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Rendsburg Gilgenast: Nazi-Büste muss sofort weg
Lokales Rendsburg Gilgenast: Nazi-Büste muss sofort weg
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19:11 26.03.2019
Von Hans-Jürgen Jensen
Diese Büste des früheren Rendsburger Bürgermeisters Heinrich de Haan steht vor dem Alten Rathaus. Quelle: Wolfgang Mahnkopf
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Rendsburg

Die Diskussion über Heinrich de Haan schlägt in Rendsburg hohe Wellen. Der Politiker war von 1929 bis 1934 und von 1950 bis 1957 Bürgermeister. Bisher galt er als Opfer der Nazis. Der Darstellung widerspricht Neugebauer in seinem Buch "Opfer und Tätern in Rendsburgs NS-Zeit" energisch.

Vor wenigen Tagen ließ der Kreis Rendsburg-Eckernförde daraufhin den Namenszug von einem Schulgebäude entfernen. Das hatte zuvor sein Kulturausschuss so entschieden.

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Nun geht es um die Büste, die seit zehn Jahren auf dem Altstädter Markt steht, und um die Galerie der Bürgermeister auf einem Gang im ersten Stock des neuen Rendsburger Rathauses. Neben den Bildern der Bürgermeister hängt eine Tafel mit einer Erklärung, wie diese ins Amt kamen. Kein Wort zur politischen Einordnung der Politiker.

Geschichtsgesellschaft will mehr Erklärung

"Es ist nichts Inhaltliches, es ist rein organisatorisch", sagt Dr. Frauke Dettmer, stellvertretende Vorsitzende der Gesellschaft für Rendsburger Stadt- und Kreisgeschichte sowie ehemalige Leiterin des Jüdischen Museums in der Prinzessinstraße.

Die Historikerin findet die Tafel an der Bürgermeister-Galerie "doch ein bisschen dürftig" angesichts der Rolle de Haans und seines Nachfolgers Franz Krabbes, der NSDAP-Ortsgruppenleiter war. Die Geschichtsgesellschaft wolle sich nun "mit Kollegen zusammensetzen" und einen neuen Text entwerfen, der "so sachlich wie möglich" sein soll, den historischen Hintergrund der Bürgermeister aber beleuchtet.

"Kreis hat das gut gelöst"

Vorbild könnte der Kreis Rendsburg-Eckernförde sein, der die Galerie seiner Verwaltungschefs überarbeitete und vor eineinhalb Jahren eine Wanderausstellung über seine ehemaligen Landräte in ihrer jeweiligen Rolleals begeisterte Nazis, Mitläufer und Widerständler zusammenstellte.

"Der Kreis hat das sehr gut gelöst", findet Neugebauer. Der ehemalige Rendsburger Ratsherr und SPD-Landtagsabgeordnete ist auch Vorstandsmitglied der Geschichtsgesellschaft.

Unterdessen forderte Rendsburgs Bürgermeister Pierre Gilgenast am Dienstag, der Kulturausschuss der Stadt Rendsburg müsse sich schnell mit der Heinrich de Haan-Büste auf dem Altstädter Markt beschäftigen und einen Abbau in die Wege leiten. Neugebauers Aussagen zum früheren Bürgermeister seien "absolut nachvollziehbar", erklärte er. "Aus meiner Sicht sollte die Stele sofort weggenommen werden."

Auch Neugebauer hatte vor wenigen Tagen den Abbau der Büste gefordert.

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Diskussion über Büste und Bildergalerie im Rathaus
Frank Scheer 26.03.2019
Hans-Jürgen Jensen 26.03.2019
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