesprungen. Zwei der zwölf Halteseile rissen. Ob die unter Denkmalschutz stehende Fähre noch gerettet werden kann, entscheide sich voraussichtlich erst im März. Dann solle die 45 Tonnen schwere Fähre abgehängt und auf einem Ponton in den nahe gelegenen Bauhof der Behörde an der Blenkinsopstraße in Rendsburg gefahren werden.

Den entsprechenden Auftrag zum Abbau der Fähre wolle die Behörde noch im Rahmen eines verkürzten Verfahrens im Januar an eine Firma vergeben, sagte der Sprecher. Es solle schnell gehen. „Wir haben eine besondere Situation.“ Voraussichtlich müssten schwere Kräne neben der Anlegestelle vorfahren. Zuvor sei zu prüfen, ob der Untergrund aushält. Die Vorarbeiten für den Abbau der Fähre sollten im Februar stattfinden, kündigte Visser an.

Nach dem Zusammenstoß mit dem 74 Meter langen Frachter auf dem Weg nach Brunsbüttel schafften es Spezialisten, die Fähre wieder in ihre Laufschiene einzuhängen. Arbeiter zogen sie dann 70 Meter weit mit Muskelkraft zur Südseite. Dort wartet sie nun auf den Abbau.

Ein wichtiges Denkmal der Stadt

Für den Rendsburger Bürgermeister Pierre Gilgenast (SPD) war das Fährunglück, bei dem zwei Menschen verletzt wurden, ein Schock. „Wir hoffen, dass es sie auch noch in Zukunft geben wird“, sagte Gilgenast. Die Rendsburger Fähre sei eine von weltweit gerade mal sieben noch existierenden Schwebefähren. Zudem gelte die in Rendsburg „Eiserne Lady“ genannte Brücke mit Fähre als eines der wichtigsten Denkmäler der Stadt, für die er sich sogar den Unesco-Welterbestatus wünscht.

Hier sehen Sie Bilder von dem Unfall an der Schwebefähre in Rendsburg.

Derweil prüft die Kieler Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren. „Wir müssen abwarten und untersuchen, wer möglicherweise welche Schuld trägt“, sagte eine Sprecherin der Anklagebehörde am Montag. Die Sachverständigen untersuchten deshalb die Unfallstelle an dem mehr als 100 Jahre alten Bauwerk.

Der Verkehr ist nach dem Unglück dagegen nur noch wenig beeinträchtigt. Die Sperrungen des Bahn- und Schiffverkehrs waren rund zehn Stunden nach dem Unfall aufgehoben worden. Den rund 1700 Fußgängern und Radfahrern, die die Fähre täglich nahmen, empfiehlt das WSA nun einen 1,2 Kilometer entfernten Tunnel unter dem Nord-Ostsee-Kanal. Dies gelte insbesondere für zahlreiche Schulkinder. Autos trifft es laut dem Rendsburger Bürgermeister Gilgenast dagegen weniger stark. Gerade mal 520 Autofahrer hätten die Fähre im Schnitt täglich mit ihren Wagen benutzt. Sie müssen nun auf einen nahegelegenen Straßentunnel ausweichen, den Zehntausende Fahrzeuge täglich passieren.

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Noch ist nicht klar, ob die Schwebefähre wieder repariert werden kann oder mit Totalschaden verschrottet werden muss. „Wir gehen derzeit von einem Millionenschaden aus“, sagte Matthias Visser, Sprecher des Wasser- und Schifffahrtsamts Kiel-Holtenau.

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