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Rendsburg In "Lindenberg! Mach dein Ding" steckt auch ein Stück Nortorf
Lokales Rendsburg In "Lindenberg! Mach dein Ding" steckt auch ein Stück Nortorf
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14:25 20.01.2020
Von Hans-Jürgen Jensen
Jan Bülow (li.), spielt in "Lindenberg! Mach dein Ding" Udo Lindenberg (re.). Der Film startet am 16. Januar 2020 in den Kinos. Zu sehen sind darin auch Requisiten aus Nortorf. Quelle: Christian Charisius/dpa
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Nortorf

Lutz Bertram bekam den Anruf Anfang 2019. "Im Januar oder Februar." Am Apparat: Der Vertreter eines Hamburger Filmproduzenten. "Haben Sie Goldene Schallplatten?" Sein Unternehmen plane einen Streifen über Leben und Werk von Udo Lindenberg. Er brauche sechs Goldene Schallplatten. Ob er die ausleihen dürfe. Bertram "Ich sagte: Ja gerne." Dabei blieb es aber nicht.

Revox-Bandmaschine für Udo-Lindenberg-Film

Einen Tag nach dem Anruf kam der Vertreter des Filmproduzenten, packte die Goldenen Schallplatten ein, ließ sich von Lutz Bertram erst durchs Museum mit den Plattenspielern, Phonoschränken, Vinylplatten und dem Teldec-Schriftzug an der Wand führen, und besichtigte anschließend den Fundus im nahe gelegenen Kesselhaus.

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Der Hamburger bekam glänzende Augen, entdeckte die legendäre Revox-Bandmaschine "A77", Dual-Plattenspieler und Abhörautomaten, an denen einst Qualitätskontrolleure des Nortorfer Teldec-Werks saßen. Das Tonbandgerät packte er gleich in sein Auto. "Die Revox ist immer noch etwas Besonderes unter den Tonbandgeräten", sagt Bertram

"Lindenberg! Mach dein Ding" mit Plattenspielern aus Nortorf

Später holten die Hamburger mit einem Kleintransporter Akten, Plattenspieler und Abhörautomaten für den Udo Lindenberg-Film "Lindenberg! Mach dein Ding" ab.

Hochinteressant fanden sie auch einen hölzernen Tresen mit seiner Messingreling zum Festhalten. Das gute Stück aus dem alten Landkrug steht im Kesselhaus. Am Ende brauchten die Hamburger den Tresen nicht.

Udo-Lindenberg-Filmer zahlten dem Schallplattenmuseum 150 Euro

Nach wenigen Tagen brachten die Hamburger die Akten und Geräte wieder unbeschadet zurück. Obendrauf bekamen die Nortorfer noch einen Schallplattenspieler und 150 Euro für die Hilfe, sagt Lutz Bertram.

Um den Preis habe er nicht feilschen wollen. "Es ist immer gut, wenn man solche Leute kennt. Da muss man nicht gierig sein. Ein Kontakt ist mehr wert als Geld." Dass das Museum helfen konnte, "hat mich riesig gefreut".

Seit der Film-Trailer von "Lindenberg! Mach dein Ding" veröffentlicht wurde, schauen sich die Leute vom Schallplattenmuseum Nortorf das kurze Stück immer wieder auf ihren Handys an und entdecken Requisiten aus Nortorf. Stolz sind sie. "Wir fühlen uns geadelt", sagt Lutz Bertram. Denn einen Film hatten sie zuvor noch nie ausgestattet. Bislang griffen nur Nortorfer Geschäfsleute oder ein Textilladen aus Neumünster auf den Fundus zu.

Udo Lindenberg schrieb "Keine Panik" ins Gästebuch

Auch wenn die Musik von Udo Lindenberg nicht das Ding des Jazz-Liebhabers Bertram ist, den Menschen Lindenberg findet der Nortorfer "genial", besonders dessen Herz für Schwache. "Er ist sehr authentisch."

Schallplattenmuseum aus Nortorf hilft bei Udo Lindenberg-Film "Mach dein Ding".

Als es das Teldec-Werk bis Ende der 1990er Jahre noch mitten in Nortorf gab, ging der Musiker Udo Lindenberg in der Fabrik ein und aus, legte selbst Hand an und presste ein Exemplar seines Albums "Votan Wahnwitz", schrieb eine Widmung aufs Etikett, verewigte sich mit "Keine Panik" im Gästebuch, besuchte die Rinder im Stall und auf der Koppel von Bauer Röschmann im nahe gelegenen Bülten.

Zur Person: Udo Lindenberg

Den Musikmarkt mit deutschen Texten bestimmten jahrzehntelang Schlager mit mal mehr oder weniger seichtem Inhalt. Dann kam der 1946 im westfälischen Gronau geborene Udo Lindenberg und krempelte in den 1970er Jahren die Szene mit dem Schlachtruf "Keine Panik" um. 

Bisher nicht gehörter Wortwitz fand sich in seinen Liedern. Textprobe: "Es ist alles im Lot auf dem Riverboat. Und wenn's untergeht, ist auch egal. Mit'm U-Boot fahren wollt' ich immer schon mal."

Dazu erfand er herrlich schräge Typen wie den Dirigenten Votan Wahnwitz, den Mafioso Johnny Controletti, die Opernsängerin Elli Pyrelli, den Stehgeiger Rudi Ratlos und den Galan Carl Brutal.

Mit seinen Werken erzielte Udo Lindenberg vielfachen Gold-Status. Mit seinem neuen Programm ist Udo Lindenberg zurzeit auf Tournee, 2020 kommt er auch für zwei Konzerte nach Kiel. Der Film "Lindenberg! Mach dein Ding" ist im Januar in den Kinos angelaufen.

Caterina Valente und Vico Torriani nach Udo Lindenberg?

Nach der Hilfe für den Lindenberg-Streifen kann es gerne so weitergehen, findet Achim Dröge, der Sprecher des Museumsvereins. Der pensionierte Redakteur wirft einen Blick auf eine Vitrine zwischen Phonoschränken und Plattenspieler. Bilder von Caterina Valente und Vico Torriani liegen da hinter Glas.

"Wenn jemand einen Film über sie dreht, können wir auch etwas dazu geben." Etwa Einträge ins Gästebuch, des längst geschlossenen Teldec-Werkes, dessen Nachlass das Schallplattenmuseum in einem ehemaligen Wohnhaus am Jungfernstieg hütet.

Vom ehemaligen Teldec-Werk, das für Nortorf den Ruf als Stadt der Schallplatte prägte, sind nur noch wenige Gebäude im Zentrum der Kleinstadt übrig. Auffälligstes Relikt ist das frei stehende Kesselhaus, umgeben von Supermärkten sowie einer Wohn- und Geschäftszeile.

Schallplattenmuseum Nortorf zieht ins Kesselhaus

In dem Gebäude arbeiteten Dampfkessel, Kompressoren und Hydraulikpumpen für das benachbarte Teldec-Werk. Eine Hälfte des Gebäudes nutzt das Schallplattenmuseum als Lager. Die Stadt Nortorf will den Gebäudeteil sanieren und umbauen. Dann soll das Schallplattenmuseum dort einziehen. Denn die Räume am nahen Jungfernstieg platzen aus allen Nähten.

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