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Rendsburg Hat die Rendsburger Stadtverwaltung versagt, Jens van der Walle?
Lokales Rendsburg Hat die Rendsburger Stadtverwaltung versagt, Jens van der Walle?
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13:33 02.02.2020
Von Hans-Jürgen Jensen
Jens van der Walle ist Vorsitzender des Unternehmensverbands Mittelholstein. Quelle: Malte Kühl
Rendsburg

Der Vorsitzende des Unternehmensverbands übt Kritik an Bürgermeister Pierre Gilgenast und vergleicht die Führung der Stadtverwaltung mit der Leitung eines Unternehmens. Wie das geht, weiß Jens van der Walle. Er teilt sich mit Hans-Jörg Vollert die Geschäftsführung der WeVo-Unternehmensgruppe. Die mittelständische Firma mit Hauptsitz in Büdelsdorf ist unter anderem im Tiefbau und der Sanierung von Abwasserkanälen tätig. Sie beschäftigt rund 250 Mitarbeiter. 

Herr van der Walle, die Konjunktur trübt sich bundesweit ein. Wie wirkt sich das auf den Raum Rendsburg aus?

Jens van der Walle: Das wird nicht spurlos an Rendsburg vorbeigehen. In Rendsburg und im Kreis Rendsburg-Eckernförde haben wir in der Bauindustrie und der Bauzulieferindustrie zwar noch eine hohe Auslastung. Wir haben allerdings auch andere Branchen wie die Metall- und Elektroindustrie, wo bereits leichte Eintrübungen zu erkennen sind. Trotzdem wirkt sich das nicht auf die Arbeitslosenquote aus.

Lesen Sie auch: Arbeitslosigkeit in Schleswig-Holstein zurückgegangen – niedrigster Stand seit 28 Jahren 

Wir haben im Kreis im Dezember 3,7 Prozent Arbeitslose und in Rendsburg sechs Prozent Arbeitslose. Wenn wir einmal 20 Jahre zurückschauen, hatten wir 14,7 Prozent Arbeitslose. Da hat sich etwas entwickelt. Man kann im Kreis von Vollbeschäftigung sprechen. Zurzeit ist eine Rezession oder eine Abkühlung hier nicht zu erkennen.

Sie sprechen oft von einem Fachkräftemangel.

Ja, das ist ein Thema, das uns heute mehr denn je beschäftigt. Ein weitergehender Aufschwung wird durch den Mangel an Fachkräften gehemmt.

Wird die Lage nicht verschärft durch die Insolvenz von Senvion und die andauernde Kurzarbeit bei Bögl? Kehren da nicht Fachkräfte der Region ein für allemal den Rücken?

Weil wir einen solchen Fachkräftemangel hier in unserem Kreisgebiet haben, werden die Leute von Senvion und Bögl förmlich aufgesogen. Auch wir haben einen Mitarbeiter für uns gewinnen können. Es stehen mindestens zwei Dutzend Unternehmen aus der Region parat, um diese Fachkräfte aufzusaugen. Ich sehe keine Probleme, dass Fachkräfte abwandern.

Ist das tatsächlich die bisherige Erfahrung?

Die Fachkräfte möchten natürlich gerne hier bleiben. Sie sind hier verwurzelt, sie haben hier ihre Familien. Sie suchen hier neue Stellen. Und ich sehe keine Schwierigkeiten, dass sie hier wieder unterkommen.

Fachkräftemangel ist ein bundesweites Problem. Wie kann Rendsburg da mit Metropolen wie Hamburg, Frankfurt oder München mithalten? Das sind doch wesentlich attraktivere Städte.

München zum Beispiel hat natürlich einen ganz anderen Charme als Rendsburg. Aber Rendsburg hat so viel zu bieten. Wir haben hier eine fantastische medizinische Versorgung. Die Stadt liegt im Herzen Schleswig-Holsteins. Wir haben es eine halbe Stunde zur Ostsee und eine dreiviertel Stunde zur Nordsee.

Wir haben hier local heroes, Firmen die standorttreu sind, die Arbeitsplätze sichern und nicht wie andere Konzerne Mitarbeiter vor die Tür setzen. Wir haben eine tolle Innenstadt. Die muss belebt werden. Das ist ein Dauerthema. Das mahnen wir an. Ich glaube, wir können Menschen begeistern, hier zu leben.

Sie sprechen von einer tollen Innenstadt. Ist da nicht mehr Verfall als Blüte?

Wenn wir die leerstehenden Geschäfte sehen, gebe ich ihnen recht. Aber wenn ich den Schiffbrückenplatz sehe und das Jüdische Museum, und wenn ich an die Pläne für das Obereidergebiet denke: Wer hat das zu bieten? Rendsburg liegt am Nord-Ostsee-Kanal. Das hat schon seinen Charme. Das muss aber auch entsprechend kolportiert werden.

Noch einmal: Ich sehe zu viel Verfall. Was muss sich da ändern?

Da ist die Politik gefordert. Auch die Eigentümer sind gefordert. Es muss einen Plan geben. Wo will Rendsburg im Jahr 2030 mit seiner Innenstadt stehen? Welche Möglichkeiten gibt es in der Entwicklungsplanung? Ja, wir reden auch über Häuser, die einsturzgefährdet sind und geräumt werden müssen. Das sind aber Erkenntnisse, die Rendsburg schon vor fünf Jahren hätte haben müssen. 

Dann stellt sich doch die Frage, wer die letzten fünf Jahre versagt hat.

In erster Linie natürlich die Eigentümer, die ihre Immobilen hegen und pflegen müssen. Sie sind verantwortlich. Die Mitarbeiter aus der Verwaltung gehen aber auch täglich durch den Stegen und die Hohe Straße (Stegen und Hohe Straße bilden die Fußgängerzone quer durch die Innenstadt, Anm. d. Red.).

Die Stadtverwaltung hat versagt?

Die Verwaltung hat eine Aufsichtspflicht. Sie muss sich solche Gebäude rechtzeitig anschauen, bevor es wieder zu solchen Horrormeldungen über Zwangsräumungen kommt, die letztendlich unserer Region schaden. Wir sind nun weiß Gott durch andere Themen gebeutelt, wie die Dauerbaustelle Kanaltunnel.

An der Spitze der Verwaltung steht der Bürgermeister Pierre Gilgenast. Sind sie mit ihm zufrieden?

Es ist richtig, der Chef trägt am Ende des Tages die Verantwortung. Das ist in meinem Unternehmen auch so. Wenn Mitarbeiter Fehler machen, am Ende bin ich verantwortlich und muss ich zusehen, dass es wieder in die richtige Richtung geht. Und das ist auch seine Aufgabe als Bürgermeister.

Das ist eine Aufgabenbeschreibung aber nicht die Antwort auf die Frage.

Der Bürgermeister macht gute Dinge. Und er macht aber auch Dinge, mit denen wir nicht zufrieden sind. Da geht es um die Entwicklung unserer Stadt. Wir brauchen Baugebiete. Wir müssen dafür sorgen, dass hier mehr Unternehmen angesiedelt werden. Das sind Themen, die wir mit Herrn Gilgenast permanent besprechen. Wir geben ihm Ratschläge. Da ist beim Bürgermeister noch Potenzial nach oben.

Das heißt doch, es ist zu wenig.

Es könnte immer mehr sein. Vor allem brauchen wir Baugebiete, damit Fachkräfte, die herkommen, sich ein Haus bauen können. Wenn wir nichts im Angebot haben, dann können wir auch nichts anbieten.

Es steht in Rendsburg am 7. Juni 2020 eine Bürgermeisterwahl bevor. Pierre Gilgenast will weitermachen. Aber er hat mit Janet Sönnichsen eine Gegenkandidatin. Werden Sie als Unternehmensverband Einfluss nehmen?

Der Unternehmensverband ist hochpolitisch aber überparteilich. Das heißt: Wir werden keinen Einfluss nehmen. 

Wird es eine Empfehlung des Unternehmensverbands geben?

Eine Empfehlung, den Kandidaten oder die Kandidatin zu wählen, wird es von uns nicht geben. Allerdings empfehlen wir allen wahlberechtigten Bürgerinnen und Bürgern das Recht wahrzunehmen und wählen zu gehen. Dadurch erhält jeder Wahlberechtigte die Möglichkeit Politik aktiv mitzugestalten. Also: Bitte, geht zur Wahl. Das ist ganz wichtig.

Sie haben doch Interessen, also wäre eine Empfehlung für den Kandidaten oder die Kandidatin verständlich.

Unser Interesse ist, dass der Bürgermeister beziehungsweise die Bürgermeisterin das Ohr hat für die Belange der Wirtschaft, um weiter für Arbeit und Beschäftigung zu sorgen und damit auch für den Wohlstand der Bürger.

Sie könnten Wahlprüfsteine formulieren und den Kandidaten vorlegen.

Möglicherweise werden wir eine Podiumsdiskussion veranstalten, bei der wir unsere Fragen den Kandidaten stellen würden. Es würden Fragen zur Wirtschaft und Beschäftigung sein. Wir haben noch nicht entschieden, wie wir es machen, als reine Podiumsdiskussion oder in einer anderen Form. Wir entwickeln Ideen. Es ist ja noch Zeit. Aber es wird auf jeden Fall etwas kommen.

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