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Rendsburg Dreieinhalb Stunden bis zur Hochbrücke
Lokales Rendsburg Dreieinhalb Stunden bis zur Hochbrücke
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17:50 11.09.2013
Von KN-online (Kieler Nachrichten)
Die Sanierung der Rader Hochbrücke wird laut Kieler Verkehrsministerium bis zu vier Monate dauern. Quelle: Janssen
Rendsburg

Die Brücke wurde am Freitag für Lastwagen über 7,5 Tonnen gesperrt; Autofahrern steht statt zweien nur noch eine Spur in jede Richtung zur Verfügung.

Der Geschäftsführer des Unternehmensverbandes Logistik Schleswig-Holstein, Thomas Rackow, befürchtet durch die Baustelle Millionen Euro Zusatzkosten für die Transportbranche. „Ich bin fassungslos, es ist eine Katastrophe“, sagte Rackow. Dass eine Baustelle dieser Größenordnung von einem Tag auf den anderen eingerichtet werde, habe Rackow sich zuvor nicht vorstellen können. Von 17000 Lastwagen, die nach Rackows Angaben täglich durch den Elbtunnel fahren, nutzten die Hälfte die Rader Hochbrücke.

Die am Freitag begonnene Sanierung der Rader Hochbrücke bei Rendsburg hat am Sonnabend für lange Staus auf der A7 gesorgt. Ab Höhe Bordesholm standen die Autofahrer am Vormittag in Richtung Norden 17 Kilometer, in Richtung Süden ab Owschlag vier Kilometer im Stau.

Starker Urlaubsreiseverkehr verschärfte die Lage am Sonnabend noch. „Das ist ein Stau zwischen Hamburg und Flensburg“, sagte ein Autobahnpolizist. Schon am Freitag hatte sich in Richtung Norden ein 20 Kilometer langer Stau vor der Rader Hochbrücke gebildet.

Am Mittag will sich Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Reinhard Meyer (SPD) vor Ort ein Bild von der Situation an der Brücke machen. Die Sanierung wird laut Kieler Verkehrsministerium bis zu vier Monate dauern. Gebaut wurde die Rader Hochbrücke zwischen 1969 und 1971. Sie führt über den Nord-Ostsee-Kanal.

Ein Protokoll.

11 Uhr: Verkehrsminister Reinhard Meyer (SPD) hat die Hochbrücke zur Chefsache erklärt und lässt sich vor Ort über die Hintergründe der Sperrung informieren. Mit rund 20-minütiger Verspätung erreicht er von Hamburg kommend das Brückenbauwerk. An einer Fotowand an einem der maroden Pfeiler erläutert Matthias Paraknewitz, Leiter des Landesbetriebs Straßenbau und Verkehr, dem Minister, wie massiv die Schäden in den Pfeilerköpfen sind. „Teilweise bis zu 15 Zentimeter ist der Beton der 40 Zentimeter dicken Pfeilerwände nur noch bröckelig. Zusätzlich haben wir gekappte Eisenarmierungen entdeckt, die uns erhebliche Sorgen bereiten“, sagt Paraknewitz.  Dass die Köpfe über Betonschäden verfügen, sei bereits seit einem Jahr bekannt. Doch habe sich erst jetzt beim Start der dafür notwendigen Sanierungsarbeiten die Schwere der Schäden erwiesen. Von Pfusch am Bau könne aber nicht gesprochen werden.

Gegen 11.30 Uhr staut sich der Verkehr bis zur Anschlussstelle Neumünster Süd.

14 Uhr: KN-online-Reporter Bastian Modrow berichtet von etwa 25 Kilometern Stau! Auch die Alternativrouten sind demnach stark belastet: Auf der B 76 vor Gettorf staut sich der Verkehr auf etwa zehn Kilometern Länge - und auch in Kiel ist die Lage aufgrund des Holstein-Fußballspiels angespannt. "Das Maximum ist noch nicht erreicht", informiert die Polizei.

14.45 Uhr: "Von Kiel gelangt man problemlos über die A  210 bis zum Rendsburger Kreuz", berichtet KN-Redakteurin Heike Stüben. Dort allerdings seien die ersten Fahrzeuge wegen Überhitzung liegen geblieben, ein Auto fuhr in ein anderes hinein, es blieb bei Blechschäden. Das Einfädeln in die A7 dauert: "Es geht alle paar Minuten nur noch meterweise voran."

15.30 Uhr: Der Parkplatz direkt an der Rader Hochbrücke ist rappelvoll. "Die Menschen sind sehr genervt, Kleinkinder quengeln", sagt Heike Stüben. Die Situation sei einigermaßen dramatisch: Viele hätten kein Wasser mehr, und bis zur nächsten Möglichkeit, sich welches zu kaufen, sei es noch lang. "Viele haben dreieinhalb Stunden von Neumünster hierher gebraucht und die Lage vollkommen unterschätzt."

16.25 Uhr: Hinter der Rader Hochbrücke löst sich der Stau in Richtung Norden relativ schnell auf - und an der Raststätte Hüttener Berge ist es voll ohne Ende: Vor allem kalte Getränke sind gefragt, Hunde werden ausgeführt. Vor allem Ausländer, die durch Deutschland als Transitland in Richtung Skandinavien fahren, sind vom Chaos vollkommen überrascht. Da Sonnabend der traditionelle Tag für den Bettenwechsel in Dänemark ist, staut sich der Verkehr auch auf der Seite der A7 von Flensburg scheinbar unendlich.

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Die Rader Hochbrücke ist wegen „massiver Verschleißerscheinungen“ ab sofort mindestens vier Monate lang für Lastwagen ab 7,5 Tonnen komplett gesperrt. Für Autos steht je Fahrtrichtung nur noch eine statt zwei Spuren zur Verfügung. „Wir hatten keine andere Alternative“, sagt Verkehrsstaatssekretär Frank Nägele. Tourismusverband, ADAC und Speditionen sprechen von einer „Katastrophe“. Die Polizei rechnet mit Rekordstaus.

Bastian Modrow 11.09.2013

Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Reinhard Meyer (SPD) hat die Hochbrücke zur Chefsache erklärt und ließ sich am Sonnabend vor Ort über die Hintergründe der Sperrung informieren. Mit rund 20-minütiger Verspätung erreichte Meyer von Hamburg kommend gegen 11 Uhr das von 1969 bis 1971 errichtete Brückenbauwerk.

Karsten Leng 11.09.2013

Was für ein Desaster! An schlechte Nachrichten über den Zustand der Verkehrswege im Norden hat man sich hierzulande längst gewöhnt. Die Teilsperrung der Rader Hochbrücke hat aber eine andere Qualität. Sie trifft Schleswig-Holstein direkt ins Mark. Die Folgen werden gravierend sein - vor allem für die regionale Wirtschaft.

28.07.2013