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Rendsburg Geteilte Meinungen zum Bürgerentscheid
Lokales Rendsburg Geteilte Meinungen zum Bürgerentscheid
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20:30 19.07.2019
Von Beate König
Das ehemalige Kesselhaus der Schallplattenfabrik hat eine Galerie, die sich in einem neuen Museum als Standort für Sonderausstellungen eignen würde. Quelle: Beate König
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Nortorf

Am 10. Juli genehmigte die Kommunalaufsicht des Kreises Rendsburg-Eckernförde den ersten Bürgerentscheid in der Geschichte der Stadt Nortorf. Bürger werden mit ihrem Votum direkt darüber entscheiden, ob das Schallplattenmuseum ins ehemalige Kesselhaus des Schallplattenpresswerks einziehen soll – für den Umbau des alten Funktionsgebäudes zum Museum werden derzeit eine Million Euro Kosten angesetzt.

Kommunalaufsicht hat Bürgerentscheid zum Museum Nortorf genehmigt

Bürgermeister Torben Ackermann rechnet mit hohen Fördermitteln für das Projekt, das CDU und FDP unterstützen. SPD und Grünen dagegen halten das Projekt für zu kostenintensiv für die Stadt. Mitglieder aus beiden Parteien hatten den Bürgerentscheid angeschoben. Die SPD stellte als Alternative ein Neubauprojekt auf dem städtischen Grundstück am Jungfernstieg vor, in dem Museum, Bücherei und Touristikbüro unterkommen könnten.

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Bei einer Umfrage dieser Zeitung auf dem Marktplatz zeigte sich: Die Meinungen zum Bürgerentscheid sind konträr. Die Mehrheit der Befragten war überzeugt, dass Bürgern jenseits der Abstimmung der gewählten politischen Vertreter in der Stadtverordnetenversammlung eine direkte demokratische Entscheidung darüber ermöglicht werden soll, wie Steuermittel eingesetzt und die Geschichte der ehemaligen Stadt der Schallplatte angemessen dargestellt wird.

„Bürger müssen Verantwortung übernehmen“, sagt Volker Rohweder

„Wenn Bürger mit entscheiden können, ist das eine gute Sache“, stand für Melanie Schröder (43) fest. „Ein Bürgerentscheid ist immer der richtige Weg. Bürger entscheiden intuitiv richtig“, war sich Volker Rohweder (70) sicher. „Bürger müssen Verantwortung übernehmen. Immer wieder.“ Er reagierte mit Unverständnis darauf, dass Mitglieder von Parteien den Bürgerentscheid anschoben. „Das Museum hat kulturhistorische Bedeutung für die Stadt. Das hat mit Parteipolitik nichts zu tun.“

Hintergrundwissen ist vor der Abstimmung entscheidend

„Es gut, dass sich die Politiker absichern, dass sie im Zweifel nicht gegen die Mehrheit der Bevölkerung dafür entscheiden, viel Geld auszugeben,“ sagte Elke Fiebelkorn. Sie hatte Zweifel, ob alle abstimmungsberechtigten Bürger über ausreichendes Hintergrundwissen verfügen, um die finanzielle Dimension des Entscheids für die Stadt einschätzen zu können. „Man muss die Bürger vorher aufklären“, war der Rentnerin wichtig. „Wo gibt es in der Stadt öffentlich zugängliche Informationen dazu?“

„Mein Mann hat 30 Jahre im Schallplattenwerk gearbeitet und die letzte Schallplatte gepresst“, sagte Angelika Rehme. Der 71-Jährigen und Ruth Bargstedt (70) aus Nortorf war noch gar nicht bekannt, dass es voraussichtlich im September den Bürgerentscheid geben wird. Ihr generelles Votum pro Museum stand allerdings schon fest: „Mein Mann hat 30 Jahre im Schallplattenwerk gearbeitet und die letzte Schallplatte gepresst. Das Museum gehört zu Nortorf, sagte Angelika Rehme entschieden. Als sie ihrer Enkelin im Museum die Geschichte der Schallplatte erklären wollte, sei ihr aufgefallen, dass die jetzigen Räume für die Zahl der Exponate viel zu klein sind.

Kritik am bürokratischen Aufwand für den Bürgerentscheid

Bürgerentscheid? Das ist mir egal“, sagte eine 29-jährige Mutter, die ihren Namen nicht preisgeben wollte. Sowohl die Zukunft des Museums als auch die Möglichkeit, durch ihre Beteiligung am Bürgerentscheid mit zu bestimmen, wie Steuermittel eingesetzt werden, waren ihr gleichgültig.

Klaus Hofstätter fand den bürokratischen Aufwand, der für das dem Bürgerentscheid vorgeschaltete Bürgerbegehren im Vorweg betrieben wurde und das Abstimmungsprozedere, zu hoch. „Das Museum soll ins alte Kesselhaus“, stand für den 69-Jährigen fest. Für das ehemalige Wohnhaus im Besitz der Stadt, in dem jetzt das Museum untergebracht ist, hatte der Nortorfer auch eine Idee zur weiteren Verwendung: „Da kann die Stadt in Zukunft Asylbewerber unterbringen.“

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Einen Bürgerentscheid zu der Frage, ob im ehemaligen Kesselhaus der Schallplattenfabrik das Museum einziehen soll, wird es in Nortorf voraussichtlich im September geben. Die Meinungen, ob das notwendig ist, gehen auseinander.
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