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Rendsburg Sechs Mühlen leisten mehr als zehn
Lokales Rendsburg Sechs Mühlen leisten mehr als zehn
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16:40 31.10.2013
Von Nora Saric
Nach und nach wird das Windrad hochgezogen. Ganz links liegt die Nabe bereit, daneben das Getriebe, das Maschinenhaus und zwei weitere Turmteile. Quelle: Saric
Bokel

Inmitten von Knicks, Wiesen und der Mühlenau zwischen den Gemeinden Bokel und Ellerdorf geht es geschäftig zu: Hier standen seit fast 13 Jahren zehn 100 Meter hohe Windräder, die seit September nach und nach abgebaut werden. Parallel werden sechs größere, leistungsstärkere Anlagen aufgebaut. Die vierte ist so gut wie fertig. Nun drehen sich von den alten nur noch drei im Wind. Die anderen sieben liegen in ihren Einzelteilen auf dem Boden und warten darauf, von ihrem neuen Eigentümer abgeholt zu werden. „Die alten Anlagen sind verkauft worden, dafür gibt es einen richtigen Markt“, sagt Ingenieur Michael Lange.

 Lange ist Projektmanager der Hamburger Firma E3. Im Auftrag des Windparkbetreibers Wind Project Development (WPD) mit Sitz in Bremen kümmert sich der 32-Jährige „um alles, was vor Ort zu tun ist“: von Pachtverträgen für die etwa 70 Hektar große Eignungsfläche, über Genehmigungen bis hin zur Bauplanung.

 Die Baustelle ist international. Deutsche, dänische oder auch spanische Facharbeiter unterschiedlicher Gewerke arbeiten auf Hochtouren, denn schon im November sollen die neuen „V112“-Windräder – V steht für den Hersteller Vestas und 112 für den Rotordurchmesser in Metern – ans Eon-Hanse-Netz gehen. „Acht Millionen Kilowattstunden Energie wird eine Anlage im Jahr produzieren“, so Lange. Also 48 Millionen insgesamt. Die alten erzeugten einzeln nur zweieinhalb, zusammen 25 Millionen Kilowattstunden im Jahr.

 Wenn alle einzelnen Bauschritte, Planungskosten und Gehälter eingerechnet würden, belaufen sich die Kosten für ein neues Windrad auf fünf Millionen Euro, zusammen auf 30 Millionen Euro, rechnet Michael Lange vor. „Der erste Arbeitsschritt sind die Kranstellflächen und die Zuwegung zu den Standorten“, erklärt der Ingenieur. Für gefällte oder umgesetzte Bäume und gerodete Knicks gebe es entsprechende Ausgleichsflächen. Der Bau des drei Meter tiefen Beton-Fundaments folgt, auf das Teil für Teil die neue Windkraftanlage gebaut wird.

 Einer, der weiß, wie das geht, ist Burkhard Stening, Leiter des Aufbaus von Vestas: „Der Turm besteht aus vier Teilen, jeweils vier Meter breit“, erklärt er. „Erst werden die zwei unteren Teile mit einem kleinen Kran aufeinander gesetzt. Dann muss ein Spezialmörtel aushärten, der den Turm richtig fest mit dem Fundament verbindet.“ Ist der Turm fertig, misst er 94 Meter. „Darauf kommt mit dem großen Kran die Gondel, das ist das Maschinenhaus mit Generator und Getriebe sowie die Nabe, an der die Rotorblätter montiert werden.“ An dieser Stelle wird die Drehbewegung direkt in Energie umgewandelt und ins Netz eingespeist. Die einzelnen Rotoren haben eine Länge von 56 Metern, der Durchmesser des Kreises, den die Rotorspitzen beschreiben, beträgt 112 Meter. Daraus ergibt sich die Gesamthöhe von 150 Metern.

 Der Abtransport der alten Anlagen werde nächste Woche beginnen, kündigt Michael Lange an. Inklusive Rückbau der alten Fundamente und Wege sollen die Arbeiten im Windpark im Februar 2014 komplett abgeschlossen sein.