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Rendsburg Nach EC-Kartenklau ist Konto im Minus
Lokales Rendsburg Nach EC-Kartenklau ist Konto im Minus
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20:35 25.08.2019
Von Sven Janssen
Rentnerin Annerose Nitschmann hat nach dem Diebstahl ihrer EC-Karte ein erhebliches Minus auf ihrem Konto.
Rentnerin Annerose Nitschmann hat nach dem Diebstahl ihrer EC-Karte ein erhebliches Minus auf ihrem Konto. Quelle: Sven Janssen
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Kronshagen

Rentnerin Annerose Nitschmann (69) wurde das Portemonnaie geklaut und wenig später vom Täter 1500 Euro am Geldautomaten abgehoben. Weil er PIN (Personal Indetification Number) und Karte nutzte, wirft die Bank der Rentnerin grobe Fahrlässigkeit vor und verweigert die Rückzahlung. Von der Rente kann sie ihr Konto nicht ausgleichen."Ich bin am Ende, ich kann mir das einfach nicht erklären“, sagt die 69-jährige Annerose Nitschmann drei Wochen nach der Tat. Immer wieder sei sie im Kopf den 30. Juli durchgegangen, den Tag, an dem ihr Portemonnaie gestohlen wurde.

PIN der EC-Karte weder aufgeschrieben noch verraten

„Das Schlimmste für mich ist, dass die Kieler Volksbank mir unterstellt, dass meine PIN zusammen mit der Karte im Portemonnaie war und ich deshalb schuld bin, dass der Täter Geld abheben konnte“, sagt sie. Das stimme aber nicht. „Ich habe meine PIN nirgends aufgeschrieben. Nicht einmal meine Tochter, die Kontovollmacht hat, kennt sie.“ Dass ihre Bank so etwas unterstelle, sei enttäuschend.

Mittlerweile hat Annerose Nitschmann die Abläufe rekonstruiert. Am 30. Juli habe sie bei Aldi eingekauft und dort um genau 12.09 Uhr mit der Karte bezahlt. „Dann bin ich zu meiner Tochter gefahren und mit ihr zum Citti-Markt.“ Dort habe sie um 16 Uhr Würstchen gekauft, bar bezahlt und das Portemonnaie wieder in die Tasche gesteckt. Um 16.42 Uhr hob jemand mit ihrer Karte am Automaten am Bahnhof Kiel 1500 Euro ab.

Kartendiebstahl fiel 69-Jähriger erst später auf

„Dass ich beklaut wurde, habe ich erst am nächsten Tag um 10 Uhr bemerkt, als ich meine Geldbörse brauchte und sie nicht da war.“ Zwei Stunden habe sie gesucht und dann um 12 Uhr die Karte direkt von ihrer Bank sperren lassen. „Ich habe noch am Telefon gesagt, dass ich hoffe, dass nichts passiert ist“, sagt sie, darauf habe der Bankmitarbeiter gar nicht reagiert. "Ich habe gedacht, alles ist okay."

Drei Tage später wollte sie in der Kronshagener Filiale Geld am Schalter holen. Dort erfuhr sie, dass ihr Konto 1800 Euro im Minus ist. „Das war für mich ein Schock. Ich frage mich, warum man mir das nicht gleich gesagt hat, als ich die Karte gesperrt habe.“

Bank lehnt Rückzahlung ab

Nach der Schadensaufnahme in der Bank sei sie sofort zur Polizei in Kronshagen gegangen und habe Anzeige erstattet. „Die Bank hat mir gesagt, dass ich das Geld nicht wiederbekomme. Von meiner Rente kann ich im Monat vielleicht 50 Euro abknapsen, wenn ich mich einschränke“, sagt  Annerose Nitschmann.

„Zweieinhalb Jahre brauche ich dann, um mein Konto auszugleichen“, hat sie ausgerechnet. Dazu kämen noch ein paar hundert Euro Überziehungszinsen, die die Bank in der Zeit kassiere.

Anscheinsbeweis spricht gegen die Kundin

„Uns tut wirklich leid, was der Kundin passiert ist“, sagt Timo Kaiser, Vorstand der Kieler Volksbank. Er bestätigte, dass nicht sie das Geld abgehoben habe. „Es gibt ein Foto vom Täter, der die Originalkarte und PIN benutzt hat.“ Und eben das, so Kaiser, sei das Problem. Wenn Karte und PIN benutzt würden, gelte der Beweis des ersten Anscheins, das habe der Bundesgerichtshof entschieden.

Das bedeute, dass wenn nichts anderes vorgebracht werde, man davon ausgehen müsse, dass der Kunde Karte und PIN zusammen aufbewahrt habe. Dass der Täter die PIN der EC-Karte binnen so kurzer Zeit rekonstruiert habe, sei technisch nicht möglich. Auf dem Fragebogen der Bank habe die Kundin Annerose Nitschmann angekreuzt, dass ein Ausspähen der Pin nicht möglich war, sagte Vertriebsleiter Sebastian Heinz. Auch das spreche für den Anscheinsbeweis.

In Härtefällen Kulanzlösung möglich

„Wir haben eine Verpflichtung gegenüber allen Kunden, treuhänderisch mit ihrem Geld umzugehen“, sagt Timo Kaiser. Würde er ohne Rechtsgrund das Geld erstatten, könne ihm das vorgeworfen werden. „Wir werden das persönliche Gespräch mit der Kundin suchen und sehen uns den Fall ergebnisoffen an“, kündigte er an. In Härtefällen seien auch Kulanzlösungen möglich, um die Folgen abzumildern.

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