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Rendsburg Rendsburgs Grüne: Vorortbahn muss kommen
Lokales Rendsburg Rendsburgs Grüne: Vorortbahn muss kommen
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14:00 15.07.2019
Von Hans-Jürgen Jensen
Schwellen sind schwer beschädigt. Am Gymnasium Kronwerk führt das tote Gleis ins Dickicht. Quelle: Hans-Jürgen Jensen
Rendsburg

Zweieinhalb Kilometer lang ist das Gleis nach Seemühlen-Nord am Stadtrand von Rendsburg. Es zweigt von der Hauptstrecke Hamburg - Flensburg in Höhe des Gymnasiums Kronwerk ab und endet an einem Prellbock an der Büsumer Straße.

Seemühlen-Nord: Schienen rosten, Schwellen platzen, Dickicht wuchert

Seit Jahren ist das Gleis tot. Schienen rosten, Holzschwellen sind aufgeplatzt, Dickicht wuchert übers Gleis, provisorisch zum Stadtfest Rendsburger Herbst gebaute und zuletzt vor vier Jahren für Testfahrten genutzte Bahnsteige verfallen.

"Vermutlich ein Großteil der Schwellen und Schienen sowie des Schotters" müssten ausgetauscht werden, bevor hier wieder ein Zug fahren kann, sagt Jochen Schulz, der beim Nahverkehrsbetrieb Nah.SH für Infrastruktur zuständig ist. Eine sieben Jahre alte Schätzung bezifferte den Sanierungsbedarf auf 4,6 Millionen Euro.

Regionalbahn steht unnütz im Bahnhof

Bei der sogenannten Vorortbahn geht es um die Verlängerung der Regionalbahn 75, die stündlich zwischen Kiel und Rendsburg pendelt. Bevor er seine Rückreise in die Landeshauptstadt antritt, steht der Triebwagen eine Dreiviertelstunde im Rendsburger Bahnhof.

Lesen Sie auch: KN-Talk - Wie geht es weiter mit der Bahn?

"Vorortbahn als Beitrag zum Klimaschutz"

"Das ist vollkommener Blödsinn", schimpft Klaus Schaffner, der Fraktionsvorsitzende der Rendsburger Grünen. Die Idee, die Bahn bis zum Stadtrand fahren zu lassen, ist bald zehn Jahre alt. Passiert ist seitdem nichts. Die Bahn nach Seemühlen-Nord "wollen wir mit Nachdruck", sagt Schaffner. "Sie wäre ein Beitrag zum Klimaschutz und zur Verkehrswende."

Fridays for Future und Stadler

Neben der von der Fridays-for-Future angestoßenen Klimadebatte befeuert auch der geplante Bau der Stadler-Werkstatt das Thema. Das Unternehmen will in Rendsburg von wiederaufladbaren Batterien angetriebene Züge warten und reparieren. Für einen Standort hat sich Stadler noch nicht entschieden. Aber das tote Gleis nach Seemühlen-Nord ist im Gespräch. Es müsste saniert werden.

Zuletzt zeigte die Eisenbahngesellschaft Altona-Kaltenkirchen-Neumünster (AKN) vor zwei Jahren Interesse an einer Übernahme des toten Gleises, das der Stadt Rendsburg gehört. Er werde "aus laufenden Verhandlungen heraus" nichts berichten, erklärte Frank Thomsen, der Rendsburger Bauamtsleiter, auf Anfrage von KN-online.

"Auf Stadler warten"

Sollte Stadler ans tote Gleis kommen, "wäre eine Erneuerung des Nebengleises ohnehin erforderlich, sodass hier Synergie-Effekte denkbar wären", sagt Thomsen. Will heißen: Die Vorortbahn bekäme womöglich eine Chance. Der Bauamtsleiter meint auch: Die endgültige Entscheidung von Stadler bleibe "zunächst einmal abzuwarten". Auch Jochen Schulz von Nah.SH findet, Stadlers Wahl "muss abgewartet werden". Das Unternehmen will sich nach eigenen Angaben in wenigen Wochen entscheiden. Schulz sagt aber auch, die Vorortbahn wäre "auch ohne Stadler möglich".

Nach wie vor laufen die Gespräche mit der AKN um die Übernahme der Strecke, erklärt Jochen Schulz. "Die AKN ist noch interessiert." Es bestehe "kein Zeitdruck".

Nahverkehrsplan mit Vorortbahn

Im Entwurf für den nächsten landesweiten Nahverkehrsplan steht nach Angaben des Nah-SH-Vertreters die Vorortbahn. Diesen berate zunächst die Landesregierung im Kabinett, dann verabschiede ihn der Landtag voraussichtlich Ende des Jahres. Tatsächlich hat das nicht viel zu sagen. Schon im derzeit gültigen Nahverkehrsplan steht die Rendsburger Vorortbahn nach Seemühlen-Nord.

Kostenexplosion bei "Hein Schönberg"

Sand ins Getriebe hat womöglich auch die Explosion der Kosten für die Reaktivierung der Bahnstrecke Kiel - Schönberg von 35 auf bis zu 50 Millionen Euro gebracht. Prompt forderte der Bund der Steuerzahler den Ausstieg aus dem Weiterbau der Strecke, die im Volksmund "Hein Schönberg" heißt. Zuletzt kündigte Verkehrsminister Bernd Bucholz aber den Weiterbau an.

Die Kostensteigerung bei "Hein Schönberg" könnte Auswirkungen auf die Vorortbahn nach Seemühlen-Nord haben, meint Rendsburgs Bauamtsleiter: Sie "dürfte die Chancen für Rendsburg nicht gerade verbessert haben".

Seit Jahren ist das Gleis an den Stadtrand von Rendsburg tot.

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